Initiative um Karin Gehrke möchte Stadttaubenschlag – Stadt Herford ist dagegen
Tauben hungern – Hilfe gefordert

Herford (WB). Die Corona-Krise macht auch vor den etwa 300 Stadttauben in Herford nicht Halt: Sie finden keine Nahrung mehr und hungern. Dennoch brüten sie – der Nachwuchs verendet qualvoll. Für die Tiere setzt sich Karin Gehrke mit einem kleinen Team ein. Jetzt hat sie Bürgermeister Tim Kähler um Hilfe gebeten. Der aber sagt keine Unterstützung zu.

Dienstag, 28.04.2020, 16:21 Uhr aktualisiert: 30.04.2020, 09:24 Uhr
Sie sind in der Innenstadt neben den Passanten unterwegs: die Stadttauben. In der Corona-Krise finden sie nicht genug Nahrung und verhungern. Foto: Jan Gruhn

Die 52-jährige Herforderin weiß, dass die Tauben in der Innenstadt, die ihren Kot überall verteilen, zumindest bei den Geschäftsleuten unbeliebte Gäste sind. „Los wird man die Tauben hier sowieso nicht. Mit einem Stadttaubenschlag, wie es ihn seit einiger Zeit in Bünde gibt, kann man aber die Population minimieren. Außerdem wird es dann weniger Dreck geben“, erklärt Gehrke.

Tauben fehlen die Abfälle

Ihr liegt aber vor allem eines am Herzen: Die Tauben sollen nicht länger hungern. Da im Moment wenige Bürger in der City unterwegs sind, finden die Tiere kaum Abfälle, von denen sie sich sonst ernähren.

„Das Füttern ist verboten. Gerade jetzt wäre es aber sinnvoll. Daher habe ich am 7. April an Bürgermeister Tim Kähler geschrieben und um eine Ausnahmegenehmigung beim Füttern nur für die Coronazeit gebeten. Ein paar Leute machen das aktuell quasi illegal, um die Tiere vor dem grausamen Verhungern zu bewahren“, berichtet Gehrke. Außerdem hat sie ihm die Idee eines Stadttaubenschlag nahegelegt.

„Ich habe jetzt gerade eine Absage erhalten. Das Füttern der Tauben ist weiterhin untersagt“, ist die Herforderin enttäuscht. Kähler schreibt: „Eine Stadttaube benötigt 20 Gramm Futter am Tag. Sie finden selbst im Winter genug Nahrung und muss nicht verhungern.“

Bürgerantrag vorbereitet

Weiter heißt es: Fütterungsverzicht sei nach Ansicht vieler Fachleute die weitaus beste Methode, das ökologische Gleichgewicht wieder herzustellen und den Tauben zu einem artgerechten Leben zu verhelfen. Das „bequeme Futterangebot“ sei aktuell wegen der Geschäftsschließungen eingeschränkt gewesen. Mit dem 20. April kehre aber langsam wieder mehr Normalität ein.

Karin Gehrke gibt so schnell aber nicht auf und will jetzt einen Bürgerantrag an den Rat stellen, hat bereits nach Unterstützung bei einigen Parteien gefragt.

Die Sicht der Stadt macht die Herforderin nicht nur traurig, sondern auch wütend. „Das widerspricht dem Tierschutzgedanken. Die Stadt ist meiner Auffassung nach rechtlich verpflichtet, etwas zu unternehmen. Sie hat die Fürsorgepflicht“, meint Gehrke. Die Tauben aushungern zu lassen, bedeute unendliches Leid. „Ich habe schon überlegt, Strafanzeige gegen die Stadt zu stellen“, sagt Gehrke.

Ortstreue Zuchttauben

Sie hat sich in der letzten Zeit ausführlich mit dem Thema Tauben befasst. „Die Tiere in der Stadt brauchen Körner, keine Abfälle als Nahrung. Es handelt sich nicht, wie viele annehmen, um Wildtauben. Es sind verwilderte Zuchttauben“, weiß die Tierfreundin. Diese seien sehr ortstreu, blieben im einem Umkreis von 500 bis 800 Metern. Sie hätten zudem einen angezüchteten Brutzwang. Die Jungen würden sterben, wenn sie nicht ernährt werden können – wie jetzt. Die wilde Ringeltaube hingegen würde bei Nahrungsknappheit nicht brüten. „Die wilden Exemplare können in Notzeiten Gras fressen. Stadttauben nicht“, weiß Karin Gehrke.

Sie sieht in einem Taubenschlag die Lösung vieler Probleme. Ideal wäre ein Ort auf einem Dachboden in der Innenstadt, denkbar wäre aber auch ein Bauwagen. „Der Vorteil eines betreuten Taubenschlags ist es, dass man die Population kontrollieren kann. Die Eier der Tauben werden eingesammelt und gegen Plastikexemplare ausgetauscht“, weiß die Herforderin. Von einem solchen Taubenschlag würde auch die City profitieren.

Bünde als Vorbild

80 Prozent des Kots würden dann im Schlag und nicht mehr in der Öffentlichkeit landen. Bereits 60 Städte in Deutschland haben inzwischen eine solche Einrichtung für die Tiere – genannt Augsburger Modell. In Augsburg gab es seinerzeit den ersten Stadttaubenschlag. „ Bei uns ist der nächste in Bünde. Es hat dort allerdings zwei Jahre gedauert, bis es so weit war. Ich hoffe, dass wir in Herford nicht so lange warten müssen“, sagt Karin Gehrke .

Für das Bünder Projekt zeichnet Tanja Bültermann verantwortlich. Gehrke arbeitet eng mit ihr zusammen. „Tierschützer haben schon knapp zehn vom Hungern kranke Tauben zu ihr gebracht. Die meisten haben es leider nicht geschafft. Mir tun all diese Tauben einfach leid“, sagt die Tierfreundin.

Kommentar von Kathrin Weege

Man mag sie, oder eben auch gar nicht: Stadttauben. Es ist verständlich, dass sich Geschäftsleute und Kommune über die Tiere ärgern. Sie verdrecken die Städte, fliegen manchmal sogar in die Läden. Tauben aber langsam verhungern zu lassen, ist nicht rechtens. Es ist grausam. Die Idee für einen Stadttaubenschlag wie in Bünde klingt nach einer guten Lösung auch für die etwa 300 Tiere in Herford. Am Ende könnte es eine Win-Win-Situation sein: Weniger Tauben in der City, weniger Kot und gleichzeitig satte Tiere, die gesünder und kontrolliert gefüttert werden. Nicht umsonst hat Bünde – haben rund 60 Städte in Deutschland – einen solchen Taubenschlag installiert.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7390515?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Kwasniok folgt auf Baumgart
Lukas Kwasniok wird neuer Cheftrainer in beim SC Paderborn 07.
Nachrichten-Ticker