Musik-Kontor: Für die Stars reicht laut Ralf Hammacher ein 1000er-Saal nicht aus
„OWL-Forum ersetzt Oetkerhalle nicht“

Herford( WB). Wenn es in Gesprächen um das OWL-Forum geht, fällt stets der Name Musik-Kontor. Der Herforder Verein wechselt für große Konzerte in die Bielefelder Oetkerhalle. Sollte das OWL-Forum in der bisher geplanten Dimension entstehen, wird dies auch zukünftig so sein.

Donnerstag, 06.02.2020, 07:00 Uhr
Till Brönner mit Orchester (Foto), Gregory Porter, Herbie Hancock: Mit diesen Stars ging der Verein Musik-Kontor in die Bielefelder Oetkerhalle, die etwa 1500 Plätze fasst. Die gleichen Musiker nach Herford in einen Saal für 1000 Besucher zu holen, ist laut Ralf Hammacher wirtschaftlich nicht zu realisieren. Foto: Thomas F. Starke

Über Größe noch einmal nachdenken

Ein Saal für 1000 Besucher reiche für die A-Liga nicht aus, sagt Vorsitzender Ralf Hammacher. Er könne die Oetkerhalle nicht ersetzen.

Um die Gagen für die ganz Großen wie zum Beispiel Herbie Hancock bezahlen zu können, benötige man 1500 Plätze – oder doch zumindest 1300. Diese Einschätzung bedeutet laut Hammacher aber nicht, dass sein Verein das OWL-Forum nicht nutzen wolle: „Natürlich freuen wir uns drauf.“ Doch hält es der Vorstand für wünschenswert, über die Größe noch einmal nachzudenken.

Derzeit geht die Stadt von einer Zwei-Saal-Lösung aus. Diese beinhaltet einen Raum fürs Theater (600 Plätze) und einen Orchestersaal (1000 Plätze). Die räumliche Trennung wird begründet mit den unterschiedlichen akustischen Anforderungen für Theater und Konzerte.

„Noch ist nichts zementiert“

Auf 97 Millionen Euro schätzen die Gutachter die Kosten für den Bau, der am Alten Güterbahnhof entstehen soll. Sowohl Land als auch Bund haben jeweils eine Drittel-Förderung zugesagt, wenn es bei den prognostizierten Kosten bleibt.

Hammacher hat Verständnis dafür, dass man für beide Formen – Theater und Musik – optimale Klangerlebnisse haben will. Und falls die in Aussicht gestellte Förderung an eine Zwei-Saal-Variante gekoppelt sei, gebe es wohl keine Alternative: „Aber dann sollte man sich vielleicht Gedanken darüber machen, ob die Kapazität des Konzertsaals nicht erhöht werden kann.“

Wenn die Förderung nicht von einer räumlichen Trennung abhänge, sei auch ein einziger größerer Saal möglich, so der Vereinsvorsitzende. Allerdings nur, wenn man von einem 100-Prozent-Anspruch für Theater und Konzerte Abstand nehme. Dass die klangliche Qualität darunter extrem leide, glaubt Hammacher nicht. Als Veranstalter weiß er, welch entscheidende Rolle der Tontechniker spielt.

Ralf Hammacher will seine Gedanken nicht als Forderung verstanden wissen, sondern als Diskussionsanregung: „Noch ist ja nichts zementiert.“ Zweifel daran, dass man in Herford auch einen größeren als einen 1000er-Saal füllen kann, hat er nicht: „Wenn wir einen Star holen, dann mit Gebietsschutz.“

Architektur ist wichtig

Das heißt, dass die Musiker in einem bestimmten Umkreis außerhalb von Herford nicht auftreten dürfen. Eine wichtige Rolle, um Stars und Besucher holen zu können, spiele zudem eine attraktive Architektur.

Unabhängig von den Großevents sind die Clubkonzerte das Aushängeschild des Vereins. Während der Umbauarbeiten im Schiller finden die meisten Konzerte im Marta-Forum statt. In den nächsten Tagen wollen die Verantwortlichen das neue Programm vorstellen. Im Oktober, so der derzeitige Plan, soll es im früheren Veranstaltungslokal weitergehen.

Bekanntlich lässt der Unternehmer Lars Uhlen den Schiller-Komplex aufwändig sanieren und umbauen. Hammacher arbeitet auch hier schon an der Planung: „Spätestens Anfang April muss das Programm stehen.“

Kommentar

Irgendwann im Laufe des Jahres werden die Ratspolitiker entscheiden müssen, ob sie das OWL-Forum haben wollen. Viele Fragen sind zu klären – nicht zuletzt die der sinnvollen Nutzung. Vor diesem Hintergrund lassen die Äußerungen Ralf Hammachers aufhorchen. Ein 100-Millionen-Bau, in dem Jazz-Konzerte einer bestimmten Kategorie nicht möglich sind?

Angesichts der Kosten ist dies den Bürgern erst einmal schwer zu vermitteln. Um das OWL-Forum voranzubringen, müssen jetzt Veranstalter wie das Musik-Kontor zu Wort kommen. Und Vertreter von NWD und Theater müssen den Politikern in einer öffentlichen Sitzung Rede und Antwort stehen. Sie sind die Praktiker, die über das Für und Wider Auskunft geben können. Hartmut Horstmann

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