Verweis auf das Versammlungsverbot – Musiker zeigen Verständnis
Stadt Herford untersagt Ständchen

Herford (WB). Fünf Musiker haben am vergangenen Wochenende vor dem Heinrich-Windhorst-Haus für die Bewohner ein Ständchen gegeben . Derartige Auftritte wird es vorerst nicht mehr geben. Denn es gilt wegen Corona das aktuelle Versammlungsverbot.

Freitag, 10.04.2020, 11:07 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 14:34 Uhr
Fünf Musiker haben vor dem Heinrich-Windhorst-Haus gespielt. Die Stadt hat eine Neuauflage untersagt. Foto: Daniela Dembert

Die Initiative für den Kurzauftritt geht zurück auf den früheren NWD-Posaunisten Manfred Dunst. Sein 88-jähriger Vater, der selbst Musiker war, wohnt in dem Altenheim. Weil der Sohn weiß, wie sehr Musik die Herzen der Menschen bewegt, wollte er seinem Vater eine Freude machen. Vier Musiker der NWD folgten ihm gerne in seinem Ansinnen – und so konnte das nicht einmal vierminütige Minikonzert in Angriff genommen werden.

Dass er damit gegen das Versammlungsverbot verstoßen würde, war dem Initiator nach eigenen Angaben nicht klar. Er kannte dessen Bestimmung, sagt aber: „Wir haben nicht gemeinsam geprobt, wir sind wie fünf Einzelpersonen getrennt angereist, wir haben den Sicherheitsabstand eingehalten und wir sind danach sofort wieder weggefahren. Ich dachte, damit fallen wir nicht unter das Versammlungsverbot.“

Kähler meldet sich

Doch Bürgermeister Tim Kähler (SPD) habe die Musiker nach dem Zeitungsartikel darauf hingewiesen, diese Auftritte bis auf Weiteres zu unterlassen, sagt Dunst. Dabei verweise das Stadtoberhaupt nicht nur auf das Versammlungsverbot, sondern auch auf die Vorbildfunktion der Musiker. Ein Nachahmungseffekt solle verhindert werden.

Dunst, der sich auch wegen seines Vaters intensiv mit dem Corona-Virus beschäftigt, hat volles Verständnis für den Einwand. Er habe sich auch in einem Schreiben an Tim Kähler entschuldigend vor seine früheren NWD-Kollegen gestellt. Zudem legt Dunst Wert auf die Feststellung, dass es eine Aktion einzelner Musiker war – und kein NWD-Projekt.

Für den Posaunisten steht fest, dass er alleine weitermachen und vor Altenheimen spielen will. Denn die coronabedingte Isolation beschäftigt ihn sehr. Manfred Dunst kennt das Lächeln im Gesicht seines Vaters, wenn bekannte Melodien erklingen. Und er weiß um den Segen der Musik. Erinnerungen werden freigesetzt, manche fangen leise an zu singen – da geht auch einem gestandenen Berufsmusiker das Herz auf.

Kommentare

Christian Wolf  wrote: 14.04.2020 19:56
Wo bleibt der gesunde Menschenverstand????
Da verhalten sich Musiker vorbildlich und nach Vorschrift und werden für ihr soziales Engagement politisch limitiert. DAS GEHT GAR NICHT! und ist höchst verwerflich - insbesondere vor dem Hintergrund, dass Musiker/Künstler bisher von staatlicher Seite bezüglich der Corona- Totalausfälle "im Regen stehen gelassen" werden. Pfui Teufel - ich "fremdschäme" mich für Sie!
Friedrich  wrote: 13.04.2020 19:31
Vorbild Funktion
Der Herr Bürgermeister von Herford sollte sich ein Mal seine Wort überlegen!
Weiter machen ist eine Vorbild Funktion!
Alles war eingehalten worden!
Wo ist da eine Versammlung?????
Da kann man nur den Kopf schütteln!
Andreas  wrote: 12.04.2020 17:44
Man kann es nicht verstehen
O! armes Herford

Bei allem Verständnis für die Situation und Gefährdungslage, aber dieses nicht Schaden bringende Minikonzert war für Menschen gedacht, die unser Land wieder aufgebaut haben und nun weggesperrt werden und jetzt depressiv vor sich hin leben. Nur wer keine Angehörigen hat, kann so herzlos reagieren.

Die Ordnungsorgane mögen sich einmal die Zeit nehmen und an einem Sonnabendvormittag und die Discounter-Parkplätze und Straßen Herfords aufsuchen, um dort die Einhaltung der Kontaktsperren zu kontrollieren. Man wird sich wundern, wie sie dort „nicht“ eingehalten werden!
Annette  wrote: 12.04.2020 10:34
Stadt Herford untersagt Ständchen
Unglaublich,
es braucht doch Platz für kreative Ideen, um diese Zeit auch emotional zu überleben.....
Burkhard Schmilgun  wrote: 11.04.2020 13:57
Fremdschämen angesagt
Fassungslos las ich diesen Artikel. Gesetztestreue und -durchsetzung ohne Augenmaß und Verhältnismäßigkeit. Vor solchen Politikern kann man nur Angst bekommen!
Bielefeld 1  wrote: 11.04.2020 00:51
Stadt Herford untersagt Ständchen
Selbst in Corona Zeiten kann man es aus der Sicht nach nach § 12 der o.g. Verordnung auch Übertreiben da die Musiker über 2 Meter Abstand genommen haben und die Bewohnerrinnen und Bewohner der Unterkunft sich sicher über ein kleines Ständchen gefreut hätten.
Ulrike Wittland  wrote: 10.04.2020 17:51
O! herford
Den Artikel „Stadt Herford untersagt Ständchen“ habe ich mit Interesse gelesen. Ob die darin geschilderte Situation nach der Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (CoronaSchVO) vom 22. März 2020 als Ver- oder Ansammlung zu bewerten ist, will und kann ich nicht bewerten. Wenn die fünf Personen auf dem Foto eine unzulässige Ansammlung nach § 12 der o.g. Verordnung sind, müsste wohl auch jede Warteschlange vor einem Lebensmittelmarkt kritisch beurteilt werden.
Nachdenklich macht mich, dass durch die Reaktion der Stadt ein privates soziales Engagement ausgebremst wird und hierbei u.a. noch der Begriff Vorbildfunktion angeführt wird. Auch wenn ich die schwierige Situation der Verantwortlichen in diesen Tagen berücksichtige, kann ich nur sagen „O! herford“.
Gudrun  wrote: 10.04.2020 13:51
Kaehler go hone
Kaehler go.home
Total 8 comments
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