Mit Bürgermeister Tim Kähler durch die Kellerräume im Stadtpark Schützenhof
„Das Gebäude ist durch“

Herford (WB). 13,6 Millionen Euro würde die Sanierung des Stadtpark Schützenhof kosten. Kritiker monieren, die geschätzte Summe falle so hoch aus, um den Bau des geplanten OWL-Forums zu rechtfertigen. „Wir haben einen Architekten gebeten, die Kosten für eine Sanierung zu überschlagen und das war das Ergebnis“, sagt Britta Kurlbaum, Geschäftsführerin der Herforder Stadtgarten- und Schützenhof GmbH. Die Kostenermittelung wurde im September 2019 vorgenommen.

Freitag, 21.02.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 21.02.2020, 09:36 Uhr
Bürgermeister Tim Kähler hat sich von Britta Kurlbaum auch die Kellerräume im Stadtpark Schützenhof zeigen lassen. Das Urteil des Bürgermeisters: „Das Gebäude ist durch“. Foto: Ralf Meistes

Parteien haben bei der Geschäftsführerin nicht angefragt

Grund genug, sich den Zustand des Gebäudes, vor allem auch der Kellerräume, einmal genauer anzusehen. Von der Politik habe sie bislang noch keine Anfrage für eine Gebäudebesichtigung erhalten, bestätigt Kurlbaum. Das ist ungewöhnlich, schließlich spielen Erhalt oder Abriss des Schützenhofs eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für oder gegen ein OWL Forum. Die FDP, so bestätigt es Stephen Paul, sei mit Vertretern der Herforder Schützen durch die Kellerräume gelaufen.

Bürgermeister Tim Kähler hat sein Urteil bereits gefällt. „Das Gebäude ist durch“, sagt er und verweist auf die zahlreichen Mängel. In einem Teil des Kellers, dort, wo früher einmal die Kegelbahn stand, tropft Wasser von der Decke. Darüber liegt die Terrasse, die in Richtung des Parks führt. Dieser unterirdische Bereich des Schützenhofs wird so gut wie nicht genutzt.

Veraltete Schaltkästen

Ganz anders sieht es im Bereich unter dem großen und dem kleinen Saal aus. Hier tropft nichts, aber die Elektronik ist veraltet, die Schaltkästen erinnern an Technik aus den 60er- und 70er Jahren, die Gasheizungsanlage ist in die Jahre gekommen. Aber, entgegen so mancher Behauptung, dieser unterkellerte Bereich ist trocken.

Dennoch müsste sehr umfangreich saniert werden. „Und selbst dann“, darauf verweist der Bürgermeister, „haben wir nur einen verschönerten Schützenhof, aber keinen modernen Konzertsaal“.

Kleinere Sanierung von 2005 bis 2007

Der Schützenhof ist an vielen Stellen sanierungsbedürftig. Zuletzt wurden in den Jahren 2005 bis 2007 der große und der kleine Saal für 1,1 Millionen Euro saniert. In den zehn Jahren waren die Investitionen deutlich überschaubarer. Das macht sich heute bemerkbar. Die Stadt hat in den Jahren 2010 bis 2019 insgesamt 360.000 Euro für die Erneuerung technischer Geräte, die Beleuchtung und den Brandschutz ausgegeben. Für alle Reparaturen und ähnliche Arbeiten an und in den Gebäuden flossen noch einmal 540.000 Euro. Weitere zehn Jahre könnte der Schützenhof unter diesen Bedingungen nicht mehr geführt werden, will man ihn als Veranstaltungsstätte nutzen.

Deshalb hat sich ein Architekt im vergangenen Jahr Raum für Raum angeschaut, um darzulegen, was eine Sanierung – ausgehend vom Gebäudebestand – kosten würde. Die ermittelten 13 Millionen sehen die Schaffung eines neuen Eingangsbereichs vor. Außerdem sollte aus dem vorhandenen Wintergarten eine so genannte Lounge gemacht werden.

Hochgerechnet bis 2024 sollen die Kosten bei 13,6 Millionen liegen

Weitere Punkte: Sanierung von Dach und Fensteranlagen, energetische Fassadensanierung, Bodenbelags- und Trockenbauarbeiten, komplette Erneuerung der älteren Heizungsanlage, der Lüftungs- und Sanitäranlagen sowie der Elektrotechnik. Darüber hinaus muss ein barrierefreier Zugang gewährleistet sein und auch die Außenanlagen müssten entsprechend angepasst werden. Rechnet man die ermittelten Kosten auf Ende 2024 hoch, so ergibt sich laut Kurlbaum eine Summe von 13,6 Millionen Euro.

„Wir haben dann aber nur einen modernisierten Status quo“, verdeutlicht Kurlbaum. Nicht enthalten in der Aufstellung sind beispielsweise weitere Räume für die Nordwestdeutsche Philharmonie. Auf eine Verbesserung der Parkplatzsituation würde die Stadt ebenso verzichten wie auf die Ausweitung der Bühnentechnik und eine Klimatisierung des Gebäudes. „Wenn man das alles zusammenzählt, dann ist für mich ein Neubau an einem anderen Standort die logische Konsequenz“, so Kähler.

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