Der aus Herford stammende Theaterautor Martin Heckmanns erwartet keine normale Saison
Schauspieler nur mit Mundschutz?

Herford/Münster (WB). Es hätte eines der besonders guten Jahre für Martin Heckmanns werden können. Drei Stücke des in Herford aufgewachsenen Theaterautoren feierten im Winter in NRW Premiere – doch dann kam Corona und der Theaterbetrieb ruht seitdem.

Freitag, 08.05.2020, 02:03 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 05:04 Uhr
Der Theaterautor Martin Heckmanns besucht häufig seine Heimatstadt Herford. Foto: Horstmann

Zwei bis fünf Vorstellungen habe es jeweils gegeben, sagt der 48-Jährige. In Münster uraufgeführt wurde „Mein Vater und seine Schatten“ – ein Stück, das einen stark biografischen Hintergrund hat. Die Bühne in Münster wolle versuchen, die Aufführungen nachzuholen, sagt Martin Heckmanns. Versprechen könne man aber nichts.

Der Dramatiker hat Verständnis für die abwartende Auskunft der Bühne, er sagt: „Die Theater werden zu den letzten Einrichtungen gehören, die wieder öffnen dürfen.“ Denn dort seien die Hygienevorgaben besonders schwer umzusetzen, nicht nur für die Zuschauer: „Schauspieler mit Mundschutz, die sich nicht zu nah kommen dürfen – das wird nur bei wenigen Stücken Sinn ergeben.“ Daher glaubt Heckmanns nicht, dass im Herbst eine normale Theatersaison beginnen wird.

Auch Tantiemen erwartet er für dieses Jahr nicht mehr. Die erste vierteljährliche Auszahlung ist schon erfolgt, danach werde wohl nichts mehr kommen. Neben den finanziellen Schwierigkeiten stellen sich dem in Berlin lebenden Autor auch Fragen danach, wie sich das soziale Miteinander durch Corona verändert: „Die Gefahr ist nicht sichtbar, aber allgegenwärtig. Plötzlich haben wirklich fast alle ein gemeinsames Problem, wenn auch mit sehr unterschiedlichen Auswirkungen. Wir sind in Vorsicht eng verbunden, aber körperlich distanziert.“ Dass man aus Liebe Abstand halten solle, sei für ihn eine schwer zu fassende Aufforderung.

Einfluss aufs Schreiben fürs Theater

Die Veränderungen haben laut Heckmanns auch Einfluss auf sein Schreiben für das Theater: „Die Kommunikation verlagert sich ins Netz, eine Umarmung bedeutet plötzlich Ansteckungsgefahr.“ Schutz und Sicherheit würden vermutlich auf einige Zeit eine größere Rolle spielen als individuelle Selbstentfaltung. Da wirkten einige Stückideen vom Beginn des Jahres heute schon sehr befremdlich und veraltet.

Neulich aber hat ihm ein Theaterleiter gesagt, sein Erstling „Finnisch oder Ich möchte Dich vielleicht berühren“ sei eigentlich das Stück der Stunde: Es handle von Einsamkeit und der Sehnsucht nach Berührungen. Und es sei ein Monolog. „Vielleicht sollten Autoren wegen der Sicherheitsabstände vorerst nur noch Ein-Personen-Stücke schreiben“, spitzt Heckmanns den Gedanken zu – und lacht. Humor ist eben auch Notwehr.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7400233?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Klos „kein Typ der Extreme“
Trainer Uwe Neuhaus mit Fabian Klos
Nachrichten-Ticker