Markus Altenhöner leitet fortan den Corona-Krisenstab im Herforder Kreishaus
Massentest würde vier Jahre dauern

Herford (HK). Von den 23 aus der Zentralen Unterbringungs-Einrichtung (ZUE) untergetauchten Flüchtlinge hat niemand Kontakt zu den 21 infizierten Bewohnern gehabt. Markus Altenhöner, neuer Corona-Krisenstabsleiter im Herforder Kreishaus: „Sie wären also auch nicht isoliert worden so wie die von uns ermittelten 29 Kontaktpersonen.“

Donnerstag, 02.07.2020, 11:00 Uhr
Markus Altenhöner, neuer Corona-Krisenstabsleiter im Kreishaus, verweist auf einen insgesamt moderaten Anstieg der Infektionszahlen im Kreis Herford. Foto: Stephan Rechlin

Die erste am 16. Juni festgestellte Infektion in der ZUE hat die zuvor moderate Statistik kräftig in die Höhe schießen lassen. Im Schnellverfahren seien 288 (von 311) Bewohner, 29 Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes und 72 Mitarbeiter aus Betreuungseinrichtungen getestet worden. Landrat Jürgen Müller: „Das waren ein paar schwere, unangenehme Tage für die Mitarbeiter der ZUE. Ich hätte ihnen eine größere Unterstützung durch das Land und die Bezirksregierung gewünscht.“

Auf der anderen Seite habe dieser Anstieg dem Krisenstab zwei Erkenntnisse geliefert. Zum einen sei das Kreis-Gesundheitsamt in der Lage, auch kurzfristig eine hohe Zahl von Kontaktpersonen zu ermitteln. Müller: „Wir haben in den vergangenen drei Wochen 150 Kontrollen durchführen können.“

Hohe Einsicht

Zum anderen seien sämtliche neuen Fälle räumlich eingrenzbar gewesen. Markus Altenhöner hat die Zahlen in eine Grafik übertragen: „Ohne die Fälle in der ZUE würden wir im Kreis Herford gerade einmal 16 Fälle verzeichnen. Sie verteilen sich auf zwei Familien und drei Einzelpersonen.“ Mit einer Masseninfektion wie im Kreis Gütersloh seien diese Zahlen nicht mal entfernt zu vergleichen.

In den kommenden Tagen würden die in Quarantäne geschickten ZUE-Bewohner als genesen entlassen werden können – damit werde sich die Statistik weiter normalisieren. Landrat Müller führt diese auch landesweit äußerst geringen Infektionszahlen auf eine hohe Einsichtsbereitschaft der Menschen zurück. Sogar miteinander konkurrierende Alten- und Pflegeheime würden sich in dieser Situation gegenseitig unterstützen, Unternehmen wie die Großschlachterei Gocksch zeigten ein hohes Maß an Transparenz und Kooperationsbereitschaft. Dort sei auch in einem zweiten Massentest keine einzige Infektion festgestellt worden.

Keine falsche Sicherheit

Von flächendeckenden Tests wie in Bayern oder im Kreis Gütersloh halten Jürgen Müller und Kreisgesundheitsamts-Leiterin Dr. Marie-Luise Kluger nichts. Sie lieferten nur eine Momentaufnahme, wiegten deshalb in falscher Sicherheit und verursachten einen enormen logistischen Aufwand. Müller: „Am H 2 O haben wir auf dem Höhepunkt der Pandemie 140 Menschen pro Tag getestet. Auf 250.000 Einwohner im Kreis Herford bezogen müssten wir bei diesem Tempo ungefähr vier Jahre, sieben Monate an jedem Tag pro Jahr weitertesten, nur um eine Momentaufnahme zu erhalten.“

Übrigens: lange Wartezeiten auf ein Testergebnis sind meist ein gutes Zeichen. Dr. Marie-Luise Kluger: „Die Labore versenden zuerst positive Befunde, damit wir sofort reagieren und nach Kontaktpersonen suchen können. Die negativen Befunde kommen später.“

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