Initiative will Teilstück einer Straße nach Betreiberin des legendären Jaguar-Clubs benennen – mit Kommentar
Viel Zustimmung für Carola-Frauli-Weg

Herford (WB). Eine alte Mauer, reichlich Wildwuchs, ein vom Verkehr abgebundener Trampelpfad: Dieser Weg, der wenig einladend aussieht, soll irgendwann an eine der starken Frauen der jüngeren Herforder Stadtgeschichte erinnern: Carola Frauli (1920 – 2017).

Dienstag, 02.06.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 09:08 Uhr
Recht trostlos wirkt das Teilstück der Robert-Koch-Straße, das umbenannt werden soll – hier der Blick in Richtung Mindener Straße. In der Nähe hatte einst der Jaguar-Club sein Domizil. Zwecks Aufwertung des Weges planen die Initiatoren unter anderem, die Mauer zu bemalen.

Dies zumindest sieht eine Initiative vor, die sich dafür stark macht, eine Straße nach der Betreiberin des legendären Jaguar-Clubs zu benennen . Unterbreitet hat den Vorschlag der Herforder Detlef Kupfernagel – und zwar auf der Facebook-Seite „Jaguar Club – Scala Herford“.

Auch Politiker für Umbenennung

Um zu sehen, ob die Idee auf eine breite Zustimmung stößt, hatte Stadtführer Mathias Polster den entsprechenden Bericht im HERFORDER KREISBLATT auf seine Facebook-Seite gestellt. In den Kommentaren gibt es ausschließlich positive Stimmen. So schreibt eine Frau: „Ja, das wäre schön. War eine tolle Frau. Ich kannte sie und ihre Söhne.“ An den Likes ist zudem zu erkennen, dass auch Vertreter aus der Politik mit dem Vorhaben sympathisieren – unter anderem der CDU-Ratsherr Andreas Gorsler.

Carola Frauli (1920 – 2017).

Carola Frauli (1920 – 2017).

Die Entscheidung für das Wegstück fiel, weil es sich in der Nähe der mittlerweile abgerissenen Scala (Ort des Jaguar-Clubs) befindet. Eigentlich gehört der Weg zur Robert-Koch-Straße, hat aber keine Funktion mehr für den Verkehr.

Zudem gibt es in dem Bereich zur Mindener Straße hin keine Grundstücke, die über den Weg erschlossen werden. „Man müsste also keine Adressen ändern“, sagt Mathias Polster. Weil eine Umbenennung an die Zustimmung der Politik geknüpft wäre, erklärt sich der Stadtführer bereit, die Initiatoren zu beraten.

Das Umfeld würdig gestalten

Da Mathias Polster derzeit an einem Buch über Herforder Straßen arbeitet, weiß er, wie ungewöhnlich das Projekt ist. Zu Straßenumbenennungen kommt es meistens dann, wenn die Namensgeber weltanschaulich nicht mehr tragbar sind. Aber auch dann überlege man sich das gut, so Polster: „Denn Adressenänderungen sind für die Beteiligten mit Kosten verbunden.“

Da in diesem Fall keine Anlieger betroffen wären, hält er den finanziellen Aufwand der bloßen Umbenennung für überschaubar: „Es geht erst einmal um ein paar neue Straßenschilder.“ Doch damit sei es nicht getan, warnt er die Initiatoren. Eine Straße oder einen Weg nach einer verdienten Bürgerin zu benennen, mache nur Sinn, wenn das Umfeld in einen würdigen Zustand versetzt werde. Im Augenblick machten Mauer und Weg keinen guten Eindruck: „Da ist einiges an Arbeit notwendig.“

Initiative plant Bemalungen

Aus Reihen der Unterstützer, die sich um Sponsoren bemühen wollen, entstand unter anderem die Idee, die Mauer mit Bemalungen aufzuwerten. Und da Carola Frauli bekanntlich den Beat nach Herford geholt hat, denken die Initiatoren an Motive, die mit der Ära des Jaguar-Clubs zu tun haben. Zumindest gemalt könnte es dann heißen: The Beat goes on.

Kommentar von Hartmut Horstmann

Außenstehende, die auf die Facebook-Gruppe des Jaguar-Clubs schauen, mögen lächeln. Immer wieder Konzertkarten, die auf Auftritte von Stars wie Jimi Hendrix oder The Who verweisen. Dazu Fotos der alten Helden, mitunter begleitet von Kommentaren, dass früher die Musik viel besser gewesen sei. Das alles kann man als nostalgisch abtun, als ewiggestriges Feiern der eigenen Jugend – Fans unter sich halt.

Aber trotz möglicher Vorbehalte ist nicht zu bestreiten, dass das Angebot des Jaguar-Clubs ungewöhnlich für eine Stadt wie Herford war. Und dass die Betreiberin Carola Frauli in einem konservativen Umfeld gegen viele Widerstände zu kämpfen hatte, dass sie mit ihrem Mut Stadtgeschichte geschrieben hat.

Wenn eine Initiative eine Straße nach ihr benennen will, ist dieses Ansinnen – jenseits aller Nostalgie – nachvollziehbar. Gleichzeitig hat Mathias Polster recht, wenn er darauf hinweist, dass das Umfeld würdig gestaltet werden muss. Also heißt es jetzt für die Initiatoren: einen Antrag stellen, anpacken und nach Sponsoren suchen! Und ein Mini-Straßenfest zur Einweihung wäre das Schlechteste nicht, was dieser Stadt passieren könnte.

 

Kommentare

Bernhard Nietner  wrote: 02.06.2020 23:51
dat schafft wat
Die Sache finde ich gut. Habe selbst gut ein Jahr in der Scala an der Seite von Carola an der Kasse gearbeitet. Zieht die Sache durch. Gruß aus Bremerhaven
Total 1 comments
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7431729?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Bundestag beschließt schrittweisen Kohleausstieg
Ein Schaufelradbagger soll bis 2038 weiter machen können.
Nachrichten-Ticker