Herforderin Susanne Cardinal erzählt, was die Corona-Krise für ihre Arbeit bedeutet
Wenn Lebenstanz zu gefährlich wird

Herford (WB). All das, was ihre Arbeit ausmacht, ist im Moment verboten – gilt jetzt in der Corona-Krise sogar als gefährlich. Susanne Cardinal arbeitet als Tanzlehrerin. „Lebenstanz“ nennt sich ihr Angebot, das Menschen helfen soll, zu sich selber zu finden.

Dienstag, 07.04.2020, 15:00 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 07:50 Uhr
Bei ihren Tanzangeboten steht immer auch die Berührung im Fokus. In Zeiten von Corona genau das, was es zu vermeiden gilt. „Das macht mich sehr traurig, Aber natürlich halte ich mich an diese in der jetzigen Situation wichtigen Maßnahmen“, sagt die 55-Jährige.

„Dabei bleibt Körperkontakt natürlich nicht aus, er bildet sogar ein besonders wichtiges Element“, erklärt die gelernte Heilerziehungspflegerin, die in diesem Beruf allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann. Sie hat inzwischen ihre Leidenschaft, das Tanzen, zum Nebenerwerb gemacht.

Doch wie soll es weitergehen? Wie lange wird Corona die Hobbys der Bürger noch einschränken? „Natürlich macht man sich da auch existenzielle Gedanken, wenn meine Angebote nicht stattfinden können“, sagt die 55-Jährige. Sie sei aber in der glücklichen Lage unter anderem durch das Erbe ihres Elternhauses abgesichert zu sein. Für ihren Kurs, der alle 14 Tage bei Komet, Logenplatz 8 in Herford, stattfindet, muss sie nur Miete zahlen, wenn sie den Raum auch wirklich nutze.

Cardinals Lebenstanz ist angelehnt an „Biodanza – Tanz des Leben nach dem System von Rolando Toro“. Sie selber tanzt nach dem Prinzip seit 2007. „Damals wurde die Leidenschaft, mein Leben zu tanzen und vor allem damit den Menschen zu begegnen, neu in mir geweckt“, so die Herforderin.

Den Körper akzeptieren

Bei Cardinal gibt es die Möglichkeit, bei sanfter Musik in einem harmonisch gestalteten Raum den zaghaften „Lebenstanz” in sich zu spüren. „2010 hat mich das Snoezelen in einer Fortbildung für meine Arbeit mit Menschen mit Behinderung fasziniert und 2012 begann ich auch das in mein Angebot aufzunehmen“, so Cardinal. Snoezelen ist ein multifunktionales Konzept aus den Niederlanden, das Sinnesempfindungen auslöst.

Cardinals Angebot richtet sich unter anderem auch an Menschen, die das eine oder andere Kilo zuviel haben. In den Kursen lernen sie, ihren Körper zu akzeptieren und lieben. „Ich selber bin eine etwas mollige Frau, wurde als Kind viel gehänselt. Der Lebenstanz hat mir geholfen, dass ich mich gerne bewege, mich akzeptiere und schön finde. Dabei möchte ich auch anderen helfen“, erklärt die Tanzlehrerin.

„Wenn das alles mit Corona hier einmal durchgestanden ist, dann mache ich ein großes Fest mit meinen Tanzschülern und der Nachbarschaft. „Ich freue mich auf den Moment, wenn wir uns alle wieder die Hand reichen können – zur Begrüßung und bei meinem Tanzangebot“, blickt Susanne Cardinal optimistisch in die Zukunft.

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