Seit fünf Jahren stehen die Häuser Ahornstraße/Eichenstraße in Herford weitgehend leer
Planungen für ein Geister-Quartier

Herford (WB). Schätzungsweise 200 Wohneinheiten stehen in dem Wohngebiet Ahornstraße, Birkenstraße, Eichenstraße und Ulmenstraße leer, seitdem 2015 die Briten Herford verlassen haben. In einigen hat die Stadt zeitweise Flüchtlinge untergebracht. Der Stadtrat soll in der Sitzung am Freitag beschließen, dass das Quartier als Sanierungsgebiet festgelegt wird.

Freitag, 05.06.2020, 03:30 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 08:38 Uhr
Mehr als 200 Wohneinheiten befinden sich in dem Quartier Ulmenstraße, das der Stadtrat zum Sanierungsgebiet erklären will. Foto: Moritz Winde

Dieser formale Akt bietet der Stadt die Möglichkeit, dass sie bei der künftigen Entwicklung der Häuser, die in den 1950er und 1960er errichtet worden sind, Mitsprache hat. Denn noch gehören die Immobilien der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima). Damit die Gebäude nicht einzeln verscherbelt werden, ist eine Festlegung als Sanierungsgebiet erforderlich.

Außerdem darf die Stadt bei der Überplanung des Gebietes auf Fördermittel hoffen und der künftige Eigentümer hat die Möglichkeit, mit Hilfe von steuerlichen Abschreibungen zu profitieren. Die Stadt Herford selbst, so heißt es, werde nicht als Käufer auftreten. Einen Teil der Mehrfamilienhäuser entlang der Birkenstraße hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft WWS vor einigen Jahren gekauft. Diese Häuser sind mittlerweile voll vermietet.

„Kleine Zuschnitte“

Die etwa 100 Reihenhäuser in dem Quartier Ahornstraße/Birkenstraße/Ulmenstraße sind aufgrund ihres Zuschnitts nicht mehr zeitgemäß. „Über zwei Etagen verteilt kommt man teilweise nur auf 70 Quadratmeter Wohnfläche. Die Räume sind zum Teil extrem klein“, sagt Beigeordneter Dr. Peter Böhm.

Während die Häuser, die die WWS erworben hat, keinen nennenswerten Sanierungsstau ausgewiesen haben , ist dies bei den Reihenhäusern anders. Mängel in der Bausubstanz, der Wärmedämmung, der Grundrissstruktur, all das ist ein einem Gutachten festgehalten. „Die Grundrisse entsprechen mit ihrer überwiegend kleinteiligen Struktur und Zimmern von teilweise unter sieben Quadratmetern nicht mehr den Anforderungen an zeitgemäßen Wohnraum und können teilweise auch nicht ohne erheblichen Aufwand umstrukturiert werden. Außerdem sei mit Schadstoffen zu rechnen, die sich in den Gebäuden befinden.

Niedriger energetischer Standard

Der energetische Standard der Häuser sei niedrig, bei wenigen Gebäuden herrsche ein mittlerer Standard. Auch die Busanbindung an das Quartier sei heute unzureichend. Darüber hinaus beschäftigt sich das Gutachten mit dem Stellplatzangebot, das für den Fall, dass in das Quartier neues Leben einziehe, ebenfalls nicht ausreichend sei.

Investitionen von 18,5 Millionen Euro

Alles in allem eine Menge Arbeit für einen künftigen Investor. Wenn das Gebiet in den kommenden Jahren entwickelt wird, die Stadt geht von einem Zeitraum bis 2028 aus, muss eine Menge Geld in die Hand genommen werden. Die Stadt schätzt die Kosten der gesamten Maßnahme Sanierungsgebiet auf 18,5 Millionen Euro. Wobei allein 18 Millionen auf den potenziellen Investor fallen würden.

Für die Planungen rechnet die Bauverwaltung mit Fördermitteln in Höhe von etwa 340.000 Euro, so dass die Stadt nur noch einen Eigenanteil in Höhe von 144.000 Euro aufbringen müsste.

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