Nach Feuer in Herford: Bewohner kritisieren fehlenden Brandschutz
Obdachlosenheim ohne Rauchmelder

Herford (WB). Nach dem Feuer in der Herforder Obdachlosenunterkunft kristallisiert sich heraus: Es gibt in dem Haus an der Werrestraße offenbar keinen ausreichenden oder gar keinen Brandschutz. Dabei ist dies gesetzlich vorgeschrieben.

Montag, 04.05.2020, 06:06 Uhr aktualisiert: 04.05.2020, 06:10 Uhr
Manucher Putzig steht vor der mit Brettern vernagelten Brandwohnung. Er kritisiert: „Rauchmelder gibt es nicht.“ Foto: Moritz Winde

Am Donnerstagmittag war die Wohnung eines 38-Jährigen komplett ausgebrannt. 70 Feuerwehrleute konnten ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäudeteile verhindern. Verletzt wurde niemand. Die Rauchentwicklung soll so stark gewesen sein, dass der Qualm bereits unter der Eingangstür hervorquoll. In der Nachbarwohnung schlief zum selben Zeitpunkt ein Mann so tief, dass er von der Feuerwehr geweckt werden musste. Er bekam nichts von den Flammen nebenan mit. Zur Ursache macht die Polizei weiter keine Angaben.

Augenzeuge Manucher Putzig weist gegenüber dem WESTFALEN-BLATT darauf hin, dass er zum Zeitpunkt des Brandes kein schrilles Pfeifen von Rauchmeldern gehört habe. „Ich wohne hier seit Oktober, schon in drei verschiedenen Wohnungen. Rauchmelder hat es in keiner gegeben“, kritisiert der 36-Jährige. Auf Nachfrage bestätigen andere Bewohner Putzigs Aussage. „Ich lebe seit zweieinhalb Jahren in dieser Wohnung und hatte noch nie einen Rauchmelder. Auch Feuerlöscher oder Branddecken sucht man vergeblich“, sagt eine Frau. Und eine andere ergänzt: „Ich habe in meiner Wohnung jetzt selbst einen Rauchmelder angebracht.“

Diakoniestiftung will am Montag Stellung nehmen

Herfords Feuerwehrsprecher Christoph Büker war am Donnerstagmittag persönlich vor Ort. Er sagt: „In der besagten Immobilie sind uns leider keine Rauchmelder aufgefallen.“ Dabei seien die seit 2014 für Neubauten und seit 2017 für Bestandsbauten Pflicht. Eigentümer einer Immobile seien dafür zuständig, geeignete technische Geräte anzubringen. „Wir halten diese Vorschrift für sehr sinnvoll, da sie helfen kann, Brände während der Entstehung zu bemerken und die Bewohner rechtzeitig vor einer lauernden Gefahr zu warnen. Rauchmelder können Leben retten“, betont Christoph Büker.

Herfords Beigeordnete für Bildung, Jugend und Soziales, Birgit Froese-Kindermann, verweist auf die Diakoniestiftung. „Die Stadt ist nicht Eigentümerin des Hauses, wir haben lediglich einige Wohnungen gemietet.“ Ob in diesen Wohnungen Rauchmelder unter der Decke hängen, konnte sie nicht mit Sicherheit sagen.

In der Tat hat die Evangelische Diakoniestiftung 2014 das ehemalige Obdach der Stadt mit 31 Wohnungen im Rahmen eines Erbpachtvertrages übernommen. Der Sozialberatungsdienst hält im Haus 19 Wohnungen für Menschen mit besonderen Schwierigkeiten vor, die auf dem freien Wohnungsmarkt aus unterschiedlichsten Gründen nicht mit Wohnraum versorgt werden können. Alle Mieter seien in ihrem Leben bereits mindestens einmal wohnungslos gewesen, heißt es auf der Internetpräsenz.

„Die meisten bewohnten das Haus schon, als es noch als Obdach genutzt wurde und konnten durch die Übernahme des Hauses einen Mietvertrag und somit gesicherten Wohnraum erhalten.“ Sechs Wohnungen des Hauses würden für das teilstationäre Wohnen genutzt.

Michael Stroop, Vorstand der Evangelischen Diakoniestiftung Herford, kündigte für diesen Montag eine Stellungnahme an.

Ein Feuerwehrmann sucht in der Brandwohnung nach Glutnestern. Wie es am Donnerstagmittag zu dem Feuer in der Obdachlosenunterkunft kam, kann die Polizei noch nicht sagen.

Ein Feuerwehrmann sucht in der Brandwohnung nach Glutnestern. Wie es am Donnerstagmittag zu dem Feuer in der Obdachlosenunterkunft kam, kann die Polizei noch nicht sagen. Foto: Christian Müller

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