„X“ unterhält mit Livestreams – zugesagte Unterstützung vom Staat noch nicht erhalten Die Party kommt ins Wohnzimmer

Herford (WB). Die Stühle sind hochgestellt, die Tanzfläche im Herforder „X“ ist leer. Doch die Musik – samt Lichtshow – läuft wieder. Allerdings nur für Videoaufnahmen. Zwei Partystreams sind bereits auf der „X“-Facebookseite online, der dritte folgt an diesem Sonntag um 19 Uhr für die Gothic-Szene.

Von Kathrin Weege
Seit Mitte März sind die Herforder Diskotheken wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Mit Live-Streams verwöhnt das „X“ seine Besucher nun zu Hause.
Seit Mitte März sind die Herforder Diskotheken wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Mit Live-Streams verwöhnt das „X“ seine Besucher nun zu Hause. Foto: Moritz Winde

„Seit der Schließung im März passiert bei uns gar nix mehr. Aber so langsam wollen wir uns bei den Partygästen wieder ins Gedächtnis rufen“, sagt Kai-Uwe Nolte, geschäftsführender Gesellschafter der „X“-Veranstaltungs- GmbH. Und das sei dringend nötig, wenn man wiedereröffnen wolle.

Drei Streams ab Sonntag online

Der erste Stream, der wie alle in Kooperation mit dem Bielefelder Multimodal-Radio entstanden ist, stammt aus dem Techno-, der zweite aus dem Black-Music-Bereich. „An diesem Sonntag legen die DJs Alexx Botox und De Jan für die Gothic-/Düsterszene auf. Die Musik ist dann wie bei der Veranstaltung Dark Society“, erklärt Nolte. In den Videos, die anschließend auch weiterhin auf der Facebookseite zur Verfügung stehen, sehen die „X“-Fans ihre DJs an den Turntables, die Tanzfläche mit Lichtshow und Partyfotos aus der Vor-Corona-Zeit. „Da ich zu zweit mit meinem besten Freund auflege, werden wir vermutlich Masken tragen – wie im Alltag eben“, sagt Alexander Bothe alias DJ Alexx Botox.

Playlist vorbereitet

Wie bei jedem anderen Discoabend bereitet er auch für den Streaming-Abend seine Playlist vor. Eine solche Veranstaltung hat Alexx Botox bereits hinter sich. „Die leere Tanzfläche ist schon irgendwie gruselig. Sonst tobt da das Leben, ist da Kommunikation“, sagt er. Für den „Auftritt“ reist er aus seiner Heimat Essen an. Das ist kein Problem, legt er doch schon seit den 1990er Jahren im „X“ (ehemals Kick) auf. Viel Schminke und Mütze sind seine Markenzeichen. Beides wird auch dieses Mal für seine Fans nicht fehlen.

Die bisherigen Streams hätten jeweils mehr als 10.000 Zugriffe gehabt. Verdienen kann das „X“ damit allerdings nichts. „Wir müssen froh sein, dass die DJs umsonst für uns auflegen. Das alles dient der Werbung“, sagt der „X“-Chef. Und auch damit hat es die Disco nicht leicht. „Wir haben mehr als 40.000 Facebook-Fans, werden derzeit mangels Interaktionen aber niedrig von dem sozialen Netzwerk gerankt“, nennt Nolte ein weiteres Problem.

Diskotheken und Veranstaltungsorte hätten es während der Pandemie besonders schwer. „Eine Disco-Kneipe in Ischgl gilt als einer der Hauptverbreitungspunkte von Corona. Unter diesem Image haben nun viele Veranstalter zu leiden“, ist Nolte überzeugt.

GoParc streamt auch

Auch der Herforder GoParc bringt den Partyfans die Disco nach Hause. „Leider können wir nicht zusammen feiern, aber wir streamen euch die Party ins Wohnzimmer“, heißt es auf der Facebookseite. Fünf DJs legten am späten Donnerstag zum Tanz in den Mai auf. Zu finden ist der Stream auch weiterhin auf der Facebookseite der Herforder Großraumdiskothek.

Natürlich halte er sich an die Schließung der Disco. „Eine Öffnung würde uns eine Strafe von 50.000 Euro kosten“, sagt Nolte. So langsam sollte es aber ein Konzept geben, wann es wieder losgehen kann. Die Corona-Zahlen lägen unter denen der normalen Grippe. „Sollte es so kommen, dass Discos erst wieder mit der Einführung eines Impfstoffes aufmachen dürften, brauchen wir die Türen gar nicht wieder zu öffnen“, sagt der 55-Jährige, der seit 1995 Geschäftsführer der Party-Location an der Bünder Straße ist. Auch eine mögliche Beschränkung auf 500 oder 1000 Gäste sei schwer umzusetzen. Ist das „X“ richtig voll, feiern dort bis zu 2400 Leute.

Unterstützung vom Vermieter

Vier Festangestellte und 70 Aushilfen haben im März von einem auf den anderen Tag ihren Job verloren. Wie und wann Partys und Konzerte weitergehen, weiß Nolte nicht. Vom Staat sind ihm 25.000 Euro zugesagt worden. „Wir haben Ende März den Bewilligungsbescheid bekommen – bisher aber keinen Cent Geld“, sagt Nolte. Er hat bereits beim Ministerium nachgehakt. „Das ist alles richtig Mist und das Geld sowieso nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn es muss voll versteuert werden.“ Dankbar ist der X-Chef seinem Vermieter. Er sei ihm sehr entgegengekommen. „Sonst hätten wir die Segel schon streichen müssen.“

Beim Video darf der Blick auf die Tanzfläche nicht fehlen. Auch eine Lichtshow gibt’s – nur keine Tänzer.

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