Wie der Lockhauser Philip Meier mit acht Tagen Verspätung aus Panama zurückkommt
Surfer strandet in spontaner WG

Herford (WB). Strahlende Sonne, mehr als 30 Grad, Partys und paradiesische Hotspots zum Surfen. Darauf hatte sich der Lockhauser Philip Meier vor seinem ersten Panama-Urlaub gefreut. Doch nach zehn Tagen war es damit abrupt vorbei. Corona hat auch das mittelamerikanische Land im Pazifik fest im Griff. Erst eine Woche später als geplant kehrte der 31-Jährige unter teils abenteuerlichen Bedingungen zurück in seine Wahlheimat Berlin – und verordnete sich freiwillig erst mal zwei Wochen Quarantäne.

Dienstag, 07.04.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 07.04.2020, 08:20 Uhr
Abwarten und Pizza essen: In der spontan gegründeten Wohngemeinschaft verpflegen sich Philip Meier (31) und seine Mitbewohner selbst. Die zwei Männer und drei Frauen verbringen dort einige Tage, bis sie aus Deutschland zurückgeholt werden. Foto: privat

„Auf dem Rückflug nach Frankfurt fehlten Masken und Infektionsmittel. Und als wir wieder in Deutschland waren, gab es keine Kontrollen“, begründet er seine Vorsichtsmaßnahme. Bis zum 10. April bleibt er in der Wohnung.

Meier, der in Herford die Ernst-Barlach-Realschule und das Friedrichs-Gymnasium besucht hat, lebt seit viereinhalb Jahren in Berlin. Beim Software-Hersteller „Magix“ hat er seinen Weg gemacht. „Ich wollte raus aus der Heimat, was erleben“, sagt Meier. So wie jetzt in Panama.

Spaß vorbei

Bei seiner ersten Station am Playa Venao war noch alles wie erträumt. Weiter ging’s auf die Insel Bocas del Toro, aber nach drei Tagen war dort der Spaß vorbei. „Wegen Corona wurden Partys verboten und eine Ausgangssperre verhängt“, berichtet der Arminia-Bielefeld-Anhänger, der weiter zur Nachbarinsel Bastimento zog. „Es ging dann alles Schlag auf Schlag. Das Militär hat im Hostel kontrolliert und das Auswärtige Amt hat empfohlen, schnell nach Panama City zu kommen“, berichtet Philip Meier.

Gemeinsam mit vier weiteren deutschen Touristen erwischte er schließlich am 21. März ein Wassertaxi zum Festland und gelangte nach einer acht Stunden langen, nächtlichen Busfahrt ans Ziel – zwei Tage nach dem eigentlichen Rückflugtermin. „Vor dem Einsteigen wurde bei allen Fieber gemessen“, erinnert sich Philip Meier.

Genug Toilettenpapier

Die Gruppe blieb zusammen, fand eine private Wohnung und harrte der Dinge, die da kommen würden. Glück im Unglück für die beiden Männer und drei Frauen: Direkt über ihnen wohnte ein EU-Mitarbeiter. Meier: „Der hat uns mit Informationen versorgt und bei der Organisation des Rückflugs unterstützt.“

Fünf Tage verbrachten die Surfer bei bestem Wetter in der Hauptstadt, wegen der strengen Auflagen stand meistens Sonnenbaden und gemeinsames Kochen auf dem Programm. „Wir haben uns sogar mit Yoga vor dem Fernseher die Zeit vertrieben. Ich hatte mein Firmenlaptop mit und habe etwas gearbeitet“, sagt Meier.

Alle zusammen durften nicht einkaufen gehen, das wurde streng kontrolliert. Immerhin gab es genug Toilettenpapier. Inzwischen dürfen in Panama täglich abwechselnd und zu bestimmten Zeiten Männer und Frauen nur noch getrennt auf die Straßen.

Keine Lust mehr

„Irgendwann ist dann mal der Punkt erreicht, wo du keine Lust mehr hast. Zum Beispiel als internationale Flüge nicht mehr möglich waren“, sagt Meier. Dann aber klappte es doch noch. Mit achttägiger Verspätung kehrte er dank der Rückholaktion des Auswärtigen Amts in einem voll besetzten Flugzeug zurück.

Dass er dafür eventuell einen Teil der Rechnung übernehmen muss, ist ihm nicht wichtig. Auch wenn Meier auf dieses Abenteuer gerne verzichtet hätte, steht fest: „Ich komme noch mal nach Panama!” Vielleicht ja mit dem einen oder anderen WG-Mitbewohner. Zwei leben praktischerweise quasi bei ihm um die Ecke. Ein Wiedersehen ist schon geplant: „Wir wollen uns in jedem Fall treffen.“

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