Stelle seit einem Jahr unbesetzt – finanzielle Anreize bislang ohne Wirkung
Herford findet keinen Radbeauftragten

Herford (WB). Mehr Geld, flexible Arbeitszeiten, ein nagelneues E-Bike: Trotz etlicher Anreize findet Herford keinen Radverkehrsbeauftragten. Seit mehr als einem Jahr ist die Stelle unbesetzt. Und jetzt wird zusätzlich auch noch ein Mobilitätsmanager gesucht.

Dienstag, 04.02.2020, 07:07 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 07:10 Uhr
Hier knubbelt es sich: Dutzende Räder stehen am Bahnhof. Ein Radbeauftragter der Stadt Herford könnte nach einer Lösung suchen. Das Problem: Die Verwaltung findet keinen, der Posten ist seit mehr als einem Jahr unbesetzt. Foto: Moritz Winde

„Dem Fahrrad und der permanenten Attraktivitätssteigerung des Radverkehrs kommt eine besondere Bedeutung zu.“ So steht es in der Stellenausschreibung der Stadtverkehrs GmbH. Weil der Bewerber bei dem städtischen Tochterunternehmen angestellt sein wird, hat die Verwaltung gewisse Spielräume beim Lohn und muss sich – anders als im öffentlichen Dienst – nicht an Tarifstrukturen halten.

„Es reicht nicht aus, ein eigenes Fahrrad zu besitzen“

Wie scheinbar ausweglos die Suche dennoch ist, machen die Worte von Dr. Peter Böhm deutlich: „Wir wären sogar bereit, bis zu zwei Gehaltsstufen mehr zu bezahlen, wenn alles passt.“

Gepasst hat offenbar aber bisher nicht viel. Alle reden von der Verkehrswende, aber niemand will sie umsetzen – zumindest nicht in Herford. Zwar habe es etwa acht Bewerbungsgespräche gegeben, der Chef betont aber auch: „Vor fünf Jahren hätten wir davon nicht einmal die Hälfte eingeladen. Manche hatten nicht eine einzige Qualifikation. Es reicht eben nicht zu sagen: ‚Ich habe ein Fahrrad‘. Wir erwarten auch eine gewisse Fahrrad-Affinität.“

Ein eingeladener Bewerber habe sogar gar kein eigenes Rad besessen und jeden Weg mit dem Auto zurückgelegt. „Der war eigentlich super. Aber das ist dann natürlich schwer vermittelbar.“

Anforderungsprofil aufgeweicht

In den nächsten Tagen geht die Stellenausschreibung bereits in die vierte Runde. Von Mal zu Mal wurde das Anforderungsprofil weiter aufgeweicht, die Ansprüche sanken. Natürlich habe man sich verwaltungsintern die Frage gestellt, ob zu viel verlangt werde, sagt Böhm.

Gesucht wird nun „eine Person mit abgeschlossener Meister- oder Technikerausbildung oder mit abgeschlossenem Ingenieursstudium, vorzugsweise der Fachrichtungen Tiefbau/Straßenbau oder vergleichbarer Studien oder Berufsabschlüsse.“

Das heißt im Umkehrschluss: Im Prinzip können viele Herfords neuer Radverkehrsbeauftragter werden. „Man sollte für die Sache brennen, kommunikativ sein und keine Angst haben, in der Öffentlichkeit zu stehen. Und gut wäre es, ein gewisses technisches Verständnis mitzubringen. Das wäre schön“, wünscht sich Peter Böhm.

Mitarbeiter sollten abgeworben werden

Immerhin sei Fahrradfahren eines der aktuellen Top-Themen und der Job in Zukunft wohl krisensicher. Und nicht nur das: „Es ist doch auch eine schöne Herausforderung, am Herforder Radkonzept mitzuarbeiten.“

Weshalb ist es so schwierig, die Stelle zu besetzen? Dr. Böhm: „Der Markt ist leer. Und es wird vermutlich in den nächsten Jahren noch schlimmer.“ Wie hart der Kampf um Fachkräfte ist, zeigt dieses Beispiel: „Neulich hat eine Firma in unserer Tiefbauabteilung versucht, unsere Mitarbeiter mit der Aussicht auf 30 Prozent mehr Lohn abzuwerben.“

Böhm macht sich keine Illusionen: Der Geschäftsführer der Stadtverkehrsgesellschaft glaubt nur noch an das Glück: „Zur richtigen Zeit muss die richtige Person unsere Ausschreibung lesen.“ Einen Radverkehrsbeauftragten von einer anderen Stadt loszueisen, schließt er kategorisch aus.

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