Kreis Herford verzeichnet niedrigste Straftatenzahl seit 30 Jahren
Handschellen klicken seltener

Herford (WB). Im gesamten Kreis Herford sinkt die Zahl der Straftaten auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren. Im gesamten Kreis? Nein, drei Kommunen stemmen sich gegen den Trend, eine kommt sogar auf eine zweistellige Zuwachsrate.

Dienstag, 03.03.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 09:12 Uhr
Landrat Jürgen Müller präsentiert gemeinsam mit Dirk Büssing, Peter Lehmann und Dirk Zühlke (von links) die jüngste Kriminalitätsstatistik für den Kreis Herford. Foto: Stephan Rechlin

In den Statistiken von Nachbarkreisen spielen Messerattacken eine wachsende Rolle – im Kreis Herford blieben die 2019 auf die Kreuzung in Eilshausen begrenzt, der tödliche Angriff dort wird derzeit am Landgericht Bielefeld verhandelt. Im Kreis Herford wird am liebsten geklaut. Unter den insgesamt 10.410 Straftaten des vergangenen Jahres (886 oder 7,8 Prozent weniger) dominieren Diebstähle mit 39 Prozent.

An zweiter Stelle liegen Vermögens- und Fälschungsdelikte (20 Prozent), an dritter Rohheitsdelikte (15 Prozent, vor allem Körperverletzung, aber auch Nötigung, Bedrohung, Freiheitsberaubung). Sachbeschädigungen spielen mit elf Prozent noch eine gewisse Größe, alle anderen Straftaten bleiben im einstelligen Prozentbereich, darunter Sexual- und Rauschgiftdelikte.

Kein Landratsbonus

All’ diese Straftaten gehen in sechs Kommunen zurück, in Bünde (minus 12,4 Prozent) und Herford (minus 10,7 Prozent) sogar zweistellig. Nur in Vlotho (plus 23,5 Prozent), Hiddenhausen (plus 9,7 Prozent) und Rödinghausen (plus 5,6 Prozent) legten die Straftäter zu. „Im Falle Vlothos prüfen wir noch, ob die Zahlen wachsen, weil oder obwohl der Landrat dort wohnt“, scherzt Polizeidirektor Dirk Zühlke. Landrat Jürgen Müller: „Aus den Daten ist schon mal erkennbar, dass es keinen Landratsbonus gibt.“

Etwas ernster geht Peter Lehmann, neuer Leiter der Direktion Kriminalität, von einer statistischen Normalisierung in Vlotho und Rödinghausen aus: „In beiden Kommunen liegen die Ausreißer mit 524, bzw. 160 Fällen eher im Jahr 2018. Die jetzt vorliegenden 647, bzw. 169 Taten schließen stärker an die Zahlen der früheren Jahre an.“ In Hiddenhausen habe ein Tankstellenpächter anderthalb Jahre lang die Zahl der Fälle protokolliert, in denen Autofahrer bei ihm getankt haben ohne zu zahlen: „Die Liste wurde mit Strafanzeigen versehen bei uns eingereicht. Und schon haben wir einen immensen Anstieg der Diebstahlsdelikte.“

Statistisch weniger bedeutsam, aber ungeheuer arbeitsintensiv sind Fälle, in denen die Polizei den Verdacht auf Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie prüft. In zwei Verfahren mussten Mitarbeiter einerErmittlungskommission dabei Datenmengen in einem Umfang von 55 Terabyte prüfen. Allein in einem Verfahren entsprach das 1,8 Millionen verdächtigen Bilddateien und rund 10.000 Videos.

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