Mann aus Spenge war im Vollrausch – Kinder fallen 2,80 Meter in die Tiefe
Bewährungsstrafe im Fenstersturz-Prozess

Spenge/Herford (WB). Der Vater, der in der Silvesternacht 2017/18 seine Söhne veranlasst haben soll, aus dem Fenster seiner Wohnung im Spenger Lönsweg zu springen, ist am Freitag zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt worden. Das Gericht ging von einem fahrlässigen Vollrausch aus, in dessen Folge es zu einer gefährlichen Körperverletzung kam.

Freitag, 06.03.2020, 20:29 Uhr aktualisiert: 06.03.2020, 20:32 Uhr
Aus dem zweiten Obergeschoss dieses Hauses am Lönsweg sprangen die Kinder in der Silvesternacht 2017/18. Foto: Daniel Salmon

Laut Gutachten erlitt der damals neunjährige Sohn durch den Sturz aus 2,80 Metern Höhe – zuvor war er über die Dachschräge gerutscht – ein offenes Schädel-Hirn- und ein Brusttrauma und diverse Brüche an Gesicht und Arm. Der Jüngere (6) landete auf seinem Bruder. Er hatte Schädel- und Beckenprellungen. Körperlich erlitten beide keine bleibenden Schäden.

Der Angeklagte (42) verfolgte mit ernstem Blick und teilweise geschlossenen Augen die Verhandlung vor dem Schöffengericht im Herforder Amtsgericht, bei der sechs Zeugen das Geschehen schilderten. Er selbst konnte wenig Erhellendes beitragen, da er einen Filmriss habe. Seine geschiedene Frau verweigerte die Aussage. Die Jungen sagten auf Anraten des Kinderpflegers nicht aus.

Fünf bis sieben Glas Whisky

So blieb der Tathergang weiter im Dunklen. Klar ist, dass der Angeklagte mit seinen Kindern an einer Silvesterparty in der Poststraße teilnahm. Die Kinder waren mit denen der Gastgeberin befreundet. Der Vater, der zugab zuvor fünf bis sieben Gläser Whisky getrunken zu haben, habe weiter getrunken.

Die Stimmung war nach Aussage der Gastgeberin gut, bis es zum Streit kam. Dabei ging es um die Musikauswahl ihres größeren Sohnes (16). „Der Angeklagte wurde plötzlich aggressiv und ich befürchtete, dass er handgreiflich werden würde. Da habe ich ihn nach Hause geschickt“, berichtete sie. Die 38-Jährige bot ihm an, seine Kinder könnten bei ihr übernachten, was er aber nicht wollte. Daraufhin begleitete sie die drei zur Wohnung. Der Vater sei so betrunken gewesen, dass er schwankte, sein älterer Sohn habe ihm helfen müssen, die Wohnung aufzuschließen. Als sie die Kinder wiedersah, waren sie bereits aus dem Fenster gestürzt.

Eine Freundin der Gastgeberin kümmerte sich danach um den jüngeren Sohn: „Er hat gewinselt und geweint und erzählt, sein Vater habe gesagt, sie sollten darunter springen, sonst würde er sie schubsen.“ Daraufhin seien die Jungen aus dem Fenster gesprungen. „Wir wissen nicht, ob Sie wirklich gemeint haben, sie sollten aus dem Fenster springen, aber die Kinder haben es so verstanden“, sagte Richterin Alea Blöbaum zum Angeklagten.

Ein Nachbar, der den Vater aus der Wohnung nach unten holte, sagte, er habe alkoholisiert und verschlafen gewirkt und geweint, als er die Söhne gesehen habe. Wie sich herausstellte, hatte er um 2.35 Uhr noch 2,86 Promille Alkohol im Blut, zur Tatzeit also über 3 Promille. Er habe seit zwei Jahren regelmäßig Alkohol getrunken, teilweise eine Flasche Whisky, gab er zu.

Gutachter attestieren Schuldunfähigkeit

Der Gutachter attestierte ihm Schuldunfähigkeit, weswegen der 42-Jährige nicht wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung belangt werden konnte. Fraglich war, ob es sich um einen vorsätzlichen Vollrausch oder einen fahrlässigen handelte. Staatsanwalt Christoph Mackel ging davon aus, dass der Angeklagte sich hätte bewusst sein müssen, dass er sich als Aufsichtsperson der Kinder nicht betrinken durfte und forderte zwei Jahre und drei Monate Haft. Anwalt Dr. Carsten Ernst hingegen plädierte auf Freispruch.

Richterin Blöbaum ging ihrerseits von einem fahrlässigen Vollrausch aus und erteilte wegen der positiven Sozialprognose – der Zimmerer ist in Therapie, seit über einem Jahr trocken, nicht vorbestraft und hat einen festen Job – eine Strafe von 20 Monaten, die sie für drei Jahre zur Bewährung aussetzte. Die Kinder, die bei seiner Ex-Frau leben, darf er alle zwei Wochen für einen Tag bei sich haben.

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