Teilnahme an Prüfungen oder Durchschnittsabi: zwei Gymnasiasten starten Petition „Schüler sollen selber entscheiden”

Herford (WB). Ungerecht und gefährlich finden Thekla Koranashvili und Colin Wilke den Beschluss des NRW-Schulministeriums, die Abiturprüfungen im Mai trotz Corona-Krise für alle verbindlich durchziehen zu wollen. Die beiden Schüler aus der Q2 des Friedrichs-Gymnasiums Herford haben deshalb eine Online-Petition auf den Weg gebracht, bei der bereits 426 Unterschriften eingegangen sind.

Von Kathrin Weege
Thekla Koranashvili (18) und Colin Wilke (19) sind gegen verpflichtende Abi-Prüfungen im Mai. Sie wollen, dass die Schüler selber zwischen der Teilnahme und dem Durchschnittsabitur entscheiden können. Daher haben sie eine Online-Petition auf den Weg gebracht. Sie hoffen auf möglichst viele Unterstützer.
Thekla Koranashvili (18) und Colin Wilke (19) sind gegen verpflichtende Abi-Prüfungen im Mai. Sie wollen, dass die Schüler selber zwischen der Teilnahme und dem Durchschnittsabitur entscheiden können. Daher haben sie eine Online-Petition auf den Weg gebracht. Sie hoffen auf möglichst viele Unterstützer.

„Wir halten die Entscheidung des Ministeriums für falsch. Wir sind der Ansicht, dass den Schülern ihr fundamentales Grundrecht auf körperliche Gesundheit und Selbstbestimmung verweigert wird. Wir fordern Entscheidungsfreiheit für die Schüler. Sie sollen die Wahl zwischen einem ‚Durchschnittsabitur‘ und der Teilnahme an den Abiturprüfungen bekommen“, bringt es die 18-Jährige auf den Punkt.

Enorme Belastung

Durchschnittsabitur bedeutet: Alle Zensuren der vergangenen zwei Jahre werden zu einer Durchschnittsnote zusammengerechnet. Eigentlich machen diese Noten nur zwei Drittel des Abis aus, das letzte Drittel ergibt sich aus den eigentlichen Abschlussprüfungen.

Die Prüfungen in Zeiten von Corona bedeuteten so schon eine enorme Belastung bei den jungen Menschen. Die Krise sorge dafür, dass eine ausreichende Abiturvorbereitung in keiner Weise gewährleistet sei, was jeglichen Werten der Chancengleichheit und Fairness widerspreche, so die beiden Schüler.

Großes Risiko bei Prüfungen

In der Petition heißt es: „Durch die Corona-Krise und die Entscheidungen der Kultusministerkonferenz sind die Schüler dazu gezwungen, sowohl ihre Abiturvorbereitung als auch ihre Abiturprüfungen unter der Belastung von enormem psychischen Druck, außerdem aufrichtigen Sorgen und Ängsten anzugehen.“

Mit einem Beispiel anhand ihrer Stufe zeigen die beiden FGHler auf, wie groß das Risiko ist, das von den Prüfungen ausgeht. „In unserer Stufe sind 83 Schüler, neun davon gehören selber zur Risikogruppe, 45 haben jemanden aus einer Risikogruppe im gemeinsamen Haushalt“, sagt Koranashvili. Man könne das Infektionsrisiko während der Prüfungen, wie es das Ministerium behaupte, nicht annähernd gen Null senken, sind sich die beiden sicher. „Das beginnt doch schon mit dem Schulweg!“

Beide Entscheidungen nachvollziehbar

Für Thekla Koranashvili sind beide Entscheidungen – Prüfung oder Durchschnittsabi – nachvollziehbar. Es gebe Schüler, die zwingend auf eine Verbesserung ihres Notenschnitts angewiesen seien. Sie selber wird aller Voraussicht nach an den Prüfungen teilnehmen. „Ich fühle mich dabei allerdings unfassbar schlecht. Zudem ist es absolut unfair im Vergleich zu den Vorjahren“, findet sie. Ihr Mitstreiter Colin Wilke weiß bereits, dass er nicht an den Prüfungen teilnehmen wird. „In seinem Haushalt lebt eine Person aus der Risikogruppe – da will er einfach verständlicherweise nichts riskieren“, erzählt seine 18-jährige Mitschülerin.

Ziel der FGHler ist es nicht in erster Linie, möglichst viele Unterschriften zu sammeln. „Wir möchten in den Medien und sozialen Netzwerken präsent sein und so Druck auf das NRW-Kultusministerium machen“, sagt Thekla Koranashvili. Wichtig sei es, die Petition zu unterschreiben und nicht zu vergessen, die Unterschrift per E-Mail zu bestätigen. „Es wäre toll, wenn möglichst viele den Link beispielsweise via WhatsApp weiter teilen. Wegen der Corona-Krise haben wir momentan ja nicht die Möglichkeit, zu demonstrieren und unser Vorhaben so publik zu machen “, erklärt die Schülerin weiter.

Hier ist die Petition zu finden.

Kommentar

Das ist mal ein Vorstoß, der Sinn macht. Die Schüler entscheiden selber, ob sie an den Prüfungen teilnehmen oder ein Durchschnittsabitur ablegen wollen. In Bochum beispielsweise haben Schüler auch eine Petition angeschoben: Sie wünschen sich das Durchschnittsabi für alle. Aber es gibt eben durchaus Kandidaten, bei denen eine Nachkomma-Stelle noch über die Zulassung zum gewünschten Studiengang und somit über die Zukunft des Einzelnen entscheidet. Für diese Schüler sind die Prüfungen sehr wichtig. Es ist eine gute Idee, nicht über die Köpfe der Schüler hinweg zu entscheiden, sondern sie in dieser Sache individuell vorgehen zu lassen.

Kommentare

Die Forderungen der Schüler finde ich sehr bedenklich, da sie scheinbar nicht verstanden haben, dass sie sich nicht nur selbst damit schaden sondern auch die Mitschüler ihrer Stufe.

Es wird dann immer der verschriene Abijahrgang sein, der sich um die Prüfung drücken wollte, wenngleich einige die Prüfungen gemacht haben werden. Sollte den Schülern die Auswahl gelassen werden, sollte auf dem Zeugnis klar vermerkt sein, dass der Schüler sein Abitur OHNE Abschlussprüfung erhalten hat. Das zeigt nämlich auch späteren Arbeitgebern, wie der mögliche neue Mitarbeiter bzgl. des Arbeitsverhaltens eingestellt ist.

Ich stelle mir auch die Frage, wieso es ein Problem sein sollte, einfach max. 4 Personen pro Prüfungsraum zuzulassen. Ausreichend Abstand ist vorhanden, alle Tische desinfiziert und schon gibt es keinerlei Probleme.

Findeich eine super gute Idee

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