Herforder Museumsleiterin Sonja Langkafel sucht nach Geschichten und Bildern
Was wird von Corona bleiben?

Herford (WB). Corona und Museum – diese Verbindung wird derzeit vor allem als Beeinträchtigung wahrgenommen. Denn Ausstellungsbesucher müssen viele Auflagen beachten. Doch es gibt auch eine andere Seite. Für ein stadtgeschichtliches Museum ist Corona immer auch ein möglicher Sammelgegenstand.

Mittwoch, 03.06.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 03.06.2020, 11:24 Uhr
Corona und Gesichtsmaske: Museumsleiterin Sonja Langkafel hat schon Masken fürs Depot besorgt. Foto: Hartmut Horstmann

Was heute Gegenwart ist, ist morgen Vergangenheit. Gemäß dieser kaum zu widerlegenden Logik verfährt auch Sonja Langkafel, die Leiterin des stadtgeschichtlichen Museums. In den 70er und 80er Jahren sei die Idee entstanden, dass ein Museum auch Gegenwärtiges sammeln müsse, erläutert sie.

Bedeutung für Entwicklung der Stadt

Ein gewaltiges Ansinnen – und um die unüberschaubare Masse der aktuell in Frage kommenden Dinge bewältigen zu können, dient ihr eine bestimmte Fragestellung immer als Richtschnur: „Hat das Objekt eine Bedeutung für die Entwicklung der Stadt?“

Unter dieser Prämisse gehört Corona dazu – aber doch nicht so ganz. Ein stadtgeschichtliches Museum müsse den Schwerpunkt auf Besonderheiten legen, Corona jedoch sei eine Pandemie, die sich eben nicht auf Herford beschränke, sagt Sonja Langkafel. Doch so einfach ist es nicht. Natürlich könne Corona in unterschiedlichen Städten unterschiedlich erlebt werden, fügt sie hinzu – was dann doch wieder zu möglichen Herforder Spezifika führt.

Wichtig ist die Erlebnisebene

Weil erst die Zukunft zeigt, was aus der Gegenwart wichtig ist, sammelt die Museumsleiterin zum Beispiel Wurfsendungen, die mit Corona zu tun haben. Sie fotografiert Auffälligkeiten, verwaiste Plätze oder Menschenschlangen vor Geschäften. Und sie hat Masken fürs Depot erworben.

Eine regionale Besonderheit ergibt sich immer aus den Auswirkungen. „Gibt es in Herford Gastronomen und Geschäfte, die wegen Corona schließen mussten? Dies ist eine Frage, die für die Stadtgeschichte eine Rolle spielt“, betont Sonja Langkafel. Allerdings glaubt sie, dass es in den nächsten fünf bis zehn Jahren keine oder kaum Corona-Ausstellungen geben wird: „Die Leute sind froh, wenn es vorbei ist.“

Nichtsdestotrotz könne es spannend sein, mit einigem Abstand zu ermessen, was das Virus für die Stadt bedeutet habe. Zum Beispiel, wie sich Homeoffice auf die Familien ausgewirkt oder wie sich der Alltag verändert habe.

Museal interessant ist die Angelegenheit für die Leiterin vor allem auf der Erlebnisebene. Es müssten keine spektakulären Objekte sein. Wichtig sei eine persönliche Corona-Geschichte, die damit verbunden sei, betont Langkafel. Auch könne man Erlebnisse aufschreiben, Tagebuch führen und die Texte dem Museum geben oder eben besondere Fotos – nicht zu vergessen Tondokumente, auf denen möglicherweise Corona-Ständchen zu hören sind.

Keine Führungen

Alltagsgeschichte ist ein weites Feld. Und auch, wenn daraus keine Herforder Ausstellung wird, kann das im Museum gesammelte Corona-Material für spätere Forschungen zur Verfügung gestellt werden.

Doch so weit mag Sonja Langkafel im Augenblick nicht denken. Selbst wenn die Ausstellungen im Pöppelmann-Haus wieder zugänglich sind, fällt das Museum als „emotionaler Erlebnisraum“ gerade aus. Keine Führungen, keine Begleitveranstaltungen, keine Philosophier-Abende mit Michael Girke: Die Museumsfans müssen gerade auf vieles verzichten. Die beste Zeit für eigene Geschichten, um sie dem Museum zukommen zu lassen.

Sonja Langkafel ist zu erreichen unter 0160/97732964. Auch schriftlich kann man sich an sie wenden: poeppelmannhaus@herford.de.

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