Mitarbeiter ziehen um – Behörde an fünf Standorten – Büros mehrfach belegt So improvisiert das Jugendamt

Herford (WB). Viel zu wenig Platz, ein erheblicher Sanierungsstau: Die Raum-Probleme im Jugendamt sind so groß geworden, dass die Stadt offenbar gezwungen war zu reagieren. Ein Großteil der Behörde zieht in wenigen Wochen um – und zwar in extra angemietete Volksbank-Etagen in der Arndtstraße.

Von Moritz Winde
Grau in Grau, nur zwei grüne Stühle sorgen für etwas Farbe: Ein Kind läuft den Erdgeschoss-Flur des Jugendamtes entlang. Auf vier Etagen arbeiten derzeit 90 Mitarbeiter.
Grau in Grau, nur zwei grüne Stühle sorgen für etwas Farbe: Ein Kind läuft den Erdgeschoss-Flur des Jugendamtes entlang. Auf vier Etagen arbeiten derzeit 90 Mitarbeiter. Foto: Moritz Winde

Behördenchef Andreas Spilker freut sich einerseits über die Entwicklung, spricht von einer Entzerrung. Andererseits erschwere die Dezentralisierung naturgemäß die Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen. „Ich verliere den direkten Kontakt zu meinen Mitarbeitern. Natürlich wäre es wünschenswert, alle unter einem Dach zu haben, um noch mehr eine Einheit zu sein.“

Immer mehr Aufgaben – immer mehr Mitarbeiter

Andreas Spilker (61) leitet das Herforder Jugendamt. Foto: Moritz Winde

Doch davon ist man derzeit meilenweit entfernt. Eine passende Bestandsimmobilie, die groß genug, citynah gelegen und frei ist, gibt es momentan nicht. Und auch von einem Neubau ist keine Rede. Alle Optionen würden geprüft, heißt es aus dem Rathaus. Deshalb nun also die Improvisation mit der Arndtstraße. Die Bankimmobilie ist dann bereits die fünfte Anlaufstelle des Jugendamtes. Neben der Zentrale, Auf der Freiheit 11, gehören diese Standorte dazu: Auf der Freiheit 23, Quedlinburger Straße 40 sowie Schillerstraße 17.

Das meiste Personal drängt sich aktuell im Hauptgebäude, in dem es von Jahr zu Jahr enger wird. Andreas Spilker erklärt die Gründe: „Die gesetzlichen Aufgaben von Bund und Land nehmen zu. Ob die Begleitung minderjähriger Flüchtlinge, mehr Kinder in Kitas oder häufigere Hinweise auf Kindeswohlgefährdung – um nur ein paar Beispiele zu nennen.“

Mehr Arbeit heißt im Umkehrschluss mehr Manpower: Die Zahl der Mitarbeiter in der Hauptstelle ist in den vergangenen drei Jahren von 68 auf 90 und damit um 33 Prozent gestiegen (insgesamt 200, inklusive Kita-Erzieherinnen). Hinzu kommen Mütter, die aus der Elternzeit in den Job zurückkehren, oft in Teilzeit. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Raum-Kapazitäten irgendwann erschöpft sind.

„Hier müsste dringend renoviert werden.“

Abgeplatzte Farbe: Die alten Holzfenster müssten dringend ausgetauscht werden – nicht nur aus energetischer Sicht. Foto: Moritz Winde

Andreas Spilker sagt, man habe alles probiert, um alle unterzubringen: „Es gibt eine rotierende Nutzung der Büros. Büros werden doppelt genutzt. Besprechungsräume wurden in Büros umgewandelt.“ Geschützte Wartezonen sind nicht vorhanden, so dass versucht werde, konfliktreiche Beratungen exakt zu planen. „Es kommt aber immer wieder vor, dass aufgebrachte Kunden unvermittelt auftauchen. Weil es hier an intelligenten Raumlösungen fehlt – zum Beispiel zwei Türen – kann die Situation bedrohlich werden. Insgesamt nehmen die Aggressionen und Beschimpfungen zu“, bedauert der 61-Jährige, der mehrere Hausverbote erteilt hat.

Die Enge, die aufs Gemüt drückt und nicht zur Deeskalation beiträgt, ist das Eine. Mindestens genauso belastend ist aber vermutlich der bauliche Zustand. Von den Fenstern platzt die Farbe ab, auf dem Flur gibt es Trittlöcher, der Eingang ist heruntergekommen. Er werde oft auf die offensichtlichen Missstände angesprochen, sagt Andreas Spilker. Nach dem Motto: „Hier müsste dringend renoviert werden.“

Im laufenden Betrieb war es bisher schwierig zu sanieren. Durch den Umzug in die Arndt­straße eröffnen sich nun neue Möglichkeiten. Doch Dr. Peter Böhm, Chef des zuständigen Immobilienbetriebs der Stadt, dämpft die Erwartungen: „Das ist eher mittelfristig geplant – wenn überhaupt. Zunächst muss entschieden werden, wie es mit dem Jugendamt perspektivisch weitergeht. Und das wird sicher nicht vor 2021 passieren.“

Viel enger geht’s kaum: Die Büros werden doppelt genutzt. Außerdem wird im „Schichtbetrieb“ rotiert. Foto: Moritz Winde

Kommentare

Jugendamt

Ist ein Jugendamt wichtig?
Siehe der Fall Lütge
außerdem gibt es für den Herrn Kähler wichtigere Projekte in "seinem" Herford:
Marta, OWL Forum mit Theater und Schützenhalle!
Welche Priorität hat da schon ein Jugendamt?!

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