Verein „StedeFreunde“ will Ausschussmitglieder in Herford überzeugen Anlieger gegen Neubaugebiet

Herford (WB). „Wir wollen das da nicht“, sagt Klaus Himmelmann aus Stedefreund. Mit „das“ ist das geplante Baugebiet zwischen Stedefreunder Straße und Donopweg gemeint. Mit „wir“ die Anlieger, die durch den geplanten Bau von 60 bis 75 Wohneinheiten mit zu viel Verkehrslärm, einer zu großen Belastung der Umwelt und ungelösten Problemen der Regenwasserbeseitigung rechnen.

Von Ralf Meistes
Bislang führt nur ein Wirtschaftsweg durch das Gebiet und verbindet die Stedefreunder Straße mit der Straße im Obernholz. Hier sollen bis zu 75 Wohneinheiten entstehen. Anwohner kritisieren das Bauvorhaben und verweisen auf Verkehrsprobleme und Naturschutz.
Bislang führt nur ein Wirtschaftsweg durch das Gebiet und verbindet die Stedefreunder Straße mit der Straße im Obernholz. Hier sollen bis zu 75 Wohneinheiten entstehen. Anwohner kritisieren das Bauvorhaben und verweisen auf Verkehrsprobleme und Naturschutz.

Etwa 45 Stedefreunder waren am Donnerstagabend zur Gründungsveranstaltung des Vereins „Die StedeFreunde“ gekommen. Sie alle sprachen sich gegen das geplante Neubaugebiet aus. Ihre Sorgen drehen sich vor allem um die Fragen Naturschutz, Verkehrsbelastung, Oberflächenwasser und Bauen im Außenbereich.

Entscheiden oder vertagen?

Die Mitglieder des Bauausschusses sollen in der Sitzung am 5. März über den Entwurf des Bebauungsplanes „Stedefreunder Straße/Im Obernholz“ abstimmen. Ob es dazu kommt, ist noch unklar. Andreas Jotzo (Bürger für Herford), der am Donnerstag im Stedefreunder Krug war, kündigte an, er wolle Beratungsbedarf anmelden. „Für mich haben sich heute noch einmal neue Fragen aufgetan, die zunächst geklärt werden müssen“, sagte Jotzo. Auch in anderen Parteien herrscht Unsicherheit, ob in der kommenden Woche bereits über den Punkt abgestimmt werden sollte. Bis zur Kommunalwahl im September, so hatte Klaus Himmelmann schon einmal angekündigt, werde man von Seiten des Vereins das Baugebiet zum Thema machen.

Aufgrund der geplanten Neubebauung kommt es zu einer Zunahme des Verkehrsaufkommens von 758 KfZ-Fahrten innerhalb von 24 Stunden. „Die Stadt setzt uns mehr Verkehr vor die Nase und wir sollen dann auch noch für den Straßenausbau mit bezahlen“, kritisierte eine Anwohnerin. Richard Adriaans, Anwohner der Stedefreunder Straße, rechnet vor: „Bei 75 Wohneinheiten fahren hier 150 Autos hin und her.“

In Stedefreund fahre keiner mit dem Bus. Als Zumutung empfindet es Ernst Herold, dass auf den Bahnhof Brake verwiesen werde. „Der ist zu Fuß 2,3 Kilometer weg. Das hat doch nichts mit ÖPNV zu tun.“ Es fehle an Infrastruktur, beklagt eine andere Zuhörerin. „Jeder, der in Stedefreund baut, muss mit dem Auto hin und her fahren“, sagt sie.

Ein Gutachten sieht keine „gravierenden Veränderungen für die Verkehrsqualität“. Der Verein „StedeFreunde“ erklärt, von der Verkehrszunahme seien auch die Straßen Im Obernholz, Ledebur­straße, Stedingweg, Stieglitzweg und Am Vogelholz betroffen.

Fragen zu Oberflächenwasser

Schon heute stünden bei heftigen Regentagen regelmäßig Keller unter Wasser. Die Situation würde sich noch verschärfen, wenn die Fläche durch die Bebauung weiter versiegelt werde und keine vernünftige Regelung für den Abfluss des Oberflächenwassers gefunden werde, befürchten Anwohner. „Was passiert eigentlich, wenn das geplante Regenrückhaltebecken voll läuft?“, wollte eine Anwohnerin wissen. „Die Frage, wie man das Oberflächenwasser wegbekommen will, ist mit der Unteren Wasserbehörde des Kreises nicht hinreichend geklärt“, bemängelte Ernst Herold. Eine Aussage, die am Freitag von Andreas Henke, Abteilungsleiter Umwelt beim Kreis, bestätigt wurde. „Es hat hier mit der Stadt zwei Vorgespräche gegeben. Danach haben wir nichts mehr gehört. Üblich ist, dass diese Dinge geklärt werden, bevor man einen Bebauungsplan aufstellt“, sagte Henke auf Anfrage.

Eine Aussage, die bei der Stadt Herford wiederum Kopfschütteln hervorgerufen hat. „Die Einleitung des Oberflächenwassers erfolgt auf Bielefelder Stadtgebiet. Die Einleitung ist vor der Offenlage mit der Stadt Bielefeld abgestimmt. Darüber ist auch der Kreis informiert“, erklärte der städtische Beigeordnete Dr. Peter Böhm.

Natur- und Artenschutz

Egon Stranghöner ist sich sicher, dass es in der Holtbeke den geschützten Edelkrebs „Astacus astacus“ gibt.

Dass ein Gutachten aus dem Jahr 2019 zu dem Ergebnis kommt, dass die Bestände des Krebses „offensichtlich gänzlich erloschen“ sind, kann er sich nur so erklären, dass die Reusen (Fangnetze) an den falschen Stellen aufgestellt worden seien. „Und auf Teichmuscheln, die es bei uns gibt, ist die Fläche erst gar nicht untersucht worden“, kritisiert Klaus Himmelmann.

Ernst Herold betonte, dass die Mitglieder des Bauausschusses die mehr als 400 Seiten starken Unterlagen nicht alle werden lesen können. „Deshalb müssen wir das tun und sie von unserer Meinung überzeugen“, so Herold. Am besten schon in der Ausschuss-Sitzung am 5. März.

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