Kreisverbandstag der Landwirte – Kritik an Niedrigpreis-Werbung
In die Mitte der Gesellschaft

Herford (WB). Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Baustein und Motor zur positiven Entwicklung im ländlichen Raum: Dies wurde beim Kreisverbandstag des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Herford-Bielefeld betont.

Donnerstag, 06.02.2020, 14:00 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 15:00 Uhr
Standen den gut 250 Gästen auf Dallmanns Deele zu aktuellen Probleme der Landwirtschaft Rede und Antwort: (von links) Bernd Upmeier zu Belzen und Friederike Detering (beide stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende), Hermann Dedert (Kreisverbandsvorsitzender), Dr. Gero Hocker sowie Dr. Thomas Forstreuter und Professor Dr. Harald Grethe. Foto: Siegfried Huss

Kreisvorsitzender Hermann Dedert: „Unsere Gesellschaft braucht die heimische Landwirtschaft in allen Facetten. Ob groß, ob klein, ob ökologisch oder konventionell. Wir Landwirte versorgen unsere Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln zu einem aus unserer Sicht manchmal zu geringen Preis. Wir sind stolz auf das, was wir aufgebaut haben, und versuchen, unsere Betriebe fit für die Zukunft zu machen.“ Aber der Betrieb müsse sich auch finanziell tragen und die Familie ernähren können.

Mit diesen Worten stimmte er auf den Kreisverbandstag ein. Dieser fand auf Dallmanns Deele in Elverdissen statt. Und gekommen waren aus den angeschlossenen zehn Ortsverbänden rund 250 Gäste, Referenten waren Professor Dr. Harald Grethe (Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz beim Bundeslandwirtschaftsministerium), Dr. Gero Hocker (FDP-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft) und Dr. Thomas Forstreuter (Hauptgeschäftsführer des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes).

Diskussion über Tierwohl

Bürokratie, gesetzliche Auflagen, Druck der Öffentlichkeit, Preisverfall: Die bereits im vergangenen Jahr diskutierten Themen seien aktueller denn je. „Daher muss es aus fachlicher Sicht erlaubt sein, diese zu diskutieren und anzusprechen,“ meinte Dedert und gab gleich zu bedenken: „Mehr Tierwohl ist nun mal mit einem höheren Aufwand für den Landwirt verbunden und muss mit einem höheren Preis an der Ladentheke honoriert werden. Nur fordern geht aus meiner Sicht nicht.“ Und wenn der Lebensmittel-Einzelhandel immer nur mit dem niedrigsten Preis werbe, werde die ganze Diskussion um mehr Tierschutz schon im Keim ad absurdum geführt.

Landrat Jürgen Müller betonte: „Landwirtschaft steht derzeit im öffentlichen Fokus. Im Jahre 1949 versorgte ein Landwirt elf Menschen, heute sind es 180. Während dieser Zeit gab es einen deutlichen Rückgang bei der Betriebszahl. Als Verbraucher müssen wir unser Verhalten verändern. Nur billig passt nicht zusammen!“ Auch Herfords Bürgermeister Tim Kähler fand deutliche Worte: „Wir müssen über Rahmenbedingungen diskutieren. Rahmenbedingungen schaffen die Existenzgrundlage der Landwirte.“

„Aktuell schwierige Situation“

Professor Dr. Harald Grethe sagte: „Die Situation ist zerreißend. Die gesellschaftlichen Ansprüche an den Umwelt-, Klima- und Tierschutz steigen, gleichzeitig wirtschaften Landwirte in offenen Märkten.“ Sie stünden im internationalen Preiswettbewerb. Ihre Qualität werde am Markt kaum entlohnt. „Wir haben hierauf keine strategische, agrarpolitische Antwort, sondern stattdessen eine polarisierte gesellschaftliche und politische Diskussion.“

Als Reaktion darauf sei die Stilisierung der Landwirtschaft als Opfer jedoch wenig hilfreich. Er sparte nicht mit kritischen Worten: Die berufsständische Vertretung habe den Bund seit Jahrzehnten erfolgreich davon abgehalten, lange überfällige Entscheidungen zu treffen. „Viel zu hohe Stickstoffüberschüsse sind bei weitem nicht neu, und was zu tun ist, haben Wissenschaftler immer wieder aufgeschrieben.“ Der Handlungsbedarf sei aber politisch immer wieder verschleppt worden – „und das wurde im Berufsstand an vielen Stellen als Erfolg gefeiert!“

Der Referent forderte vor den Zuhörern auf Dallmanns Deele: „Um aus dieser Situation herauszukommen, gilt es, eine politische Gesamtstrategie zu entwickeln, die es ermöglicht, die steigenden gesellschaftlichen Ansprüche an den Tier- und Umweltschutz zu erfüllen und trotzdem wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Die Landwirtschaft solle sich in der Mitte der Gesellschaft positionieren und nicht ihr gegenüber, so Harald Grethe.

Seit wenigen Wochen ist Dr. Thomas Forstreuter als Hauptgeschäftsführer des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes im Amt. Er stellte sich den Anwesenden vor.

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