Kreisel am Herforder Westring: Staatsanwalt stellt Verfahren ein Lkw-Fahrer trifft nur geringe Schuld

Herford (WB). Der Lkw-Fahrer hatte so gut wie keine Chance, die Radfahrerin zu sehen: Zu diesem Ergebnis kommt ein Dekra-Gutachten. Deshalb hat die Bielefelder Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen den Brummi-Piloten eingestellt. Der 66-Jährige hatte im Oktober im Kreisverkehr am Westring/Diebrocker Straße eine Radfahrerin überrollt.

Von Moritz Winde
In diesem Kreisel kam es zu dem tödlichen Unfall. Er soll umgebaut werden – aber wohl nicht mehr in diesem Jahr.
In diesem Kreisel kam es zu dem tödlichen Unfall. Er soll umgebaut werden – aber wohl nicht mehr in diesem Jahr. Foto: Moritz Winde

„Den Mann trifft höchstens eine geringe Schuld. Nur wenn er beim Verlassen des Kreisels nach links aus dem Fenster geschaut hätte, hätte er die Fahrradfahrerin sehen können. Aber wer macht das schon bei der Ausfahrt?“, fragt Staatsanwalt Christopher York. In Abstimmung mit dem Gericht habe er sich daher dazu entschieden, die Akten zu schließen und nicht weiter zu ermitteln.

Laut Vermeidungsgutachten der Verkehrsexperten sei die 27-jähriger Radlerin am Morgen des 10. Oktober vergangenen Jahres mit sehr hoher Geschwindigkeit – die Rede ist von 30 Stundenkilometern – in den Kreisverkehr gefahren. Die junge Frau war auf der Diebrocker Straße in Richtung Innenstadt unterwegs gewesen. Zu diesem Zeitpunkt war der mit Baustoffen beladene Kipplaster bereits in den Kreisverkehr eingebogen. Er kam vom Westring und fuhr ebenfalls Richtung Bahnhof. Die Herforderin habe dann versucht, den Lkw im Kreisel zu überholen, sagt Christopher York. Es kam zur Kollision, die die Radfahrerin mit dem Leben bezahlen musste. Noch heute erinnern Blumen an dieser Stelle an den tragischen Unfall.

Kein Blick nach links

Falk H. Held, Fachanwalt für Versicherungs- und Verkehrsrecht, begrüßt die Entscheidung der Staatsanwaltschaft. Der Jurist vertritt den Lkw-Fahrer. Er sagt: „Es ist nicht verpflichtend, bei der Ausfahrt aus einem Kreisverkehr nach links zu blicken.“ Sein Mandant sei durch die Vorkommnisse im Übrigen bereits gestraft genug. „Er ist mehr als 30 Jahre als Subunternehmer einer Baufirma Lkw gefahren. Nach dem Unfall hat er seinen Laster sofort verkauft, will sich nie wieder hinters Steuer setzen. Noch immer wird er psychologisch betreut.“

Nach dem dramatischen Geschehen hatte die Polizei den Kreisel zum Unfallschwerpunkt hochgestuft. Die Verkehrsführung der Radler außen herum sei veraltet. Die gefährliche Situation müsse entschärft werden, urteilte die Unfallkommission. Bisher ist jedoch nichts passiert. Die dafür zuständige Behörde Straßen NRW geht auch nicht davon aus, dass der Umbau noch in diesem Jahr geschehen wird. „Wir wollen aber zumindest die Markierungen zeitnah erneuern“, sagt Sprecher Sven Johanning.

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