Seniorenheime lockern trotz Corona-Ausbruch in Gütersloh Besuchsregeln
Körperkontakt ja, aber mit Mundschutz

Herford (WB). Darauf haben viele Bewohner in den Pflegeheimen und deren Angehörige gewartet: Mit dem gestrigen Mittwoch hat das Land NRW die Corona-Vorschriften für Besuche in den Einrichtungen gelockert. Angesichts des massiven Virus-Ausbruchs in Gütersloh ein prekärer Zeitpunkt?

Mittwoch, 01.07.2020, 20:00 Uhr
Rainer Schnatwinkel hält die Hand seiner Mutter Hilde Stocksieker (84) beim Besuch im Haus Stephanus. „Endlich ist das wieder möglich. Bei Menschen mit Demenz ist Körperkontakt sehr wichtig“, weiß der Hiddenhauser. Foto: Kathrin Weege

Ab jetzt können Bewohner wieder täglich bis zu zweimal von jeweils maximal zwei Personen Besuch bekommen. Angehörige dürfen mit auf die Zimmer oder mit dem Bewohner die Einrichtung für einen Spaziergang verlassen.

Durch Lockerungen steigt Risiko

„Durch die Lockerungen steigt das Risiko. Nun ist es wichtig, dass alle Rücksicht nehmen“, sagt Thorsten Kroll, Qualitätsmanager der Evangelischen Diakoniestiftung, die im Kreis Herford sechs Senioreneinrichtungen betreibt. Und schließlich gebe es nach wie vor einschränkende Regelungen, die der Sicherheit dienten.

„Natürlich ist es komisch, wenn Kinder ihre Mutter besuchen und sie sich erst die Hände desinfizieren und den Mundschutz anlegen müssen, bevor sie sie umarmen. Aber es ist wichtig“, betont Kroll. Die Seniorenheime setzen darauf, dass sich alle Angehörigen an diese Regelungen halten. „Das können und werden wir in den Zimmern aber nicht kontrollieren“, erklärt Kroll.

Fieber wird gemessen

Mit der neuen Regelung müssen sich die Besucher nicht mehr vorab anmelden. Da könne es – ähnlich wie im Supermarkt – schon mal zu Wartezeiten am Eingang kommen. Die Angehörigen müssen sich beim Betreten des jeweiligen Hauses im Eingangsbereich die Hände desinfizieren und einen Screeningbogen mit Fragen zur Gesundheit und nach möglichen Corona-Kontakten ausfüllen. „Außerdem misst einer unserer Mitarbeiter kontaktlos an der Stirn Fieber. Das ist nun Vorschrift“, erklärt Kroll das Prozedere.

Für die Einrichtungen bedeute das zusätzlichen Aufwand, für den es Personal zu stellen gelte. Insgesamt hätten sich die Regelungen und Vorschriften in den vergangenen Wochen immer wieder geändert. Das bestätigt auch Anja Zimmermann, Geschäftsleitung des Evangelischen Johanneswerks im Kreis Herford. Das sei keine leichte Aufgabe für die Seniorenheim-Mitarbeiter, die die Angehörigen stets aufs Neue über den aktuellen Stand aufklären müssen. „Das machen wir persönlich, am Telefon und auch in Rund-Mails“, sagt sie.

Kein Corona-Test für Gütersloher

Doch was passiert, wenn ein Angehöriger aus dem Kreis Gütersloh seine Lieben im Seniorenheim besuchen möchte? „Wir verlangen keinen Corona-Test. Auch diese Bürger müssen das Screening durchlaufen“, erklärt Kroll. Er appelliert aber an die Rücksichtnahme der Angehörigen zum Wohle aller. „Bisher sind wir hier im Kreis recht weit verschont geblieben – gerade auch was die Todesfälle anbelangt“, sagt er. Die Lage in Gütersloh werde sich in der nächsten Zeit wieder entspannen und dann seien Besuche sicherer.

Angehörige hätten wiederholt geklagt, die Einrichtungen würden Besuche verhindern, sagt der Qualitätsmanager. „Das war nie der Fall, wir müssen uns aber an die Vorgaben des Landes halten“, betont er. Und die hätten zwischenzeitlich eben keine Besuche und dann nur wenige unter strengen Auflagen gestattet.

Bei den Senioren-Einrichtungen des Johanneswerks muss man weiterhin für den Besuch klingeln, die Türen sind verschlossen. „Es gibt keine eingeschränkten Zeiten mehr, wir bitten aber weiterhin um Anmeldung“, sagt Zimmermann.

Eines sei klar, sagt der Qualitätsmanager der Diakoniestiftung, man müsse weiter vorsichtig sein. Was ein Corona-Fall in einem Seniorenheim heute bedeute, sei unklar. „Wir wissen nicht, ob mit dem neuen Bewusstsein für Abstand und Hygiene die Auswirkungen weiter so dramatisch für die Bewohner wären oder ob sich vielleicht nur sehr wenige anstecken würden“, sagt Kroll.

Erfahrungen vor Ort

„Die Angehörigen zeigen viel Verständnis für die bisherigen Maßnahmen. Wir haben 102 Plätze bei uns im Haus Stephanus. Vielleicht drei Prozent haben mal etwas kritisch nachgefragt“, sagt Manuela Schock, Leiterin der Einrichtung des Johanneswerks.

Sie glaubt, dass die Arbeitsabläufe in den Heimen nun etwas leichter werden. „Bisher brauchten wir immer zwei Leute am Eingang und es musste jemand die Bewohner aus dem Zimmer in den Besuchsraum bringen“, erzählt Schock.

Die neue Verordnung des Landes nehme die Angehörigen und die Bewohner mehr in die Pflicht. „Sie sind dafür verantwortlich, dass der Schutz eingehalten wird. So müssen die Angehörigen im Zimmer darauf achten, dass bei Körperkontakt auch der Bewohner eine Maske trage und sich die Hände vorab desinfiziere“, erläutert die Heimleiterin. Am Eingang werden alle Besucher daher mit einer Maske für den Bewohner und einer kleinen Flasche Handdesinfektion ausgestattet, die zum Abschluss des Besuchs wieder abgegeben wird.

Das sagt der Kreis

Das Infektionsgeschehen im Kreis Herford liefert Dr. Marie Kluger vom Kreisgesundheitsamt keinen Anlass, um die Öffungsverordnungen für Alten- und Pflegeheime einzuschränken: „Mit der Lockerung wird den Angehörigen eine hohe Verantwortung übertragen. Sie sind gefordert, die Hygieneauflagen strikt zu befolgen und auch im Falle leichter Erkältungen lieber auf einen Besuch in einem Alten- und Pflegeheim zu verzichten.“

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