Foodwatch verweist auf Laboranalysen – Mutterkonzern der Humana-Gruppe dementiert Vorwürfe
Mineralöle in der Babymilch?

Herford (WB). Die Lebensmittel-Überwachungsorganisation Foodwatch hat in Säuglingsmilch-Produkten gesundheitsgefährdende Mineralöle nachweisen lassen. Betroffen davon sind auch zwei Produkte der Humana-Gruppe: zum einen die „SL Spezialnahrung bei Kuhmilchunverträglichkeit” und die „Anfangsmilch 1 von Geburt an.”

Dienstag, 02.06.2020, 06:06 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 11:02 Uhr
Symbolfoto. Foto: dpa

In einer Pressemitteilung belegt Foodwatch diese Ergebnisse mit Laboranalysen der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA) Münster und Stuttgart. 14 der in Münster untersuchten Proben enthielten dabei sogar die besonders gefährlichen aromatischen Mineralöle (MOAH), die nach Einschätzung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA im Verdacht stehen, Krebs auszulösen und das Erbgut zu schädigen. Nach einem von Foodwatch im Oktober 2019 publizierten Labortest, der gesundheitsgefährdende Mineralölverunreinigungen bei Produkten von Nestlé und Novalac nachgewiesen hatte, belegten damit auch staatliche Untersuchungen eine Belastung von Babymilchen.

Oliver Bartelt von der DMK Deutsches Milchkontor GmbH, dem Mutterkonzern der Humana-Gruppe, weist die schon seit längerem bekannten Vorwürfe abermals zurück: „Auch wenn das eine Selbstverständlichkeit ist, erst einmal müssen wir klarstellen, dass wir als Lebensmittelhersteller keine verunreinigten Produkte in den Markt bringen.“

Die Problematik des Vorkommens von sogenannten MOSH (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons) sowie in geringerem Umfang von MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons) in verpackten Lebensmitteln beschäftige Wissenschaft und Industrie seit Jahren. Aromatische Mineralöle seien in äußerst geringen Konzentrationen schon lange in Babynahrung, Kosmetik, Adventskalendern oder Nuss-Nugat-Cremes nachgewiesen worden. MOSH und MOAH stammten nicht aus der Herstellung der Säuglingsnahrung, sondern seien als komplexe Mischungen von Kohlenwasserstoffen in der Umwelt weit verbreitet. Sie könnten über unterschiedliche Eintragswege in das Produkt gelangen.

Forderung an Ministerin Klöckner

Als Beispiele führt Bartels recyceltes Altpapier oder die Druckfarben der Verpackungen an. Als Verpackungsmaterial verwende das Kontor darum ausschließlich Frischfasern, aktive Barriereschichten in Form von Aluminiumbeuteln sowie mineralölfreie Druckfarben. Eine weitere mögliche Eintragsquelle stellten die Rohstoffe der Babynahrungen dar. Vor allem über die verwendeten pflanzlichen Fette und Öle könne eine Kontamination mit unerwünschten Mineralölbestandteilen erfolgen. Bartels: „Daher arbeiten wir seit längerem intensiv mit unseren Rohstoff-Lieferanten zusammen, um mögliche Einträge so weit wie möglich weiter zu reduzieren.“

In den vom Kontor beauftragten Analysen hätten keine Rückstände an MOAH in den Säuglingsnahrungen nachgewiesen werden können. Sowohl nationale als auch europäische Gesundheitsbehörden hätten aus den übermittelten Testergebnissen keinen Handlungsbedarf abgeleitet und kein Verbraucherrisiko erkannt.

Foodwatch nimmt die neuen Laborergebnisse zum Anlass, um Bundesernährungsministerin Julia Klöckner aufzufordern, die mit MOAH belasteten Produkte umgehend vom Markt zu nehmen und sicherzustellen, dass nur noch unbelastete Säuglingsmilch in den Handel gelange. Klöckner habe im vergangenen Jahr in Reaktion auf den Foodwatch-Test in einer Pressemitteilung erklärt: “Wenn sich herausstellt, dass Baby- oder Säuglingsmilch der Gesundheit unserer Kleinsten schaden könnte, darf sie nicht im Supermarkt landen.” Diese Bestätigung liege nun vor.

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