Herford: In Seniorenheimen wird gezahlt, in Krankenhäusern nicht
Ärzte und Pfleger warten auf Bonus

Herford (HK). Loblieder sind preiswert. So sehr sich die 1500 Mitarbeiter des Kreisklinikums Herford im März und April über den Applaus von Balkonen und spendierte Pizzen auch gefreut haben mögen, der konkrete Dank für ihren Sondereinsatz sollte ein zum Gehalt gezahlter Pflegebonus werden. Doch mit dem sieht es schlecht aus.

Mittwoch, 10.06.2020, 07:00 Uhr
Verschärfte Hygieneregeln und das Risiko, sich selbst und eigene Familienmitglieder zu infizieren, haben Ärzte und Pfleger in Krankenhäusern auf dem Höhepunkt der Corona-Krise besonders belastet. Dafür sollten sie eigentlich einen Bonus erhalten. Foto: dpa

1000 Euro vom Bund, 500 Euro vom jeweiligen Bundesland, beides steuerfrei – so lautet die Anfang April von Bundesrat und Bundestag für die Helden der Corona-Krise beschlossene Belohnung. Für die Mitarbeiter in Pflegeheimen ist dazu inzwischen mit den Pflegeversicherungen ein gestaffelter Auszahlungsmodus vereinbart worden. Für die Mitarbeiter in Krankenhäusern aber nicht.

„Schwer verständlich“

Peter Hutmacher, Geschäftsführer des Klinikums, bezeichnet diesen Zustand als „schwer verständlich.“ Die Pandemie sei im März ausgebrochen und habe zu Ostern ihren Höhepunkt erreicht, der dank der Disziplin der Bürger im Kreis Herford allerdings nicht so dramatisch wie befürchtet ausgefallen sei: „Dennoch hatten auch wir in dieser Zeit 50 schwere, stationär zu behandelnde Fälle. Sieben Menschen sind gestorben. Die Covid-19-Krise hat auch unser Haus schwer belastet.“ Die auf den betroffenen Stationen eingesetzten Pfleger und Ärzte hätten nicht nur ihre, sondern auch die Gesundheit ihrer Angehörigen aufs Spiel gesetzt, um zu helfen. Wegen der Verschärfung der Hygienevorschriften sei der gesamte Arbeitsalltag mühsamer geworden, zusätzliche Bereitschaftsdienste und außerplanmäßige Schulungen seien hinzugekommen.

Bei aller Wertschätzung für die außerordentliche Leistungsbereitschaft seiner Mitarbeiter könne Hutmacher aber nicht mal eben bei der Finanzierung des Pflegebonus einspringen: „Allein bei den in der Kernpflege eingesetzten rund 770 Pflegekräften und Ärzten wären das 1,2 Millionen Euro.“

Verdi-Appell

Das erwartet Personalratschef Andreas Noetzel auch gar nicht: „Wenn man miterlebt hat, wie engagiert professionell die Kolleginnen und Kollegen sich diesen besonderen Herausforderungen gestellt haben, ist es nicht nachvollziehbar, dass ihr Einsatz politisch keine finanzielle Anerkennung erfahren soll.“ Der Personalrat des Klinikums unterstütze den von Verdi formulierten Corona-Appell an die Landesregierung. Darin werde neben der Zahlung einer Corona-Prämie auch eine Sicherstellung des Gesundheitsschutzes durch ausreichend Schutzmaterial und regelhaften Testungen des gefährdeten Personals gefordert.

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