Naturschutzbeirat des Kreises Herford spricht sich für Verbot in Bebauungsplänen aus
„Schottergärten sind ökologisch wertlos“

Herford (WB). Der Naturschutzbeirat des Kreises Herford hat die Kommunen des Kreises in einem Beschluss dazu aufgefordert, so genannte Schottergärten in Bebauungsplänen zu verbieten. Der Kreis Herford solle in diesem Zusammenhang die Beseitigung von Schottergärten und Betonpflasterflächen im Rahmen des Klimaschutzprogramms fördern.

Freitag, 03.07.2020, 15:17 Uhr aktualisiert: 03.07.2020, 15:22 Uhr
Statt blühender Gärten sind immer häufiger so genannte Schottergärten zu sehen. Der Naturschutzbeirat des Kreises kritisiert diese Entwicklung. Diese Art der Gärten böten keine Nahrung für Insekten. Außerdem heizten sie an heißen Tagen mächtig auf. Foto: dpa

Die Mitglieder des Naturschutzbeirats kritisieren die neu angelegten Schottergärten als umwelt- und klimaschädlich. „Blühende Vorgärten mit Wildpflanzen sind für Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge wichtige Lebensräume und bieten Unterschlupf für Kleinsäuger. Insekten bieten wiederum anderen Wildtieren, insbesondere Singvögeln, Nahrung. Schottergärten sind hingegen ökologisch wertlos“, erklärt Ullrich Richter, Vorsitzender des Beirats.

Zudem seien die Schottergärten und Betonflächen in Siedlungen schädlich für das Klima. „Sie heizen sich an Sommertagen stark auf, speichern die Hitze und haben keine kühlende Wirkung in der Nacht. In Zeiten des Klimawandels stehen sie nicht als kühlende Flächen zur Verfügung“, betont Richter.

Ferner seien sie für den Wasserhaushalt äußerst nachteilig, da Wasser hier schlecht bis gar nicht versickern könne. Das häufig direkt in die Kanalisation eingeleitete Wasser führe bei Starkregen oft zu einer Überlastung der Kanalisation und schade der Grundwasserneubildung.

Nähboden für Flugsamen

Auch aus Sicht der Eigentümer hat die Errichtung eines Schottergartens nach Auskunft des Naturschutzbeirates Nachteile. Diese beziehen sich neben möglicher Gebäudeschäden bei Starkregen insbesondere auf die Pflege: „Der Eintrag von Laub und Staub durch den Wind bildet den Nährboden für Flugsamen. Unerwünschter Aufwuchs von heimischen Pflanzen ist die Folge.

Chemische Bekämpfung ist verboten und mühevolles Zupfen auf dem schlecht begehbaren Schotter nahezu unmöglich“, erklärt Ullrich Richter. Die pflegeleichte Alternative seien bodendeckende Sträucher und Stauden. Diese müssten nur in den ersten Monaten krautfrei gehalten werden.

Die rechtliche Grundlage für ein generelles Verbot von Schottergärten biete die Landesbauordnung. Hier heißt es, dass nicht mit Gebäuden überbaute Flächen wasseraufnahmefähig zu belassen und zu begrünen sind.

In Herford wird vermehrt darauf gesetzt, dass öffentliche Gebäude mit einem Gründach versehen werden. Jüngstes Beispiel sind die im Bau befindlichen Studentenhäuser an der Vlothoer Straße.

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