SPD, Grüne und Linke befürworten neues Konzept für Herford
Busknotenpunkt soll an den Bahnhof wandern

Herford (WB). „Der Alte Markt ist als Rendezvous-Platz für Busse zu schade. Wir werden uns dafür einsetzen, dass er vom Busverkehr entlastet wird.“ So stand es im Wahlprogramm von Bürgermeister Tim Kähler 2014. Sechs Jahre später rollen die Busse immer noch über den Alten Markt. Am Freitag hat der Rat beschlossen, dass es in einigen Jahren deutlich weniger Busse sein sollen.

Freitag, 08.05.2020, 19:37 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 10:06 Uhr
Deutlich weniger Busse werden mit dem neuen Konzept am Alten Markt halten. Der Knotenpunkt soll an den Hauptbahnhof wandern. Mit einer Änderung ist nicht vor 2028 zu rechnen. Foto: Moritz Winde

Solange die BVO für den Busverkehr in Herford zuständig ist, wird sich kaum etwas ändern lassen. „Der Vertrag mit der jetzigen Bus-Situation gilt bis 2028“, hatte Dezernent Dr. Peter Böhm betont. Eine Mehrheit aus SPD, Grünen, Linke, Martin Wolf (Fraktionslos) und dem Bürgermeister stimmte dennoch für einen Umzug des Busknotenpunktes vom Alten Markt hin zum Bahnhof.

Mohning: „Zwei Linien erreichen noch den Alten Markt“

Für die SPD-Fraktion wie Manfred Mohning darauf hin, dass die Neugestaltung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) für die kommenden Jahrzehnte gelten soll. Mohning verwies auf die Machbarkeitsstudie und die dort aufgeführte Variante 3b. Demnach soll der Busknotenpunkt in Herford vom Alten Markt an den Bahnhof verlagert werden. „Auch die neue Konzeption sieht vor, dass noch zwei Buslinien in Alten Markt erreichen und zwar im 15-Minuten-Takt. Eine Schwächung für den Einzelhandel kann ich deshalb nicht erkennen. Vielmehr werten wir den Alten Markt als zentralen Platz auf, in dem dort weniger Busse mit laufendem Motor stehen“, betont Mohning.

Widerspruch kam von der CDU. „Dem vorliegenden Ratsbeschluss können wir so nicht zustimmen und bitten die Verwaltung um Überarbeitung“, erklärte Hans-Henning Warnecke für die CDU-Fraktion. Um den CO2-Ausstoß zu verringern und die Aufenthaltsqualität im Innenstadtbereich zu erhöhen sei es sinnvoll, die Attraktivität des ÖPNV zu erhöhen und das Radwegenetz zu verbessern, um Bürger zu motivieren, vom Pkw auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel umzusteigen.

Einzelhandel im Blick

Als Nebenbedingungen sehe die CDU aber an, dass die Erreichbarkeit der Innenstadt auch für die Bürger, die nicht auf die Fahrt mit eigenem Pkw verzichten können oder wollen, gewährleistet ist. „Für das Überleben unserer Geschäfte in der City ist dies notwendig“, betonte Warnecke.

Ausgangspunkt sei die jetzige Verkehrsmittelwahl mit 55 Prozent Autofahrern, 20 Prozent ÖPNV-Nutzern (davon die Hälfte Schülerverkehr), 13 Prozent Fußgängern, 11 Prozent Radfahrer. Die Hälfte dieser Wege diene laut Statistik dem Freizeitvergnügen der Bürger. Für diesen Bereich sehe die CDU Möglichkeit, die Nutzungsgewohnheiten zugunsten umweltfreundlicherer Verkehrsmittel zu verschieben. „Die andere Hälfte sehen wir als notwendige Logistikleistung an, die deutlich weniger Spielräume bietet.“

Ausreichend Pkw-Parkplätze bereithalten

Für die CDU-Fraktion leiten sich daher folgende Grundsätze ab: „Verbesserung des ÖPNV-Angebotes, Ausbau und Verbesserung der innerstädtischen Radwege, Bereitstellung ausreichender Pkw-Parkplätze.“

Es dürfe kein Rückbau erfolgen, verstopfte Straßen oder Umfahrungen seien weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Für die vorliegende Machbarkeitsstudie für das zukünftige ÖPNV-Konzept seien zwei Prämissen von Seiten der Verwaltung vorgegeben worden, „die wir so nicht anerkennen können“, sagt Warnecke.

CDU: „Mehrheit der Nutzer will an den Alten Markt“

Zum einen habe es die Bedingung gegeben, den Alten Markt busfrei zu gestalten und den zentralen Busbahnhof zu verlegen. Die Analyse zeige, dass 70 Prozent aller Busnutzer den Alten Markt als Ziel anfahren. Eine Zahl, die Mohning bestreitet. Die Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2012 besage vielmehr, dass sich zwei Drittel der Befragten für eine Verlagerung des Busknotenpunktes ausgesprochen habe.

Mit einer Verlagerung des Knotenpunktes an den Bahnhof würde sich auch die Anbindung an den Schienenverkehr verbessern. Die Mehrkosten durch eine verbesserte Taktung lägen bei 1,7 Mio. Euro und nicht, wie von der CDU behauptet, bei drei Mio. Euro. Die Zahlen stammten vom mhv-Geschäftsführer Achim Overath, sagte Warnecke.

Grüne wollen Verkehrswende

Herbert Even (Die Grünen) spricht von Mehrkosten in Höhe von zwei Mio. Euro jährlich. Eine Verkehrswende koste Geld. Die Grünen sind dafür, „die Pkw-bezogene Verkehrspolitik aus den 1960er Jahren hinter sich zu lassen“, betont Even. Es müsse mehr auf ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehr gesetzt werden. Negative Auswirkungen für den Einzelhandel erwartet er nicht.

Für die Bürger für Herford (BfH) sind noch zu viele Fragen unbeantwortet. „Deshalb lehnt meine Fraktion das Konzept ab“, erklärte BfH-Fraktionschef Lothar Wienböker. Inez Déjà (Die Linke) befürwortete die Variante 3b. Sechs Jahre lang sei nur geredet worden, jetzt sei es Zeit zu handeln. Der Alte Markte sollte schnellstmöglich entlastet werden. Heinz-Günther Scheffer verlangte eine sorgfältige Planung. „Die Veränderungen treten doch erst 2028 ein.“

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