Kreis Herford stark betroffen – Jetzt sollen Vermieter angesprochen werden „Kümmerer“ gegen Wohnungsnot

Herford (WB). Etwa 850 Menschen haben im Kreis Herford keine Wohnung – und das sind nur die den Behörden bekannten. Damit zählt der Kreis zu den am meisten betroffenen Regionen in NRW. Um die Situation zu verbessern, startet das Düsseldorfer Sozialministerium ein „Kümmerer“-Projekt vor Ort: Es finanziert drei Stellen, um Wohnungslosen zu helfen.

Von Bernd Bexte
Herford zählt zu den Kreisen in NRW, in denen Wohnungs- und Obdachlosigkeit überdurchschnittlich auftritt. Das Land will jetzt helfen.
Herford zählt zu den Kreisen in NRW, in denen Wohnungs- und Obdachlosigkeit überdurchschnittlich auftritt. Das Land will jetzt helfen. Foto: dpa

Dabei arbeitet der Kreis mit dem Sozialberatungsdienst der evangelischen Diakoniestiftung zusammen. „Zwei Mitarbeiterinnen der Diakonie werden sich um die Betroffenen kümmern, auch mit wohnbegleitenden Hilfen, wenn sie dann in eigene vier Wände eingezogen sind“, sagt Patrick Puls, beim Kreis zuständig für das „Kümmerer“-Projekt. Eine weitere Stelle wird in der Kreisverwaltung geschaffen, wo die Geschäftsstelle des Projektes angesiedelt ist.

„Wir hoffen, dass sie zum 1. März besetzt werden kann.“ Ein Immobilienkaufmann, also jemand, „der die Sprache der Branche spricht“, soll sich unter anderem um die Akquise von Wohnraum kümmern, Kontakt zu potenziellen Vermietern und Wohnungsbaugesellschaften herstellen. Es gehe aber nicht nur um Vermittlung, sondern auch um Investitionen, um leer stehenden Wohnraum nutzbar zu machen. „Beispielsweise gibt es Zweifamilienhäuser, in denen etwa durch den Einbau einer trennenden, abschließbaren Tür ein ungenutzter Bereich für die Vermietung attraktiv werden könnte“, erläutert Puls. So könne man möglicherweise Eigentümern eine Vermietung schmackhaft machen.

Die meisten Betroffenen leben in Gemeinschaftsunterkünften

Hilfestellen für Wohnungssuchende gibt es bereits in den Kommunen. Die seien aber personell oft gar nicht in der Lage, das zu leisten, was die neue „Kümmerer“-Stelle leisten wolle. „Deshalb soll der Kreis eine koordinierende Rolle übernehmen. Wir setzen uns mit den Kommunen an einen Tisch“, sagt Puls.

Das Land fördert „Kümmerer“-Projekte in den 20 Städten und Kreisen, die von Wohnungslosigkeit am meisten betroffen sind. Zum Stichtag 30. Juni 2018 kam der Kreis Herford auf Platz 15. Damals hatten hier 934 Menschen keine Wohnung. Aktuell sind es 850. „Davon leben 750 in Gemeinschaftsunterkünften, viele sind Flüchtlinge“, sagt Puls. In OWL werden zudem Projekte in Bielefeld und im Kreis Gütersloh gefördert. Das Ministerium von Karl-Josef Laumann (CDU) stellt insgesamt 6 Millionen Euro zur Verfügung. Das Programm ist zunächst bis Jahresende befristet. „Es ist aber wahrscheinlich, dass es verlängert wird“, meint Puls.

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