Aktien- und Immobiliengeschäft ziehen in Herford an – Schub für Digitalisierung
Sparkasse zieht Bilanz des Corona-Quartals

Herford (WB). Panik zählt nicht gerade zu den herausragenden Herforder Eigenschaften. Mitten in der Corona-Krise, als die Börsen weltweit einstürzten, stießen die Kunden der Kreissparkasse Herford ihre Wertpapiere nicht etwa ab. Sie kauften kräftig dazu.

Mittwoch, 10.06.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 11:30 Uhr
Im April haben Sparkassenkunden 18 Millionen Euro bezahlt, indem sie ihre Karte einfach vor ein Lesegerät in Supermärkten und Einzelhandelsläden gehalten haben. Das entspricht einer Zunahme von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Foto: dpa

Im gesamten vergangenen Geschäftsjahr lag das Gesamtvolumen der Wertpapiergeschäfte in der Sparkasse bei 154 Millionen Euro. Vorstand Peter Becker: „In den ersten vier Monaten diesen Jahres waren es 223 Millionen Euro.“

In der Zweckverbandsversammlung im Kreishaus weist Becker auf einen weiteren Trend hin: „Immobiliengeschäfte.“ Im ersten Quartal des neuen Jahres setzte die Sparkasse bereits 24,2 Prozent des gesamten, 40,8 Millionen Euro hohen Verkaufsvolumens des Vorjahres um. Becker: „Die Kunden sind flüssig und nutzen die erneute Niedrigzinsphase, um jetzt in ihr neues Haus zu investieren.“ Im vergangenen Jahr seien es 213 finanzierte Objekte zu 40,8 Millionen Euro gewesen, im ersten Corona-Quartal 46 Objekte zu 9,9 Millionen Euro.

Kontaktloses Bezahlen

Bleibt die Digitalisierung. Online-Banking (plus 50 Prozent) und kontaktloses Bezahlen (plus 60 Prozent) hätten einen Schub bekommen, der unumkehrbar sei: „Allein im April haben wir 18 Millionen Euro abgewickelt, mit denen in Supermärkten und später in Einzelhandelsgeschäften kontaktlos bezahlt wurde.“

Etwas anders sieht es im Firmengeschäft aus. Die Unternehmer im Kreis Herford hätten Rücklagen aufgelöst und zu Negativzinsen geparkt: „Sie halten Liquidität vor.“ Größere Investitionen in neue Maschinen, Erweiterungen oder geplante Neubauten seien zurückgestellt worden: „Die Unternehmer warten ab.“ Das Kreditvolumen ist gesunken - Ausnahme: die Hilfskredite der KfW- und NRW-Bank. Die Sparkasse prüfte bisher Anträge mit einem Gesamtvolumen von 60 Millionen Euro ohne selbst daran verdienen zu können.

Zinsüberschuss sinkt

So schön der Niedrigzins für ihre Kunden ist, so verheerend ist er für die Sparkassen-Bilanz in diesem Jahr. Durch die verstärkten Anleihekäufe der EZB-Bank und die verschiedenen Rettungspakete ist der Zins abermals von 0,8 (2019) auf 0,3 Prozent gesunken. Becker: „Wenn ich Ihnen 2018 noch einen VW Golf hätte verkaufen wollen, hätte ich dafür 17.900 Euro bekommen können. Jetzt sind es noch 15.500 Euro“, erläutert Becker der Verbandsversammlung. Entsprechend ist der Zinsüberschuss – die wichtigste Einnahmequelle der Sparkasse – schon im ersten Quartal von 1,6 Prozent (2019) auf 1,5 Prozent der Bilanzsumme gefallen: „Dagegen können wir nicht ansparen.“

Aus dem Verbundgeschäft, also dem Handel mit Bausparverträgen, Lebensversicherungen und Riester-Verträgen, kommt vorerst keine Entlastung. Ihr Volumen ist im ersten Quartal deutlich geschrumpft. Becker: „Den Leuten fehlt das Geld, um langfristige Sparverträge abzuschließen.“ Bleibt gegenwärtig nur die Konzentration auf Wertpapiere und Immobilien.

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