Jahresrückblick: Bernd Gieseking macht sich Gedanken über AKK
„Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“

Herford (WB). Als satirischen Jahresrückblick hat Bernd Gieseking sein Programm angekündigt. Doch bei Themen wie Klimawandel oder Internethass kommt die Satire an ihre Grenzen. Und so wird der scharfzüngige Kabarettist zum Mahner und Warner. Das Publikum dankt für den Rollenwechsel mit spontanem Applaus.

Sonntag, 02.02.2020, 17:05 Uhr aktualisiert: 02.02.2020, 17:50 Uhr
Das Telefon gehört dazu. Die fiktiven Telefonate mit Prominenten wie Ursula von der Leyen oder dem Himmelsbewohner Karl Lagerfeld unterhalten das Publikum. Etwa 250 Zuschauer verfolgen das Kleinkunst-Geschehen im Stadttheater. Foto: Hartmut Horstmann

Etwa 250 Zuhörer verfolgen Giesekings Streifzug durch das vergangene Jahr im Stadttheater. „In jedem Jahr werden es ein paar mehr“, sagt Theaterleiter Karl-Heinz Rohlf. Was die Folgerung zulässt, dass sich der Kabarettist aus Minden auch in Herford ein Stammpublikum erspielt hat. Die Fans sind Wiederholungstäter und neue gesellen sich hinzu.

Es ist der mittlerweile 26. Jahresrückblick des 61-Jährigen. Dass die Rückbetrachtung diesmal trotz mancher nachdenklicher Passage kurzweiliger erscheint als in den vergangenen Jahren, hat möglicherweise mit Änderungen im Personal zu tun. Denn die relevanten Politiker, die bei Gieseking vorkamen, waren über Jahre meist die selben. Anders in 2019: „Die Kanzlerin hat im ganzen Jahr nichts gesagt. Also kommt sie auch nicht im Programm vor.“

2019 ­­– das Jahr der Frauen

Als Geschenk für jeden Kabarettisten betrachtet der Bühnenkünstler Friedrich Merz: „The Return of the living Dead.“ Ein Glücksfall, denn den müsse man nicht schonen. Trump-Bashing gibt es auch, wenngleich weniger als sonst. Kurz und niederschmetternd fertigt der Kabarettist den US-Präsidenten und seine Twitter-Kanonaden ab: „Es ist nicht leicht, mit Worten Ekel zu erzeugen. Aber es kann gelingen.“

Wie bereits im HK-Interview gesagt, ist 2019 für Gieseking das Jahr der Frauen . Greta, AKK, Ursula von der Leyen und Carola Rackete sind nur vier der Genannten. Bei Greta und ihrer Wirkung gerät der Künstler ins Schwärmen, zur neuen Verteidigungsministerin fällt ihm vor allem ein Lied von Christian Anders ein: „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo – mit mir allein als Passagier.“

Dann folgt an dem Abend eine längere Passage über Hass und Todesdrohungen, denen unter anderem Politiker im Netz ausgesetzt sind – es wird ruhig im Publikum. „Wie machen wir es wieder fröhlich?“, fragt Gieseking und kennt die Antwort: „Wir reden über die SPD.“

Schadenfreude ist wie Lästern über Florian Silbereisen – geht immer. Zwischendurch ab und zu die klassische Gieseking-Telefon-Nummer. Ursula von der Leyen ruft ihn an, Willy Brandt – und zum Schluss Karl Lagerfeld, der sich über das Outfit seiner Mitbewohner moniert: „Stilmäßig ist der Himmel die Hölle.“

So pendelt der Kabarettist in großer Spiellaune zwischen Satire, Aufklärung und Spaßmacherei. „Bis zum nächsten Mal“ rufen ihm die Zuhörer in Gedanken zu. Sie werden wiederkommen.

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