Corona-Jahrgänge wissen nicht einmal, ob sie noch geprüft werden
Das Abi hängt vom Virus ab

Herford (WB). Das Abi kommt, das Abi kommt nicht, das Abi kommt, seit Montag kommt es wieder nicht. Die 322 Abitur-Anwärter der Herforder Gymnasien und der Gesamtschule können es sich derzeit aussuchen, ob sie für die wichtigste Prüfung ihrer Schullaufbahn lernen oder ob sie es darauf ankommen lassen.

Mittwoch, 08.04.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 10:48 Uhr
Die Vier des Corona-Jahrgangs am FGH wissen auch, dass es Schlimmeres gibt als ausgefallene Feiern. Doch das bisher freudlose, abrupte Ende ihrer Schullaufbahn macht Filine Dogan, Niklas Knop, Melissa Gritzan und Louis Rieke (von links) doch zu schaffen. Foto: Rechlin

Filine Dogan (18) vom Friedrichs-Gymnasium geht kein Risiko ein: „Falls uns die Wahl gelassen wird, ob wir das Abi ablegen oder nicht, würde ich auf jeden Fall antreten.“ Schon allein, um das mögliche Stigma eines „Corona-Abis“ zu vermeiden. Doch die Lernmotivation, das räumt sie ein, liege schon ziemlich am Boden.

Tränen in den Augen

Als an jenem Freitag die Schließung sämtlicher Schulen in NRW angeordnet worden sei, hätten manchen ihrer Mitschüler Tränen in den Augen gestanden. Stufenkollege Louis Rieke (17): „Es war schlagartig allen klar, dass es plötzlich der letzte reguläre Schultag unseres Lebens war. Der Tag, auf den wir alle seit zwölf Jahren hingearbeitet hatten.“ Mit dem abrupten Ende seien einige nur schlecht zurecht gekommen.

Der aktuelle Abi-Jahrgang am Friedrichs-Gymnasium hatte diesen einen Tag besonders akribisch vorbereitet. Die Schüler des vorausgegangenen Jahres hatten sie ermahnt, es nicht so nachlässig und unorganisiert anzugehen wie sie selbst. Melissa Gritzan (18): „Daran haben wir uns gehalten.“ T-Shirts, Sweatshirts und Kapuzenpullis mit dem Abi-Spruch „Abios Amigos“ und dem dazu gewählten Emblem seien schon im Sommer 2019 angefertigt worden.

Abiball abgesagt

In Bünde sei frühzeitig ein großer Saal für den Abiball am 20. Juni gebucht worden. Der Veranstalter habe von sich aus abgesagt. Daran festzuhalten, wäre sinnlos gewesen. „Mit den neuen Prüfungsterminen würden wir unsere Zeugnisse ohnehin erst am 26. Juni bekommen. Was sollten wir also eine Woche vorher feiern?“, fragt Niklas Knop (18).

Auch für den Chaostag, also den regulären letzten Tag der Schullaufbahn, habe es jede Menge toller Ideen gegeben. Sie blieben erst einmal nur im Gedächtnis, so wie das ungetragene Kleid für den Abiball im Schrank hängen bleibe.

Prüfung ist jetzt wichtig

Natürlich gebe es Schlimmeres, das wüssten auch die vier. Zum Beispiel die Ungewissheit, wie es nach dem Sommer weitergehe. Das Praktikum in Kirchlengern, die Reisen in die USA und nach Indonesien, das freiwillige soziale Jahr bei den Rettungssanitätern. Manches Studium erfordere einen Numerus Clausus, der nur mit bestandener Abiturprüfung erreichbar sei: „Darum ist es ja gerade so wichtig, dass sie auch angeboten wird.“

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