Väter dürfen aber in den Kreißsaal – Mutter Melanie Schröder berichtet
Besuch beim Baby ist tabu

Herford/Kirchlengern (WB). „So ganz ohne Besuch ist es schon ein bisschen einsam. Aber so habe ich mehr Zeit für den Kleinen!“ Melanie Schröder sieht die viele Ruhe nach der Geburt von Söhnchen Josse im Herforder Klinikum durchaus positiv. In Zeiten von Corona gelten eben andere Regeln – auch für Mütter und Neugeborene.

Samstag, 11.04.2020, 10:00 Uhr
Zärtlich legt Melanie Schröder die Arme um Josse. Er ist am 8. April zur Welt gekommen. Vater Dominik war nur im Kreißsaal dabei, auf den Stationen sind Besuche nicht erlaubt. Unterstützung erhält die Mutter von Still- und Laktationsberaterin Beate Schnelle.

Bei der Geburt durfte ihr Mann Dominik im Kreißsaal aber dabei sein. Er wurde allerdings deutlich früher angerufen und in die Klinik beordert, als es sonst üblich ist. „Meine größte Sorge war, dass er vor dem Termin krank werden könnte. Denn schon ein Schnupfen hätte gereicht und ich hätte das Baby alleine bekommen müssen“, erzählt die 37-Jährige, die Josse am 8. April nach sechs Stunden im Kreißsaal um 4.48 Uhr auf die Welt gebracht hat. Die ersten beiden Stunden konnte der Papa mit seiner Familie verbringen – mit auf die Station durfte er anschließend allerdings nicht.

Ehemann kümmert sich

Während Melanie Schröder sich liebevoll um den kleinen Josse kümmert – er ist 55 Zentimeter groß und wiegt 3840 Gramm –, managt ihr Mann zu Hause alles. „Er kümmert sich um Max, unseren knapp zweijährigen Sohn“, sagt Schröder. Auch den hat sie seit der Aufnahme im Klinikum nicht mehr gesehen und freut sich sehr, wenn sie ihn nach ihrer Entlassung wieder in die Arme schließen kann.

Alleine auf dem Zimmer

Die Kirchlengeranerin liegt ganz alleine in ihrem Zimmer und fühlt sich im Klinikum gut aufgehoben. „Man versucht hier schon, dass die Mütter und ihre Neugeborenen möglichst ein Zimmer für sich haben“, berichtet Melanie Schröder. Insgesamt habe sie das Ende der Schwangerschaft trotz Corona-Krise eher entspannt gesehen. „Ich wusste ja, dass sich die Kinder im Bauch nicht anstecken können und dass die Erkrankung bei jüngeren, gesunden Menschen meist unkompliziert verläuft“, so Schröder. Wäre sie selber erkrankt, hätte sie nur etwas Sorge wegen der Atmung bei der Geburt gehabt.

Hebamme kommt nach Hause

Auch vor und nach der Geburt ist alles etwas anders als bei ihrem ersten Sohn. „Bei den letzten Untersuchungen beim Frauenarzt durfte mein Mann nicht mehr mitkommen“, sagt die Mutter aus Stift Quernheim. Ihre Hebamme werde zwar zu ihr nach Hause kommen, allerdings müssen sich ihr Mann und ihr Sohn dann auf einer anderen Etage oder draußen aufhalten.

So lange die Einschränkungen bei den Kontakten gelten, wird sich Familie Schröder selbstverständlich daran halten. „Die ersten 14 Tage zu Hause möchten wir sowieso keinen Besuch“, erklärt die 37-Jährige. Natürlich wollen Großeltern und Freunde den Nachwuchs sehen. „Das ist ja kein Problem dank Fotos oder Videoanrufen per WhatsApp“, findet die zweifache Mutter.

Schwangere gefährdet?

Wie die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe bestätigt, gibt es bisher keine Daten darüber, dass Schwangere, die an Covid-19 erkrankt sind, schwerer oder anders betroffen sind als Nicht-Schwangere. „Auch bei einer Infektion sind die Krankheitsverläufe nicht schwerer als bei anderen Patienten“, sagt Prof. Dr. Philipp Soergel

Es sei wahrscheinlich, dass das Virus nicht über den Mutterkuchen, also die Plazenta, auf das ungeborene Kinder übertragen werde. Auch durch die Muttermilch werde das Virus nicht übertragen, so Dr. Albert Neff, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Lübbecke.

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