Deutlich weniger Straftaten: Polizeichef geht aber nicht von dauerhafter Entwicklung aus Shutdown auch bei Kriminellen

Herford (HK). Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf die Kriminalitätslage – und zwar positive. Welche das genau sind, erklärt Herfords Polizeichef Dirk Zühlke (60) im Interview mit Redakteur Moritz Winde.

Da Bars und Discos geschlossen bleiben müssen – das Foto entstand bei einer Groß-Kontrolle im vergangenen Jahr in der Herforder Innenstadt –, gibt es für die Polizei weniger zu tun. Polizeidirektor Dirk Zühlke, der seit fünf Jahren Abteilungsleiter ist, hofft dass dies so bleibt
Da Bars und Discos geschlossen bleiben müssen – das Foto entstand bei einer Groß-Kontrolle im vergangenen Jahr in der Herforder Innenstadt –, gibt es für die Polizei weniger zu tun. Polizeidirektor Dirk Zühlke, der seit fünf Jahren Abteilungsleiter ist, hofft dass dies so bleibt Foto: Moritz Winde

Herr Zühlke, die Schließung der Discos dürfte Sie doch freuen, schließlich vergeht kein Wochenende ohne Polizeieinsatz dort, oder?

Dirk Zühlke: Grundsätzlich freut sich die Polizei nicht über die Schließungen der Diskotheken. Immerhin ist das ein Freizeitangebot und übrigens auch ein Wirtschaftsfaktor. Uns freut natürlich, dass es dort weniger Einsätze gibt und auch weniger Kriminalität zum Beispiel in Form von Körperverletzungen. Insgesamt hat sich die Kriminalitätslage rund um den Bahnhof und in der Innenstadt beruhigt – das verwundert aber auch nicht, weil sich schlicht und ergreifend weniger Personen dort aufhalten. Es wäre natürlich schön, wenn dies zumindest tendenziell so bliebe.

Wie hat sich die Kriminalitätslage seit dem Shutdown insgesamt verändert?

Zühlke: Wir stellen fest, dass das Einsatzgeschehen und die uns bekannte Kriminalitätslage deutlich gesunken sind. Was besonders auffällig ist: Die Anzahl der Wohnungseinbrüche ist drastisch gesunken. Das ist natürlich erfreulich, hängt aber mit den Corona-bedingten Restriktionen zusammen. Insofern gehen wir nicht von einer dauerhaften Entwicklung aus.

Gibt es mehr häusliche Gewalt?

Zühlke: Entgegen der Erwartungen vieler – auch unserer – ist die Anzahl der Delikte von uns gemeldeten Fällen häuslicher Gewalt nicht gestiegen, sondern vielmehr im Vergleich zu 2019 leicht gesunken. Das ist erst erfreulich, wenngleich ich sagen muss, dass ich diese Aussage mit dem Hinweis auf nicht absolut valide Daten treffen kann. Wir alle haben ja befürchtet, dass das intensivere familiäre und soziale Zusammenleben zu mehr Konflikten führt und diese dann auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führen. Es scheint aber so zu sein, dass auch oder gerade in diesen Zeiten der familiäre Zusammenhalt da ist. Es gab einige Missachtungen der Corona-Regeln. Nach meiner Wahrnehmung nehmen die Bürgerinnen und Bürger des Kreises Herford die Vorgaben aber ernst und verhalten sich verantwortungsvoll.

Das heißt, die Polizei hat weniger zu tun?

Zühlke: Wie gesagt, ist die Anzahl der Einsätze und der Straftaten aktuell gesunken. Wenn man so will, haben wir derzeit tatsächlich weniger zu tun. Wir nutzen die Kapazitäten, um noch bestehende Arbeitsraten – zum Beispiel Ermittlungsvorgänge – abzuarbeiten. Da wir Zwölf-Stunden-Schichten eingeführt haben, achten wir natürlich auch auf den Freizeitausgleich. Wir gehen aber davon aus, dass mit den Lockerungen des Shutdowns auch wieder die Anforderungen an uns steigen werden. Es wird mit dem Auslaufen der Einschränkungen auch wieder eine „Normalisierung” des Einsatz- und Kriminalitätsgeschehens eintreten. Darauf wollen wir vorbereitet sein.

Wie gehen Sie behördenintern mit Corona um?

Zühlke: Wir haben unseren Dienst angepasst und umgestellt. Wir hatten wie alle anderen Behörden auch einen Pandemievorsorgeplan entwickelt und den umgesetzt. Zunächst einmal war und ist es uns wichtig, dass wir organisatorische Vorkehrungen treffen, um eine mögliche Infektionsrate in unserer Belegschaft so gering wie möglich zu halten. Ziel war und ist es, immer einsatzfähig zu sein und die Anforderungen der Bürger gewährleisten zu können. Das ist uns gelungen.

Sind aktuell Kollegen infiziert?

Zühlke: Glücklicherweise haben wir zurzeit in unserer Behörde keine an Corona erkrankten Kollegen. Ich hoffe, dass bleibt so.

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