21-Jähriger verurteilt – schriftliches Lob des Arbeitgebers beeindruckt Justiz
Zum Drogendealen aufs Festival

Herford/Rödinghausen (WB). Kokain, Marihuana, Ecstasy, Amphetamine – mit einem Bauchladen voller Drogen war der damals 20-Jährige im August 2019 zum Wonderland-Musikfestival nach Stemwede gereist. Das Jugendschöffengericht Herford hat ihn wegen des Handels mit Drogen in erheblichen Mengen zu einer zehnmonatigen Jugendstrafe verurteilt.

Donnerstag, 07.05.2020, 20:15 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 20:30 Uhr
Das Wonderland-Festival lockt jährlich tausende Besucher nach Stemwede. Hier verkaufte der Angeklagte Drogen in großen Mengen. Foto: Kokemoor

Der Umsatz schien auf der Großveranstaltung für elektronische Trance-Musik beträchtlich gewesen zu sein. Denn als der Rödinghauser am zweiten Tag der Freiluftkonzerte aufgegriffen wurde, hatte er mehr als 2700 Euro bei sich. Allerdings auch noch gut 25 Gramm Kokain, etwa 130 Gramm Marihuana, 85 Gramm synthetische Drogen sowie eine Feinwaage. Wegen der Menge der illegalen Substanzen schickte ein Haftrichter den jungen Mann in Untersuchungshaft. Da half auch seine anfängliche Schutzbehauptung nicht, er habe die Tasche mit den Drogen zufällig gefunden.

Knapp drei Monate saß der mittlerweile 21-Jährige in U-Haft. Diese schien ihn geläutert zu haben, allerdings noch mehr die Reaktion seiner Eltern, wie er vor Gericht angab. „Ich schäme mich so. Darum möchte ich auch nicht, dass sie heute bei der Verhandlung dabei sind.“ Warum er die Drogen verkauft habe? „Ich habe damals noch Gras geraucht, das wurde mir zu teuer. Außerdem brauchte ich Geld für Markenklamotten.“

Lobendes Schreiben des Arbeitgebers

Der schlechte Einfluss seines damaligen Freundeskreises sei maßgeblich für sein Fehlverhalten verantwortlich, sagte Verteidiger Thomas Hemminghaus. Dem Umfeld und den Drogen habe er aber mittlerweile abgeschworen. „Ich habe damals völlig unüberlegt gehandelt“, zeigte sich der Angeklagte reumütig.

„Das ist eine ganz schöne Hausnummer“, sagte die Vorsitzende Richterin Tanja Schwöppe-Funk mit Blick auf die Drogenmenge. Zumal der junge Mann der Polizei schon anderweitig aufgefallen war. Ihm half letztlich aber auch ein Schreiben seines Arbeitgebers, der den jungen Mann als „immer pünktlich, immer fleißig“ beschrieb. „Solche Mitarbeiter wünscht sich jedes Unternehmen“, verlas Richterin Schwöppe-Funk den Brief. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, zeigte sich auch Staatsanwältin Isabell Treu von dem Schreiben beeindruckt.

So blieb es bei zehn Monaten Jugendstrafe auf Bewährung und der Einziehung der 2700 Euro Dealgeld. Zudem muss der 21-Jährige die Verfahrenskosten sowie 1500 Geldauflage zahlen. Ob er mit seinem Mandanten Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen werde, konnte Verteidiger Hemminghaus im Anschluss noch nicht sagen.

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