Veterinäramt hat Probleme, Tiere unterzubringen – Kreis legt Förderung auf
Auch Pitbulls brauchen Hilfe

Herford (WB). Der Kreis Herford hat zunehmend Probleme, von Haltern weggenommene Tiere unterzubringen. „Es wird deutlich schwieriger“, sagt Landrat Jürgen Müller. Deshalb werden die drei Tierheime im Wittekindsland jetzt mit einer erstmalig aufgelegten Finanzhilfe unterstützt.

Freitag, 06.03.2020, 08:00 Uhr

Die Initiative hat Müller selbst angestoßen. Je 5.000 Euro erhalten die Heime in Herford, Vlotho und Bünde. Keine gewaltige Summe, aber letztlich auch ein „Dank an den unermüdlichen Einsatz zum Wohle der Tiere“, erläutert Müller. Denn das zuständige Kreisveterinäramt ist auf die Arbeit der Auffangstationen angewiesen. „Ja, es gibt mehr Problemfälle als früher, auch aus Haushalten, in denen keine Tiere sein sollten“, erläutert Müller. Verstöße bei der Haltung, Überforderung, Verwahrlosung – die Gründe sind vielfältig. In solchen Fällen schreitet die Behörde ein.

Doch wohin mit Hund, Katze und Co.? „Ohne die Tierheime geht es nicht“, betont der Landrat. Die bekommen dann für jede Unterbringung eine Pauschale. Nachdem er bereits das Tierheim Bünde-Ahle besucht hatte, schaute er nun beim Verein Bullterrier in Not an der Bielefelder Straße vorbei, um sich erstmals ein Bild von der Arbeit des dort seit 25 Jahre ansässigen Vereins zu machen.

Hohe Arztkosten

Der ist auf die Aufnahme von Bullterriern, Staffordshire-Terriern und Pitbulls sowie Mischlingen dieser Rassen spezialisiert. 38 Vierbeiner bevölkern derzeit die Zwinger und Freilaufflächen des vier Hektar großen Geländes. „Wir kümmern uns bewusst um diese Hunde, da sie nicht den besten Ruf haben und entsprechend schwierig unterzubringen sind“, sagt Chefin Claudia Schürmann. Die studierte Biologin hat für ihr Engagement bereits das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Drei Vollzeitbeschäftigte, vier Teilzeitkräfte, zwei Azubis und viele Ehrenamtliche widmen sich den Hunden. Der Verein finanziert sich hauptsächlich aus Spenden. Er war deutschlandweit der erste, der sich ausschließlich um die als Problemhunde verschrieenen Rassen kümmerte. „Dabei sind das ganz liebe Tiere, wenn man sie richtig behandelt“, sagt Schatzmeister Armin Meier-Kühn, der 14 Jahre eine Bullterrierhündin gehalten hat. Die Arbeit der Hundehilfe ist kostenintensiv: „Allein an Tierarztkosten fallen monatlich 2000 bis 3000 Euro an.“ Zudem gilt es, viel Zeit zu investieren. „Das Wichtigste ist aber, dass die Hunde hier erst mal zur Ruhe kommen“, sagt Schürmann.

2000 Hunde vermittelt

Eine Tierheimbewohnerin ist Barbara. Die neun Jahre alte Bullterrier-Dame lebt seit zwei Jahren bei Schürmann und sucht ein neues Zuhause. Sie hat schon mehrere Besitzerwechsel hinter sich. „Ihre Arthrose-Erkrankung macht sie schwer vermittelbar.“ Dabei habe sie ein sehr friedliches Wesen.

Um einen Bullterrier aus dem Tierheim aufnehmen zu können, braucht man übrigens einen Sachkundenachweis, Hinzu kommt eine Kennenlernphase zwischen Halter und Hund. „Wir müssen schauen, ob die beiden ein Team werden.“ Das hat oft geklappt: In den 25 Jahren habe der Verein deutschlandweit 2000 Hunde vermittelt.

Mehr Tiere in Obhut

Die Zahl der Tiere, die das Kreisveterinäramt in Obhut geben musste, ist in den vergangenen Jahren tendenziell gestiegen. Nach Angaben der Behörde war vor allem das sogenannt Animal Hoarding, also das Ansammeln von verschiedenen Tieren, ohne sie alle vernünftig versorgen und pflegen zu können, dafür ausschlaggebend. Demnach mussten im vergangenen Jahr sechs Besitzern Tiere weggenommen werden: ein Hund, drei Kaninchen und 18 Katzen. Zwölf Katzen wurden anschließend eingeschläfert. Im Jahr zuvor hatte das Kreisveterinäramt im Zuge eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens sechs Hunde und drei Katzen unterbringen müssen. Zum Vergleich: 2017 waren Tierhaltern insgesamt nur drei Hunde, eine Katze sowie ein Meerschweinchen weggenommen worden.

Es sind aber nicht immer nur lebende Tiere, auf die die Mitarbeiter des Kreisveterinäramtes stoßen: Im Jahr 2013 etwa dokumentierte die Behörde den Fund von 40 Tierkadavern. Und nicht immer geht es um Hunde und Katzen: 2013 wurden einem Halter auch drei Zwerghähne weggenommen und 2010 kamen ausschließlich Pferde in Obhut – damals allerdings gleich 28.

 

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