Industrieverband drängt auf Wiedereröffnung der Geschäfte
Möbelhersteller plädieren für „kontaktarmen Einkauf“

Herford (WB). Der vor einem Monat wegen der Corona-Krise abrupt gestoppte Verkauf von Möbeln in den Geschäften zwingt immer mehr Hersteller zur Kurzarbeit. In mehr als jedem zweiten Betrieb ruht die Arbeit bereits oder es findet nur noch eine eingeschränkte Produktion statt.

Mittwoch, 15.04.2020, 03:48 Uhr aktualisiert: 15.04.2020, 05:00 Uhr
Der Möbelverband hatte für seine Umfrage zu den Folgen von Corona rund 300 Unternehmen befragt, 94 haben jetzt geantwortet. Foto: dpa

„Die Lage ist ernst“, sagt der Geschäftsführer des in Herford ansässigen Verbands der Möbelindustrie, Jan Kurth, am Dienstag. Kurth hält einen „kontaktarmen Einkauf“ in den meist großräumigen Möbelhäusern für gut möglich und vergleicht die Situation mit den Baumärkten, die bekanntlich weiter für Kunden geöffnet sind – wenn auch mit Einschränkungen. Nun sollten auch Möbelgeschäfte wieder öffnen dürfen.

Jan Kurth leitet den Möbelindustrie-Verband.

Jan Kurth leitet den Möbelindustrie-Verband.

Nach einer aktuellen Umfrage des Holz- und Möbelverbandes laufe die Produktion nur noch bei 45 Prozent der Unternehmen weiter. Bei 40 Prozent werde „eingeschränkt“ produziert und bei 15 Prozent sei die Produktion sogar auf Null heruntergefahren worden. Dieses Gesamtbild dürfte sich im laufenden Monat April noch „spürbar verschlechtern“. Immerhin hätten bereits rund 85 Prozent der Hersteller Kurzarbeit beantragt.

„Je länger desto schlimmer“

Die Umfrageergebnisse verteilten sich annähernd gleichmäßig auf Küche, Polster und Wohnen, jedoch auch Bad- und Büromöbelhersteller sowie Zulieferer gaben ein Feedback. Über 65 Prozent der Unternehmen mit ruhender oder eingeschränkter Produktion können ihre Ware demnach nicht an den Handel oder entsprechende Lager ausliefern.

Bei 58 Prozent seien fehlende Auftragseingänge Ursache der Stilllegung. Insgesamt gab es bei zwei von drei Firmen Einbußen beim Auftragseingang. Knapp ein Drittel konnten wenigstens einen Auftragsanstieg aus dem Online-Handel spüren – davon 12 Prozent „stark“, heißt es. „Der Onlinehandel kann die Verluste aber nur eingeschränkt ausgleichen“, betont Kurth. „Dem Handel bleiben die Kunden weg, uns die Aufträge“, sagt der Verbandschef weiter. Kurth: „Je länger die Situation so andauert, desto schlimmer wird es.“ Ein großes Problem seien aber auch unterbrochene Lieferketten. Mit einem „einsamen Spitzenwert“ von 88 Prozent seien die Zulieferungen aus Italien gestört, gefolgt von Asien (31 Prozent), Osteuropa (19 Prozent) sowie Frankreich, Österreich und Spanien. Immerhin: Fast jedes zweite Unternehmen könne seine Handelspartner beliefern, bei 45 Prozent der Möbelhersteller sei dies zumindest teilweise möglich.

Küchenmöbelindus­trie noch mit Auftragsplus

Was den Auftragseingang im März betrifft, so gebe es innerhalb der Möbelindustrie Unterschiede. Während die Küchenmöbelindus­trie noch ein Auftragsplus ausweist, zeigten die Sparten Polstermöbel mit minus 25 Prozent sowie Wohnen mit minus 28 Prozent bereits deutliche Einbrüche. Ein Grund: Bei den Küchen gebe es längere Planungszeiträume.

Die deutsche Möbelindustrie zählt rund 100.000 Mitarbeiter, im Handel sind es weitere 150.000. Insgesamt sind Kurth zufolge 300.000 Personen in der Möbelbranche tätig. Ein Schwerpunkt liegt in Ostwestfalen-Lippe.

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