Stadt Herford will Förderprogramm für Langzeitarbeitslose um drei Jahre verlängern
Eine Chance für die Chancenlosen

Herford (WB). Ein gängiges Vorurteil gegenüber Langzeitarbeitslosen lautet: Die wollen ja eigentlich gar nicht arbeiten. Dass in vielen Fällen genau das Gegenteil der Fall ist, beweist der Erfolg des Projekts Stadtservice in Herford.

Dienstag, 19.05.2020, 15:25 Uhr aktualisiert: 19.05.2020, 16:00 Uhr
Nico Männig (43) wurde durch eine Krebserkrankung aus der Bahn geworfen. Der gelernte Tischler arbeitet jetzt als Hausmeister auf dem Areal des Güterbahnhofs: „Der Job macht nicht nur Spaß, er hat mir mein Selbstvertrauen zurückgegeben.“ Ob er Türen ölt, Fenster putzt, mit dem Hochdruckreiniger hantiert oder Sitzbänke baut – es gibt immer etwas zu tun. Foto: Peter Monke

39 Menschen arbeiten aktuell in den unterschiedlichsten Bereichen – als Hausmeister, als Gärtner, als Müllentsorger, als Haushalts- und Einkaufshilfe oder auch im Kommunalarchiv. Sie alle haben eine Biographie mit langen Phasen der Arbeitslosigkeit oder in Ein-Euro-Job-Projekten hinter sich. Und sie alle sind froh und dankbar, diese Chance und damit eine neue Perspektive im Leben bekommen zu haben.

Bislang ist die Maßnahme, die im Februar 2019 begann, auf zwei Jahre befristet. So lange fördert der Bund über die Jobcenter die Bezahlung der Gehälter mit 100 Prozent – nicht etwa nur den Mindestlohn, sondern reguläre Tarifgehälter.

Positive Grundtendenz

Weil das Projekt so erfolgreich läuft, soll es jetzt um drei Jahre verlängert werden, was für die Stadt Herford allerdings mit Kosten verbunden ist: Im dritten Jahr sinkt die Förderung des Bundes auf 90 Prozent, im vierten Jahr auf 80 Prozent und im fünften Jahr auf 70 Prozent. Für die Differenz muss die Stadt aufkommen: im dritten Jahr sind das gut 160.000, im vierten Jahr steigen die Kosten auf etwa 320.000 und zum Abschluss müssen etwa 480.000 Euro aufgebracht werden.

Der Rat hat dem bereits zugestimmt, im Haushalt sind die Gelder budgetiert, jetzt muss noch der Sozialausschuss zustimmen – die Sitzung ist am 20. Mai – und da rechnet Bürgermeister Tim Kähler mit einem klaren Ja, denn: „Diese Gelder wären bestens angelegt. Das Feedback, das ich aus dieser Maßnahme bekomme, ist durchweg positiv.“

Eine Verlängerung der Arbeitsverträge um drei weitere Jahre soll allerdings nur bei Personen vorgenommen werden, die sich in den ersten beiden Jahren bewährt haben, heißt es in der Vorlage für den Sozialausschuss. Jörg Schepelmann, Leiter des Projekts Stadtservice, wagt hier noch keine abschließende Prognose, aber die Grundtendenz sei in den allermeisten Fällen bislang positiv. Trotzdem müsse man abwarten, wie jeder Einzelne die Belastung auf Dauer wegstecke, denn: „Aus einer Langzeitarbeitslosigkeit wieder auf 100 Prozent Leistung hochzufahren, ist nicht einfach.“

Nachbesetzung wäre schwierig

Weiter heißt es in der Vorlage, dass bei der Entscheidung auch zu bedenken sei, dass bei einem Nein zur Fortsetzung die Personen nahtlos in den Bezug von SGB II-Leistungen zurückfallen würden – sprich Hartz IV. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten außerdem gezeigt, dass eine Nachbesetzung der Stellen mit geeignetem Personal nicht einfach sei und in der Folge manch eine Tätigkeit nicht mehr oder nur noch in geringerem Umfang geleistet werden könne.

So sei die Stadtklar-Gruppe, die ergänzend zur SWK unter anderem für die Reinigung sämtlicher Glascontainerfächen sorgt, wilden Müll sammelt und auch das Mülltelefon für Bürger (05221/189500) betreut in so einem Fall nur noch bedingt einsatzfähig. „Und das würde man im Stadtbild sofort sehen“, sagt Jörg Schepelmann.

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