Tier saß an der Brunnenstraße Herford in vier Metern Höhe fest Nach 25 Stunden: Feuerwehr rettet Katze

Herford (WB). Der Schreck vor einem Hund hat sie auf den wohl Baum gehetzt: 25 Stunden lang hat Katze Merle in vier Metern Höhe verharrt – bis am Montag gegen 16 Uhr die Retter von der Feuerwehr kamen. Ralf Kühn zog sich Handschuhe an, kletterte auf die Leiter und griff vorsichtig nach dem maunzenden Kätzchen, das sich willig packen ließ. Wieder unten angekommen, übergab er es den glücklichen Besitzern.

Von Kathrin Weege
Ralf Kühn von der Herforder Feuerwehr rettet Katze Merle nach 25 Stunden von einem Baum in der Brunnenstraße. Zur Sicherheit trägt er Handschuhe. Aber die Katzendame ließ sich willig packen.
Ralf Kühn von der Herforder Feuerwehr rettet Katze Merle nach 25 Stunden von einem Baum in der Brunnenstraße. Zur Sicherheit trägt er Handschuhe. Aber die Katzendame ließ sich willig packen.

Besorgte Katzenbesitzerin

„Die Frau war in Sorge, weil das Tier schon so lange da oben gehockt hatte, und ist zur Hauptamtlichen Wache gekommen“, sagt Christoph Büker, Sprecher der Feuerwehr Herford.

Die Kollegen seien in die Brunnenstraße gefahren und hätten sich die Lage angesehen. „Nicht selten schätzen die Betroffenen Höhen falsch ein und wir kommen auch nicht so ohne Weiteres an die Tiere. Hier war es aber kein Problem. Unsere normale Leiter reichte“, so Büker.

Kosten können entstehen

Hauptaufgabe der Feuerwehr ist es bekanntlich, bei Bränden, Unfällen, Überschwemmungen und ähnlichen Ereignissen Hilfe zu leisten. Das Retten von Tieren gehört nicht in erster Linie dazu. „Wenn eine Katze mal eine Stunde im Baum sitzt, können wir nicht gleich ausrücken. Ein Einsatz mit Teleskopmast und mehreren Feuerwehrleuten kostet richtig Geld“, erklärt Christoph Büker. Es seien Ausnahmesituationen, in denen Feuerwehr auch solche Einsätze übernehme.

„Beispielsweise muss ein Baum dann gut erreichbar sein und darf nicht irgendwo in einem engen Hinterhof stehen“, erläutert er. Bei Unfällen oder Bränden entstehen für die Betroffenen keine Kosten. Bei Einsätzen wie der Katzenrettung ist das aber durchaus möglich. „Die Stadt hat eine Kostensatzung, in der genau festgelegt ist, was ein Einsatz pro Minuten pro Mann und Fahrzeug kostet“, so Büker.

Und das kostet ein Einsatz: Pro Feuerwehrmann werden alle 15 Minuten 13.13 Euro fällig, für ein Rettungshubfahrzeug, das mit zwei Personen besetzt ist, sind es 7.18 Euro in der Viertelstunde und für das Löschfahrzeug (vier Mann) sind es 4.85 Euro. „Wird noch ein Bagger oder Ähnliches, was die Feuerwehr nicht bereithält und was geordert werden muss, angefordert, kommen diese Kosten noch drauf“, erklärt Michael Stiegelmeier, stellvertretender Leiter der Feuerwehr.

Tierische Einsätze

Immer wieder ist die Feuerwehr Retter in der Not für Tiere. Im Juli 2017 hieß es “Ente gut, alles gut“. Neun kleine Entenküken waren ihrer Mutter über einen Gullyschacht in Stedefreund hinterher gewatschelt – und hineingefallen. Ein aufmerksamer Spaziergänger hatte damals die Feuerwehr verständigt. Mit einem Brecheisen öffnete sie den Gully. Vorsichtig holte einer der Feuerwehrmänner die piepsenden Tierchen aus dem Schacht. Nach einer halben Stunde waren alle befreit und gemeinsam mit ihrer Mutter in einer Box zu einem nahegelegenen Teich gebracht.

Doch nicht nur kleinen Tieren helfen die Feuerwehrleute. „2018 war ein Pferd an der Löhner Straße in die Werre gestürzt“, erinnert sich Büker. Auch wenn es dieses Mal kein Happy End gab – die Retter setzten alles daran, das Tier zu befreien. Gurte wurden angelegt. Allerdings sei das Pferd schon älter und körperlich in keiner besonders guten Konstitution gewesen. „Es hatte schon 30 bis 60 Minuten im kalten Wasser gelegen. Ein Tierarzt war vor Ort und musste es leider einschläfern“, sagt Christoph Büker.

Feuerwehr übt Ernstfall

Regelmäßig trainiert die Herforder Feuerwehr spezielle Einsätze – auch solche mit Tieren. „Wir werden speziell in Großtierrettung ausgebildet“, erläutert Christoph Büker. Man lerne, wie man Gurte beispielsweise bei einem Pferd anlegt oder ihm ein Halfter am Kopf aufzieht, um es führen zu können. Die Feuerwehr hat inzwischen ein eigenes Dummy-Pferd. „Es ist zwar etwas kleiner, eher wie ein Pony. Man kann daran aber sehr gut üben“, so Büker. Auch mit echten Pferden haben die Herforder bereits gearbeitet. Für die Retter ist es wichtig zu wissen, wie sich die Tiere im Falle eines Feuers verhalten. Pferde wollen dann nicht aus ihrem Stall flüchten, sondern darin bleiben und Schutz suchen. Die Einsatzkräfte müssen lernen, wie sie ein 600-Kilo-Pferd dann ins Freie bringen können, ohne sich selber in Gefahr zu bringen.

Bald soll es wieder ein besonderes Training geben. „Dieses Mal mit einem Rind“, erklärt Büker. Das könnte die Kollegen vor neue Herausforderungen stellen.

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