Aufführungen in Herford sollen im zweiten Halbjahr 2021 nachgeholt werden
Stadttheater setzt die halbe Spielzeit aus

Herford (WB). Das Stadttheater Herford setzt die Spielzeit für ein halbes Jahr aus. Das heißt, sämtliche Theater- und Musiktheateraufführungen fallen bis zum 31. Dezember aus. Sie sollen im zweiten Halbjahr 2021 nachgeholt werden. Abonnenten erhalten Rabatt.

Dienstag, 09.06.2020, 07:00 Uhr
Andreas Kornacki, Geschäftsführer der Kulturbetriebe, hat sich und den Mitarbeitern des Stadttheaters für ein halbes Jahr den Stuhl vor die Tür gestellt. Das Theater bleibt zwar geöffnet, doch die halbe Spielzeit 2020/2021 wird ausgesetzt. Foto: Stephan Rechlin

Mit diesem Schritt reagiert Andreas Kornacki, Geschäftsführer der Herforder Kulturbetriebe, auf ein doppeltes Risiko. Zum einen auf die Gefahr einer Infektion durch Großveranstaltungen in geschlossenen Räumen – dem statistisch derzeit höchstem Ansteckungsrisiko. Zum anderen auf die hohe Wahrscheinlichkeit, mit dem Spielplan ein gigantisches Defizit einzufahren. Kornacki: „Nach den aktuellen Hygieneauflagen des Landes dürften wir maximal 92 von 700 Plätzen je Aufführungen anbieten. Die Einnahmen würden entsprechend schrumpfen. Der Kostenapparat aber würde durch die Auflagen noch weiter steigen.“

Drei Plätze frei

Neben jedem Theater-Sitzplatz müssten den Auflagen zufolge jeweils drei Plätze rechts und links sowie die kompletten Reihen davor und dahinter frei bleiben. „Das hieße für uns: 66 Plätze im Parkett und 26 Plätze im Rang,“ rechnet Kornacki vor.

Die das volle Honorar beziehenden Gastbühnen wiederum müssten ihre Stücke auf die Größe der Herforder Bühne hin konzipieren: „Denn dort gilt ja auch das Abstandsgebot.“ Die eigenen Mitarbeiter gelte es ebenso vor einer Infektion zu beschützen wie das Publikum, zu dem viele Angehörige aus Risikogruppen zählten. Kornacki: „Aus Äußerungen unserer Besucher habe ich bereits rausgehört, dass es große Vorbehalte gegen einen Theaterbesuch in diesen Zeiten gibt.“

Darum habe sich Kornacki mit dem Vorstand der Herforder Vermögens- und Verkehrsgesellschaft (HVV) auf eine Formel geeinigt: „Halbe Spielzeit, halber Preis, 100 Prozent Sicherheit.“ Den Abonnenten werde der halbe Bezugspreis erlassen. Am 31. Dezember soll mit zwei Aufführungen (16 und 20 Uhr) des Maskentheaters Mummenschanz und hoffentlich vollem Saal ins neue Theaterjahr gefeiert werden. Kornacki: „Wir hoffen, dass es vom 1. Januar an wieder möglich sein wird, sämtliche Plätze anzubieten.“

Kein Vulkanglanz

Von den Absagen im kommenden Halbjahr sind unter anderem die Show zu den Zwanziger Jahren („Glanz auf dem Vulkan“), eine Aufführung von „Die Räuber“ sowie die Gastspiele von Eva Mattes (Lesung aus Tagebüchern von Astrid Lindgren), Gustav Peter Wöhler („Love is the Drug“) und Diana Körner („Paulette – Oma zieht durch“) betroffen. Mit den Künstlern und Ensembles werden seit Montag Gespräche über eine Verschiebung geführt. Von den Vorgaben an Schulen werde abhängen, welche Aufführungen, Projekte und Workshops des Kinder- und Jugendtheaters angeboten werden können. Kornacki: „Das Theater ist ja nicht geschlossen.“

Die sechs festangestellten Theater-Mitarbeiter werden mit anderen Aufgaben in den Kulturbetriebe betreut. Bis zu 15 Aushilfskräfte verlieren ihre Einnahmen.

Kommentar

Die Gelegenheit ist günstig. Statt einer halben könnte die Herforder Versorgungs- und Verkehrsbeteiligungs GmbH auch die gesamte Spielzeit 2020/21 am Theater ausfallen lassen. Zum Schutz der Besucher, Mitarbeiter und der Mitglieder der Ensembles.

Großveranstaltungen in Innenräumen sind schließlich der Infektionsherd Nummer eins in diesen Tagen. Im Sommer 2021 wäre das Interesse an Theaterkultur in Herford soweit am Boden, dass der Rest auch von den Theatern in Bielefeld und Detmold bedient würde und die Herforder auf einen teuren Neubau oder eine teure Sanierung verzichten könnten. Die Gelegenheit nutzt aber niemand. Zum Glück wissen die Herforder, was sie an ihrem Theater und deren Machern haben. Stephan Rechlin

 

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