Die Herforderin Regina Oberschelp lebt auf einer Azoreninsel – Nachbarn übernehmen in Corona-Zeiten die soziale Kontrolle Abgeschnitten im Atlantik

Herford/Terceira (WB). Ei­gentlich hatte Gabriel de Meneses, Bürgermeister von Angra do Heroismo, Hauptstadt der Azoreninsel Terceira, und weiterer Gemeinden, noch gehofft, die neun portugiesischen Inseln mitten im Atlantik (rund 250.000 Einwohner) frei vom Corona-Virus halten zu können.

Von Burgit Hörttrich
Gabriel de Meneses mit seiner Frau Regina Oberschelp-de Meneses, die aus Herford stammt und auf der Azoreninsel Terceira lebt.
Gabriel de Meneses mit seiner Frau Regina Oberschelp-de Meneses, die aus Herford stammt und auf der Azoreninsel Terceira lebt.

Inzwischen aber gibt es 47 Infizierte, alle mit nur leichten Symptomen. „Importiert“ hat den Virus eine Reisegruppe von der Insel S. Jorge, die eine Kreuzfahrt nach Dubai unternommen hatte. Grundsätzlich alle Rückkehrer auf die Inseln mussten nach Ausbruch des Virus auch in Portugal umgehend in häusliche Quarantäne – ob sie nun Symptome hatten oder nicht. Gabriel de Meneses Frau Regina Oberschelp-de Meneses stammt aus Herford, arbeitet als Lehrerin in dem Inselort Biscoitos. Die Schulen auf den Azoren sind seit zwei Wochen geschlossen. Regina Oberschelp-de Meneses versucht, ihre Schüler mit Lernmaterial online zu versorgen.

Lehrerin bringt Lernmaterial vorbei

Problem: Obwohl die Insel ein gut ausgebautes Wlan-Netz hat, gibt es einige Bewohner, die Internet für „modernen Kram“ halten, den man auf Terceira nicht braucht, wenn man als Fischer oder Landwirt arbeitet. Die Folge: Die Lehrerin bringt das Lernmaterial persönlich vorbei. Noch geht das, obwohl auch auf Terceira alle Geschäfte bis auf Supermärkte, die Post und Apotheken geschlossen sind. Es gibt eine Ausgangsbeschränkung, die bis 30. April verlängert wurde und nicht nur der Kontrolle der Ordnungsbehörden, sondern vor allem der wachsamen Nachbarschaft unterliegt.

Die Insel-Fluglinie Sata hat die Flüge eingestellt, Fähren verkehren nur in den Sommermonaten. Per Hubschrauber angeflogen wird in Notfällen nur das Krankenhaus auf Terceira und das auf der Hauptinsel S. Miguel. Für diese beiden Inseln gelten vergleichsweise strengere Vorsichtsmaßnahmen – eben wegen der Krankenhäuser dort. Auf vier Inseln (Corvo, Flores, Santa Maria und Graciosa) gibt es noch keine Einschränkungen, abgesehen von ebenfalls geschlossenen Schulen.

Ausflugsziele gesperrt

Bürgermeister de Meneses steht dem Stadtbürgerrat vor, der sich bei allen Maßnahmen zwar mit der Regierung in Lissabon abstimmt, die Inseln handeln aber autonom. De Meneses hat bereits den Zugang zu Ausflugszielen wie dem Monte Brasil, der Uferpromenade in Angra und dem Stadtpark für Besucher sperren lassen, um Zusammenkünfte zu verhindern.

Längst ist Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftszweig auf den Azoren geworden. Die Inseln zählen pro Jahr 1,9 Millionen Übernachtungen, wollen aber keinesfalls Massentourismus anziehen. Wann und ob überhaupt in diesem Jahr die Insel-Flughäfen wieder angesteuert werden, Hotels und Restaurants öffnen dürfen – unklar.

Inzwischen hat Gabriel de Meneses auch das Hauptfest auf Terciera, „Sanjoaninas“ zu Ehren des Schutzheiligen Sao Joao, abgesagt. Gefeiert wird an zehn Tagen im Juni mit Prozessionen und Umzügen. An diesen zehn Tagen kommen Verwandte auf die Insel, es gibt kein Hotelzimmer mehr, keinen Platz in Restaurants. Eigentlich. Regina und Gabriel de Meneses bedauern außerdem, dass die Hochzeit ihrer Tochter, die im Mai auf Terceira mit Gästen aus vielen Ländern gefeiert werden sollte, verschoben werden muss – bis in den Oktober. Auch das Brautpaar selbst hätte nicht kommen können: Es lebt nicht auf den Azoren.

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