Herforder Beratungsstelle Theodora begleitet Klientinnen in ganz OWL 48 Frauen schaffen Ausstieg aus Prostitution

Herford (WB). 547 Prostituierte in Ostwestfalen-Lippe hat die Herforder Beratungsstelle Theodora im vergangenen Jahr kontaktiert. Dabei geht es längst nicht immer nur um Fragen zur Gesundheit, sondern auch um die psychosoziale Begleitung. 48 der Frauen schafften den Ausstieg aus der Prostitution.

Prostitution ist nicht nur ein Phänomen der Großstädte, sondern auch im ländlichen Raum und kleineren Städten vertreten.
Prostitution ist nicht nur ein Phänomen der Großstädte, sondern auch im ländlichen Raum und kleineren Städten vertreten. Foto: dpa

Gesundheitsthemen sind ein Schwerpunkt der Beratung. Denn dass beispielsweise der Gebrauch von Kondomen nicht nur vor Schwangerschaft, sondern auch vor Ansteckung schützt – das sei nicht allen Klientinnen bewusst, heißt es in einer Mitteilung der Beratungsstelle.

Info-Flyer gibt es in zwölf Sprachen

Dabei führt kein Weg daran vorbei, die Frauen direkt aufzusuchen und sie über Themen wie Hilfeangebote oder die rechtliche Regelung der Prostitution in Deutschland zu informieren: „Viele Frauen sind aufgrund der geringen Sprachkenntnisse und fehlenden Wissens über das deutsche Sozialsystem gar nicht in der Lage, aktiv nach einem passgenauen Beratungsangebot zu suchen.“ Ihre Info-Flyer verteilt die Beratungsstelle deshalb auch in zwölf Sprachen.

Das Team der Beratungsstelle hat im vergangenen Jahr 64 bordellähnliche Betriebe und Wohnungen in Ostwestfalen-Lippe aufgesucht. Denn Prostitution sei nicht nur ein Phänomen der Großstädte, sondern auch im ländlichen Bereich und kleineren Städten vertreten.

108 Frauen wurden intensiv begleitet

108 Frauen wurden vom Theodora-Team intensiv psychosozial und rechtlich beraten und begleitet, 20 weitere von der Bildungs-Lotsin der REGE mbH Bielefeld. Außerdem wurden 31 Kinder der Klientinnen mitbetreut – 27 von ihnen unter sieben Jahren. 68 der 108 Frauen, die von Theodora intensiv begleitet wurden, wollten sich kurz- oder mittelfristig beruflich verändern. Von ihnen arbeiten 48 nicht mehr in der Prostitution.

95 Prozent der intensiv betreuten Frauen gehören laut Theodora zur Gruppe der Armutsprostituierten aus Ländern Mittel- und Osteuropas. Sie hätten als besonders benachteiligte, neu zugewanderte Unionsbürgerinnen ohne die Vermittlung durch das im vergangenen Jahr gestartete Projekt „ProBAT“ keinen Zugang zum regulären Hilfesystem. „ProBAT“ steht für „Prostituierten-Beratung, Armutsbekämpfung, Teilhabe“.

Projekt wird zwei Jahre finanziell gefördert

In dem Projekt kooperiert Theodora mit der REGE (Bielefeld). Der Zuständigkeitsbereich umfasst die Region Ostwestfalen-Lippe und damit die Stadt Bielefeld sowie die Kreise Gütersloh, Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke und Paderborn. Finanziell gefördert wird es für zwei Jahre durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den „Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen“ (EHAP). Auch die Kreise in OWL und die Stadt Bielefeld unterstützen das Projekt finanziell. Die Trägerin der Beratungsstelle, die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen, übernimmt alle durch die Zuschüsse ungedeckten Kosten.

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