Corona-Hilfe Herford/Hiddenhausen: mehr als 100 Freiwillige für Risikogruppen im Einsatz Von Einkaufen bis Gassi-Service

Herford/Hiddenhausen (WB). Wenn die Lage ernst wird, dann rücken die Ehrenamtlichen und Freiwilligen im Kreis dichter zusammen. Quarantäne wegen Corona, aber nichts mehr im Kühlschrank? Der Hund muss Gassi geführt werden, weil Herrchen und Frauchen das Haus aktuell nicht verlassen dürfen? In Fällen wie diesen unterstützt die Corona-Hilfe Herford/Hiddenhausen. Inzwischen haben sich mehr als 100 Bürger bereit erklärt, sich für andere zu engagieren. Und auch in den anderen Kommunen haben sich mittlerweile ähnliche Gruppierungen gegründet.

Von Kathrin Weege
Hussien Khedr (links) und Adrian Möller organisieren die Corona-Hilfe Herford/Hiddenhausen. Hinter ihnen steht ein XXL-Team aus Freiwilligen. Eines gilt zur Sicherheit aller immer: ausreichend Abstand wahren. Das zeigen die beiden hier.
Hussien Khedr (links) und Adrian Möller organisieren die Corona-Hilfe Herford/Hiddenhausen. Hinter ihnen steht ein XXL-Team aus Freiwilligen. Eines gilt zur Sicherheit aller immer: ausreichend Abstand wahren. Das zeigen die beiden hier. Foto: Kathrin Weege

„Wir haben mit der Organisation zeitig begonnen, um vorbereitet zu sein, wenn die Fallzahlen steigen sollten“, sagt Adrian Möller, der für den Bereich Herford die Fäden in der Hand hält. Für Hiddenhausen engagiert sich unter anderem Hussien Khedr.

WhatsApp-Gruppen

Koordiniert wird der Einsatz über WhatsApp-Gruppen. Nach einem Anruf über die Hotline stellen die für die jeweiligen Kommunen Verantwortlichen die Anfrage in die Gruppe. „Es dauert nicht lange, dann erklärt sich der erste bereit, beispielsweise einen Einkauf zu übernehmen“, erzählt Möller, der sich als Presbyter bei der Petrigemeinde engagiert und beim Diakonischen Werk arbeitet.

Einkauf wird vor die Tür gestellt

Es wird eine Einkaufsliste erstellt, dann geht der Freiwillige – es sind meist die, die in der Nähe der um Hilfe bittenden Person wohnen – zum Supermarkt. „Der Einkauf wird vor die Tür gestellt, das Geld sollte dort deponiert werden“, sagt Möller. Da nicht gewechselt werden könne, müsse man sich auf einen runden Betrag einigen. „Die Ehrenamtlichen dürfen sich aber nicht bereichern. Bleibt etwas übrig oder möchte jemand Trinkgeld geben, dann kommt dieses Geld dem Verein Karlsson zugute“, erklärt Möller.

Etwa 40 Einkäufer gibt es in Herford, in Hiddenhausen sind es 60. „Bei einer Sechs-Tage-Woche können wir bis zu 270 Einkäufe schaffen“, schätzt Möller. Wichtig sei es aber, dass sich auch die Ehrenamtlichen nicht überfordern.

Der Einkaufservice ist längst nicht alles, was die Corona-Hilfe anbietet. „Wir übernehmen kleinere Besorgungen aus Apotheken und bieten eine Telefonhotline an“, sagt Möller. Zwar säßen dort keine speziell geschulten Personen am anderen Ende. „Es geht vielmehr darum, ein offenes Ohr zu haben“, sagt Möller. Das Angebot richtet sich auch an ältere Bürger, die vielleicht einsam sind und jemandem zum Reden brauchen. Die Hotline ist tagsüber besetzt, nachts nimmt ein Anrufbeantworter die Anliegen auf, und es wird zurückgerufen.

Zudem bietet die Corona-Hilfe einen Gassi-Geh-Service an, eine Tiertafel sowie warme Mahlzeiten, die von Ehrenamtlichen an Bedürftige ausgefahren werden. Hier sind diverse Kooperationspartner mit im Boot.

Ursprung der Aktion

Ihren Ursprung hat die Gruppe eigentlich in Hiddenhausen. 2016 – im Rahmen der Flüchtlingswelle – hatte sich ein dichtes Netz aus Ehrenamtlichen gebildet. Nachdem die Arbeit in diesem Bereich nicht mehr so dringlich war, schlummerte es. „Jetzt konnte es problemlos wieder aktiviert werden. So etwas ist beispielhaft“, meint Adrian Möller. Es wäre toll, wenn solch ein Netzwerk auch auf andere Kommunen übertragbar sei. Angestoßen hatte Hussien Khedr 2016 dieses Netz.

„Ich bin selber 2011 aus Ägypten nach Deutschland gekommen. Ich weiß genau, wie es ist, wenn man Hilfebenötigt“, sagt er. Er habe diese Hilfe damals erfahren und wollte selber etwas zurückgeben davon. „Wir haben einen Arbeitskreis für die Flüchtlingshilfe mit etwa 140 Unterstützern eingerichtet – koordiniert von einem Verantwortlichen. Ein Hauptamtlicher von der Jugendhilfe Schweicheln unterstützte uns. Das ist bei der Corona-Hilfe wieder der Fall“, erklärt Khedr, der eng mit Olaf Craney zusammenarbeitet.

Kontakt

Menschen aus Herford und Hiddenhausen können sich für Hiddenhausen unter 05221/6936902 oder 0152/09080540 melden; für Herford unter 05221/6936901 oder 01511/8564594. Weitere Infos gibt’s hier!

Kommentar

Weil sie gerade mehr Zeit haben, weil die eigene Arbeit wegfällt, weil sie der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen oder weil sie „einfach Bock drauf haben“: Die Gründe, warum sich so viele während der Corona-Krise engagieren, sind vielseitig. Es ist einfach toll, was in den Kommunen nun auf die Beine gestellt wird, um den Menschen aus den Risikogruppen zu helfen.

Natürlich ist zu hoffen, dass sich die Lage bald endlich entspannt. Aber vielleicht hat die Situation auch etwas Gutes: Die Menschen stehen wieder mehr füreinander ein. Es wäre schön, wenn das auch in die „Zeit nach Corona“ mitgenommen werden könnte.

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