Restrukturierungsplan von 2018 sieht auch hohe Investitionen in Herford vor
Dresselhaus baut Personal ab

Herford (HK). Die Joseph Dresselhaus GmbH & Co. KG, eigenen Angaben zufolge einer der europaweit führenden Anbieter von Befestigungstechnik und Verbindungselementen für Industrie- und Handel, baut 43 von insgesamt 800 Arbeitsplätzen ab. Die Entlassungen sind keine Reaktion auf die Corona-Krise sondern Teil einer bereits 2018 beschlossenen Restrukturierung, teilen die Geschäftsführer Jürgen Nordhus-Westarp und Thomas Besch mit.

Mittwoch, 10.06.2020, 05:00 Uhr
Die Dresselhaus-Lkws sollen weiterrollen. Dazu arbeitet das Unternehmen an einer Restrukturierung. Foto: Stefan Wolf

Das Unternehmen fährt seit drei Jahren Verluste in einstelliger Millionenhöhe ein – im Laufe der Zeit schrumpfend, aber weiter anhaltend. Eine gute Eigenkapitalausstattung und eine geringe Verschuldung bei externen Banken haben der Firma Zeit verschafft. In der Corona-Krise meldete Dresselhaus Kurzarbeit an, doch Finanzhilfen aus dem Corona-Rettungsfonds waren wegen der wirtschaftlichen Schieflage vor 2020 ausgeschlossen. Die Entlassungen treffen sowohl den Vertrieb als auch Logistik und Administration.

Die Dresselhaus Geschäftsführung und der Betriebsrat hätten sich auf einen Interessenausgleich und Sozialplan verständigt, der den betroffenen Mitarbeitern einen abgefederten Ausstieg aus dem Unternehmen ermögliche. Abhängig sei dies noch davon, ob die Mitarbeiter das Angebot zum Übergang in eine neu zu gründende Transfergesellschaft annehmen. Ziel der Transfergesellschaft sei es, den betroffenen Mitarbeitern im Rahmen einer verlängerten Kündigungsfrist zu helfen, schneller ein adäquates, neues Arbeitsverhältnis zu finden und Qualifikationsmaßnahmen vorzunehmen. „Wir sind der Überzeugung, ein sehr faires Gesamtpaket im Rahmen unserer Möglichkeiten geschnürt zu haben.“ Der Personalabbau sei ein unschöner, aber notwendiger Schritt: „Daher müssen wir den Prozess fair gestalten.“

Neuer Investor

Den Hauptsitz hat Dresselhaus an der Zeppelinstraße in Herford-Diebrock, in einer 1994 errichteten Immobilie für Verwaltung und Logistik. Hinzu kommen fünf Standorte in Deutschland, darunter in Lemgo-Lieme. Dresselhaus ist zudem in Frankreich, Russland und der Türkei vertreten. An allen Standorten sei bereits mit der Umsetzung der 2018 vereinbarten Turnaround-Maßnahmen begonnen worden. Kernelement sei eine neue, digitale und konzernweite Ressourcenplanung auf SAP-Basis. Vor allem auf den damit verbundenem Wegfall von Aufgaben sei der Personalabbau zurückzuführen. Die Dresselhaus-Kunden stammen aus Maschinen-, Anlagen- und Landmaschinenbau sowie der Möbelindustrie, der Autozulieferindustrie und der Hausgerätebranche. Hinzu kommen Baumärkte, die von Lemgo-Lieme aus beliefert werden. In infektionsfreien Zeiten erzielt Dresselhaus einen Jahresumsatz von 220 Millionen Euro.

Die Suche nach einem neuen Finanzgeber war Teil des Sanierungskonzeptes von 2018. Die vier Familienstämme, denen das 1950 von Josef Dresselhaus in Bielefeld gegründete Unternehmen gehörte, stimmten in diesem Jahr den Verkauf an die holländische Industrieholding Nimbus zu. Mit dem neuen Inhaber fließt frisches Kapital ins Unternehmen. Ein zweistelliger Millionenbetrag wird unter anderem in neue Software und Effizienzsteigerung investiert. In dem Konzept wird auch der Bau eines neuen Logistikzentrums erwogen.

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