Junger Einsatzstab des DRK organisiert Arbeit an zentraler Abstrichstelle Bei Nachlässigkeit droht Infektion

Herford (WB). Der Schweinegrippe sei Dank. Weil der Kreis Herford vor elf Jahren ausreichend Schutzkleidung, Desinfektionsmittel, Handschuhe und Schutzmasken angeschafft hatte, stand zur Ausrüstung der zentralen Abstrichstelle am H2O genug Material zur Verfügung.

Von Stephan Rechlin
Den Einsatzstab des DRK bilden unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes von unten nach oben: Ralf Hoffmann, Philipp Berg, Melissa Gritzan, Niko Dürrkopp und Leon Gamrath.
Den Einsatzstab des DRK bilden unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes von unten nach oben: Ralf Hoffmann, Philipp Berg, Melissa Gritzan, Niko Dürrkopp und Leon Gamrath. Foto: Rechlin

„Wir stellen an der Wiesenstraße ein Zelt auf, in das die Leute hineinfahren, sich testen lassen und wieder hinausfahren können“ – so mutig und entschlossen können Pressemitteilungen nur formuliert werden, weil das Deutsche Rote Kreuz (DRK) die dahinter steckende Arbeit übernimmt. Wer streicht denn ab? Wer kontrolliert, ob überhaupt eine Überweisung vom Hausarzt vorliegt? Wer nimmt die Krankenkassenkarten entgegen, desinfiziert sie und liest sie ein? Wer sorgt dafür, dass die Proben mit dem richtigen Namen und Adresse zum Labor Krone nach Bad Salzuflen gelangen? Sind die Mitarbeiter der Abstrichstelle ausreichend geschützt? Wer springt ihnen bei, falls es Ärger gibt? Bekommen sie während ihres Einsatzes was zu essen und zu trinken? Und wer gibt den Patienten die Krankenkassenkarten zurück?

Krisenstab und Einsatzstab

Ralf Hoffmann, Kreisgeschäftsführer des DRK: „Um diese Fragen beantworten zu können, haben wir einen Krisenstab gegründet.“ Niko Dürrkopp, ehrenamtlicher Mitarbeiter: „Das heißt Einsatzstab. Wir haben einen Einsatzstab gegründet.“ Ralf Hoffmann: „Ja, natürlich. Einsatzstab.“ Das Besondere an diesem Einsatzstab ist dessen Durchschnittsalter. Mit gerade einmal 21,75 Jahren haben Melissa Gritzan, Leon Gamrath, Philipp Berg und Niko Dürrkopp den zentralen Einsatzort der schlimmsten Pandemie im Kreis Herford seit der Spanischen Grippe von 1918 gemanagt.

Jeder Einsatztag war mit acht Leuten zu besetzen. Bei 18 Einsatztagen seit dem 17. März erforderte das die Koordination von 144 ehrenamtlichen Helfern aus dem gesamten Kreis Herford. Die Kernzeit pro Einsatz lag zwischen 10 und 16 Uhr, davor und danach wurde auf- und abgebaut. „Also gut sieben Stunden pro Tag“, sagt Leon Gamrath.

Raum wird strikt keimfrei gehalten

Der Einsatzstab stellte seine Laptops im DRK-Kreisheim an der Wittekindstraße auf. Der Raum dort wird strikt keimfrei gehalten, für den Fall, dass die Infektionszahlen noch explodieren sollten. Hoffmann: „Darum haben wir den Blutspendetermin in die Kita Kunterbunt verlegt.“ Eine Kontaktperson informierte den Stab regelmäßig über die Situation vor Ort; ein weiterer Fachberater hielt den Kontakt zum Corona-Krisenstab des Kreises.

Hygienevorschriften überwacht

Mehrmals am Tag wurde die Einhaltung der Hygienevorschriften überwacht. Niko Dürrkopp: „An der Abstrichstelle treffen wir unausweichlich auf infizierte Menschen. Wir durften uns also nicht die geringste Nachlässigkeit erlauben.“ Zur Überwachung zählte, den in der H2O-Sauna eingelagerten Schutzausrüstungsbestand im Auge zu behalten und rechtzeitig neues Material anzufordern, falls erforderlich. Dazu zählte auch Seife. Schließlich war noch ein Mitarbeiter für die Öffentlichkeitsarbeit abzustellen.

Das von Philipp Berg geführte Einsatztagebuch verzeichnet nicht nur den Zusammenbruch eines Hausarztes, der anschließend an den Folgen eines Herzinfarktes verstarb. Auch ein Sicherheitsbeamter brach zusammen und war notärztlich zu versorgen. Melissa Gritzan: „Das hatte aber nichts mit einer Corona-Infektion zu tun. Das Sicherheitspersonal stand weit vom Zelt ab und hätte nur eingreifen müssen, falls es mit Patienten oder anderen Personen zu Auseinandersetzungen gekommen wäre.“ So einen Vorfall habe es aber nicht gegeben.

Ohne Überweisung

Was unter anderem auf Geduld und gesundem Menschenverstand der eingesetzten DRK-Helfer zurückzuführen ist. Falls jemand ohne Überweisung vorfuhr, hieß das nicht zwangsläufig, dass er keine hatte. Gritzan: „Manchmal waren die Hausärzte einfach noch nicht dazu gekommen, uns über die Ankunft ihres Patienten zu informieren. Dann waren die Leute noch vor dem Fax aus der Praxis bei uns am Zelt.“ Die Zahl der Bürger, die tatsächlich ohne Überweisung vorgefahren waren, nahm nach zwei Tagen vollständig ab.

Das Abstrichzelt bleibt zunächst einmal stehen, sicher ist sicher. Allerdings müssen dort vorerst keine Dienste mehr koordiniert werden, das neue Akutzentrum an der Oststraße wird von der Kassenärztlichen Vereinigung in Eigenregie betrieben. Die Erfahrungen aus der Organisation der zentralen Abstrichstelle strahlen auf andere Einsatzgebiete des DRK ab. Ralf Hoffmann: „In unseren Kindergärten haben wir jetzt auch separate Ein- und Ausgänge eingerichtet, so wie am Zelt. Auf diese Weise vermeiden wir dort Begegnungsverkehr.“

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