Auch Im Kleinen Felde regt sich Anwohnerprotest gegen das geplante Bildungshaus „Was kommt da auf uns zu?“

Herford (WB). Wie groß es wird, wie laut es wird, wie belebt es wird – Bernhard Farecki weiß es nicht. „Bislang haben wir nur Informationen aus der Zeitung“, sagt der Anwohner des Kleinen Feldes. Wenn der Stadtrat heute dort den Bau eines Bildungshauses samt Kita und Jugendtreff beschließt, könnte dies im Nachgang auf Widerstand stoßen.

Von Bernd Bexte
Haus und Garten der Fareckis sind links zu sehen, auf der Wiese oberhalb steht das Mobilheim. Hier soll das Bildungshaus gebaut werden. Gegenüber dem Freibadeingang am Sportplatz (Mitte) sollen Container für einen Jugendtreff aufgestellt werden.
Haus und Garten der Fareckis sind links zu sehen, auf der Wiese oberhalb steht das Mobilheim. Hier soll das Bildungshaus gebaut werden. Gegenüber dem Freibadeingang am Sportplatz (Mitte) sollen Container für einen Jugendtreff aufgestellt werden. Foto: Moritz Winde

Der ehemalige Rechtsanwalt schaut von seinem großen Garten direkt auf die für das Bildungshaus vorgesehene Fläche. Dort steht derzeit das marode Mobilheim, dessen Tage gezählt sind. „Die Baumaßnahmen würden direkt an unserer Grundstücksgrenze stattfinden“, sagt der 73-Jährige. Das sei sicherlich aus mehreren Gründen unzulässig. „Der Bereich ist nur für eingeschossige Wohnbebauung ausgewiesen. Die vorgelegte Planung ist damit nicht vereinbar.“ Er werde die Pläne auf keinen Fall hinnehmen und erwägt auch rechtliche Schritte dagegen.

„Haben nichts gegen Kita und Jugendtreff“

„Ja der Bebauungsplan muss für dieses Projekt geändert werden“, erklärt Peter Böhm, Leiter des städtischen Bauamtes. Der Verwaltungsvorschlag für den Rat sehe dies bereits vor. Ungefähr ein Jahr werde die Umsetzung dauern. „Und im Zuge des Verfahrens

Bernhard Farecki in seinem Garten, hinten links ist das Mobilheim zu sehen, rechts hinter den Bäumen die Eishalle. Foto: Bexte

können Bürger natürlich Einwendungen dagegen machen.“ Im Jugendhilfeausschuss war am Montag das Jahr 2023 als frühestmöglicher Baubeginn genannt worden. Nur mit den Containern für den Jugendtreff könnte es schneller gehen.

„Wir möchten deutlich klarstellen, dass wir nichts gegen eine Kita oder einen Jugendtreff haben“, unterstützt Nikola Farecki ihren Mann. Der Betrieb von Eishalle und Freibad, Fußballspiele auf der Wiese neben ihrem Garten – all das störe sie nicht. „Aber wir möchten schon wissen, was hier genau gebaut wird und was da auf uns zukommt.“

Auch erster Standort stieß auf Protest

Schon jetzt sei der Lärm in den Abend- und Nachtstunden oft untragbar. Dafür seien vor allem Jugendgruppen verantwortlich, die teilweise „bis in die frühen Morgenstunden die Anwohner ganz erheblich in ihrer Nachtruhe stören, unter anderem durch Mopedrennen“, ärgern sich die Fareckis. Müll – insbesondere auf den Sportplätzen –, nächtliche Feuer, Vandalismus, ja sogar Drogenhandel kämen dazu. Mehrfach sei die Polizei vor Ort gewesen. „Wir befürchten, dass diese Belästigungen bei der geplanten Bebauung noch erheblich zunehmen.“ Spätestens mit Einbruch der Dunkelheit würden sich Anwohner schon jetzt nicht mehr trauen, die Fußwege zu benutzen.

Es ist nicht der erste Anwohnerprotest, der sich gegen das Bildungshaus richtet. Dieses sollte zunächst an der Grundschule Radewig gebaut werden. Nur weil Anlieger dagegen massiv vorgingen, lenkte die Verwaltung ein und erkor den Standort Im Kleinen Feld aus. Bernhard Farecki will das aber nicht so einfach hinnehmen. Er verweist auf eine lange zurückliegende Auseinandersetzung: „Schon wegen der damals von der Eishalle ausgehenden Lärmbelastung gab es Proteste und ein Gerichtsverfahren.“ Das habe zum Bau von Lärmschutzmaßnahmen geführt.

Das Projekt:

Die Stadt möchte Im Kleinen Felde einen Jugendtreff, eine neue Kita und ein Bildungshaus für außerschulische Angebote für Grundschulkinder und deren Eltern errichten. Der Stadtrat wird in seiner Sitzung am heutigen Freitag (16 Uhr, großer Sitzungssaal im Rathaus) darüber entscheiden. Im Vorfeld gab es auch von politischer Seite Kritik an den Planungen. So hält die CDU den Bau einer Kita – sie soll in das Bildungshaus integriert, aber räumlich davon getrennt werden – für nicht notwendig. Begründung: Es gebe im Quartier bereits ausreichend Kitaplätze.

Die Verwaltung hält die Kita für das Gesamtprojekt aber für unverzichtbar. Denn nur mit der Schaffung einer solchen sogenannten Regeleinrichtung gebe es die in Aussicht gestellte Landesförderung. Den Löwenanteil der gut 600.000 Euro für das Bildungshaus soll nämlich das Land tragen. Für einen Jugendtreff sollen neben dem Sportplatz gegenüber dem Freibadeingang vier Container aufgestellt werden.

Langfristig plant Bürgermeister Kähler auch den Bau einer Traglufthalle über dem Freibad, damit dieses auch im Winter genutzt werden kann, sowie Sitzplatztribünen für die Eishalle.

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