„X Herford“-DJ Alexx Botox erzählt, was die Corona-Krise für ihn bedeutet Wenn die Musik aus bleibt

Herford (WB). Eine ordentliche Portion farbenfroher Lidschatten, große Ohrringe und eine schwarze Mütze: Das sind die Markenzeichen von DJ Alexx Botox. Seit Ende der 1990er Jahre legt Alexander Bothe – so sein richtiger Name – regelmäßig in der Herforder Diskothek „X“ (früher Kick) Musik auf. Kein Wochenende ohne Party! Alexx Botox verdient sein Geld mit Musik, steht in zahlreichen anderen Clubs der Region regelmäßig an den Turntables – vor allem für die Schwarze Szene.

Von Kathrin Weege
DJ Alexx Botox legt seit Ende der 1990er Jahre regelmäßig in der Herforder Diskothek „X“ auf. Die Corona-Krise hat sein Leben auf den Kopf gestellt. Aus dem Nachtmenschen ist fast ein Frühaufsteher geworden. Alexander Bothe – so sein richtiger Name – hofft, dass die Krise bald vorbei ist.
DJ Alexx Botox legt seit Ende der 1990er Jahre regelmäßig in der Herforder Diskothek „X“ auf. Die Corona-Krise hat sein Leben auf den Kopf gestellt. Aus dem Nachtmenschen ist fast ein Frühaufsteher geworden. Alexander Bothe – so sein richtiger Name – hofft, dass die Krise bald vorbei ist.

Von einem auf den anderen Tag hat sich für den Nachtmenschen alles verändert. Die Corona-Pandemie erzwang im März die Schließung aller Diskotheken, keinerlei Veranstaltungen finden seither mehr statt. „Mir sind alle Einnahmen weggebrochen. Ich lebe von meinen Ersparnissen“, sagt Alexx Botox. Er hatte Glück, hat die Förderung für Solo-Selbstständige vom Staat erhalten. Weil das Veranstaltungsleben aber mindestens bis zum 31. August ruhen wird, fehlen ihm bis dahin nahezu jegliche Einnahmen.

Pandemie sorgt für Entschleunigung

Den Kopf in den Sand zu stecken, ist für den DJ keine Option. „Mein Tagesablauf hat sich geändert. Bin ich sonst ein Nachtmensch – ich lege etwa dreimal pro Woche auf – stehe ich nun früh auf und gehe früh zu Bett“, erzählt der Essener, der der Frage nach seinem Alter charmant ausweicht und dann mit einem Lachen antwortet „zum wiederholten Mal 29“.

Seit zehn Jahren sei er liiert, hätte in all den Jahren nicht ein freies Wochenende gehabt. „Wir waren jetzt zum ersten Mal vier Tage im Urlaub – das war der erste seit 2006“, erzählt Alexx Botox. Corona entschleunigt eben auch das Leben eines DJs.

Auf den ersten Blick wirkt Alexx Botox wie ein bunter Paradiesvogel. Und irgendwie ist er das auch, gleichzeitig aber Anhänger der Schwarzen Szene. Eine Szene, die in den späten 80er Jahren aus der Anhängerschaft des Dark Wave und Independent entstanden ist. Die Szene ist vielfältig, kleinster gemeinsamer Nenner und damit ein zentraler Punkt ist die Farbe Schwarz mit all den denkbaren Symbolwerten.

Zweieinhalb Stunden fürs Outfit

In diesen Kreisen ist Alexx Botox bekannt, legt bei Festivals und regelmäßig im Hydepark Osnabrück, in der Zeche Carl in Essen, in der Werkstatt Witten, in der Zeche und im Matrix in Bochum sowie im Zentrum Altenberg auf. „Grundsätzlich verstehe ich mich als Dienstleister, spiele, was gewünscht wird. Ich habe auch schon freitags Charts im X zum Besten gegeben“, erzählt der gelernte Groß- und Außenhandels- sowie Werbekaufmann. Besonders vermisse er die „Nobody is Perfect“-Party. Das ist eine integrative Disco in Oberhausen. „Die ist alle drei Monate sonntags und wäre jetzt wieder dran gewesen.“

An diesem besagten Sonntag hat er stattdessen eine gut bekannte Strecke absolviert. Von Essen ging es Richtung „X“ – für einen Livestream. Die Vorbereitung dafür ist für ihn wie bei allen anderen Auftritten auch. „Man erarbeitet eine Playlist. Seit es die sozialen Netzwerke gibt, wenden sich die Tanzfans schon vorab mit Wünschen an mich. Außerdem muss man die passende Mischung aus ganz neuen Songs und Klassikern sowie aus allen Bereichen von Elektro bis Rock zusammenstellen“, erzählt Alexx Botox.

Eine nicht unerhebliche Vorbereitungszeit nehmen sein Make-Up und Outfit in Anspruch. „Das kann schon mal zweieinhalb Stunden dauern. Es muss ja schließlich auch halten. An normalen Abenden fahre ich um 19.30 Uhr in Essen los und bin erst wieder um 7.30 Uhr zu Hause“, sagt Alexx Botox, in dessen Kleiderschrank sich jede Menge Outfits befinden.

Streaming als Werbeaktion

Auch für den Streaming-Abend mit seinem besten Kumpel DeJan macht er sich schick wie bei jedem „gewöhnlichen“ Auftritt. Für den Stream legt er kostenlos auf. Schließlich macht es ihm Spaß und er will seine Fans auf sich aufmerksam machen. „Manche glauben, dass das ‚X‘ dauerhaft schließen wird. Daher sind solche Werbeaktionen sehr wichtig“, meint der Essener, der übrigens als Werbekaufmann auch die Flyer des „X“ mitgestaltet.

Nun hofft Alexx Botox, dass er beim nächsten Arbeitstag – eher Arbeitsnacht – im „X“ beim Auflegen nicht auf eine leere Tanzfläche blickt, sondern sich die Party-Massen wieder zu den Bässen seiner Musikmischung hingeben.

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