Reste einer vorchristlichen Kultstätte auf dem Luttenberg vermutet
Auf der Suche nach den alten Germanen

Herford (WB). Die Marienvision macht’s möglich: Der Herforder Luttenberg zähle zu den wichtigen heiligen Orten in Deutschland, sagt der Fotograf und Verleger Sven Nieder. Derzeit arbeitet er an einem Buch zu dem Thema.

Samstag, 09.05.2020, 13:01 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 09:42 Uhr
Der Ort der Marienvision: Auf dem Luttenberg soll einst eine kleine Kapelle gestanden haben, die auf den Resten einer germanischen Kultstätte errichtet wurde. Mathias Polster hofft, dass die Experten vom LWL einer Voruntersuchung zustimmen.

Ebenfalls sensibilisiert in Sachen Luttenberg ist Stadtführer Mathias Polster. Auf der Grundlage eines Artikels in dieser Zeitung aus dem Jahr 1901 geht er davon aus, dass sich dort eine alte Kapelle und eine germanische Kultstätte befunden haben. Mit Unterstützung des Archäologen Dr. Sven Spiong hofft er, das Areal an der Marienkirche in absehbarer Zeit genauer unter die Lupe nehmen zu können.

Bis heute ist der Luttenberg ein besonderer Ort – vielleicht nicht unbedingt wegen seiner religiösen Aufladung, sondern weil er eher unscheinbar wirkt und doch eine in sich abgeschlossene, kleine Welt bildet. Wer den Hügel an der Kirche besteigt, spürt unter den 600 Jahre alten Linden den Atem der Geschichte.

An dieser Stelle soll einem Bettler um das Jahr 940 herum die Jungfrau begegnet sein – angeblich die älteste Marienvision nördlich der Alpen. In der Folge kam es zur Errichtung einer Kirche. Dabei muss es sich um den Vorgängerbau der Marienkirche gehandelt haben, denn deren Gründung geht zurück auf das Jahr 1011.

120 Jahre alter Artikel

Den Anfang machte die Michaelskapelle, die offenbar auf dem Luttenberg stand. „Wo sie sich genau befunden hat, wissen wir aber nicht“, sagt Mathias Polster. Mit Hilfe eines Bodenradars könne man eine archäologische Voruntersuchung vornehmen, die verlässliche Informationen liefere. Und bei dieser Gelegenheit hofft er, auch auf die Reste der vermuteten germanischen Kultstätte zu stoßen.

Dass des Stadtführers Neugierde geweckt wurde, ist einem fast 120 Jahre alten Artikel in dieser Zeitung zu verdanken. In dem Text geht es um Grabungen auf dem Luttenberg. Es heißt, die Grabenden seien auf Mauerwerk gestoßen, „welches als die Reste einer einst die Anhöhe krönenden Kapelle anzusprechen“ sei.

Unter anderem gefundene Bruchstücke vom Marienglas lassen laut Autor vermuten, dass die Kapelle im zehnten Jahrhundert erbaut worden ist. Doch der Verfasser des Artikels erwähnt noch einen zweiten Bau: „Dass die Kapelle auf einer altheidnischen Kultstätte errichtet wurde, zeigen die darunter liegenden errastischen (grob behauenen) Blöcke, wogegen für das Mauerwerk der Kapelle Bruchsteine gedient haben. Menschenknochen, die dort ferner gefunden sind, lassen auf das hohe Alter der Opferstätte schließen.“

Grabung abgebrochen

Leider sei die Grabung später abgebrochen worden und leider seien die Grabungsberichte verloren gegangen, bedauert Polster. Zum Glück habe er den Archäologen Sven Spion vom LWL für das Projekt begeistert, so dass der Herforder auf Unterstützung von berufener Seite hofft.

Dass die christliche Michaelskapelle auf einer alten Kultstätte errichtet wurde, hält der Stadtführer für nicht ungewöhnlich. Nieder bestätigt ihn in dieser Einschätzung und verweist auf die bekannte Michaelskapelle in Fulda. Etwa 70 heilige Orte wird sein Buch umfassen – der Herforder Luttenberg ist dabei.

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