Sanierung des Schiller-Komplexes: Lars Uhlen lässt altes Wahrzeichen rekonstruieren
Der Turm kehrt zurück

Herford (WB). Vermutlich lebt niemand mehr, der sich noch daran erinnert: Vor mehr als 100 Jahren thronte über dem heutigen Marta-Viertel ein imposanter Zwiebelturm. Zeitpunkt und Umstände seines Abrisses sind jedoch unklar. Doch schon in wenigen Monaten kehrt das einstige Wahrzeichen zurück – detailgetreu nachgebildet.

Samstag, 01.02.2020, 08:08 Uhr aktualisiert: 01.02.2020, 08:10 Uhr
Noch fehlt der Zwiebelturm, doch schon in wenigen Monaten soll er zurück auf den ehemaligen Schiller-Komplex: Dachdeckermeister Frank Sandmann und sein Team bilden das einstige Wahrzeichen nach. Foto: Moritz Winde

Lars Uhlen macht dies möglich. Es sei ihm eine Herzensangelegenheit, sagt der Bonitas-Chef, der den ehemaligen Schiller-Komplex gekauft hat und sanieren lässt . Hätte er im Vorfeld gewusst, wie aufwändig und damit kostspielig das Ganze werden würde, Uhlen wäre wohl nicht im Traum darauf gekommen, dieses Projekt zu starten. „Hinter jeder Wand, die wir aufgestemmt haben, kam eine böse Überraschung zum Vorschein.“

Diese Schwarz/Weiß-Fotografie aus dem Jahr 1909 dient als Vorlage.

Diese Schwarz/Weiß-Fotografie aus dem Jahr 1909 dient als Vorlage.

Auch dies sei ein Grund dafür, weshalb die für Mai geplante Eröffnung verschoben werden müsse. Sein „Wohnzimmer“ – so wird das neue Restaurant in der Schillerstraße heißen, das zugleich Konzertheimat des Musik Kontors ist – soll dann aber spätestens im Herbst bezugsfertig sein. Der aus Vlotho stammende Chartstürmer Joris singt bei der Einweihungsparty.

Zurück zum Turm: Unter Frank Sandmanns Regie wird der sechs Meter hohe und zweieinhalb Meter breite Riese auf die dritte Etage des denkmalgeschützten Gebäudes (Baujahr 1893) gesetzt. Der Dachdeckermeister gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er von diesem Auftrag erzählt: „Das ist etwas sehr Besonderes für uns, eben nichts von der Stange, sondern alles Handarbeit.“

Azubis fertigen Unterkonstruktion

Blick auf die Baustelle an der Schillerbrücke.

Blick auf die Baustelle an der Schillerbrücke. Foto: Winde

Das Turm-Untergestell wird derzeit von Zimmerei-Auszubildenden im zweiten Lehrjahr des Handwerksbildungszentrums Brackwede gebaut. Wegen der großen Dimensionen besteht die Holzkonstruktion aus zwei Teilen, anders wäre sie nicht zu transportieren „Die kommen dann zu uns in die Halle. Dort werden wir sie mit Zinkblechen verkleiden – eine echte Herausforderung“, sagt der Firmenchef.

Als Vorlage dient lediglich eine Schwarz/Weiß-Fotografie von 1909. Schätzungsweise im Sommer soll das bauchige Bauwerk, ausgestattet mit Glockenspiel und Wetterfahne, dann per Kran auf dem Erker installiert werden. „Der Turm wird so ähnlich aussehen wie der auf dem Rathaus und von weither sichtbar sein“, sagt Frank Sandmann.

Völlig aus dem Häuschen ist Stadtführer Mathias Polster. Er spricht von einem stadtbildprägenden Ereignis für Herford. „Diese Türme bildeten früher die Tore in die Stadt“, sagt er. Und je näher man sich der Zielgeraden nähert, desto mehr steigt auch bei Lars Uhlen die Vorfreude: „Das wird richtig toll.“

Die Bauherren: Lars Uhlen und sein Sohn Matthias stehen im entkernten Gebäude. Wenn es fertig ist, trägt das Restaurant den Namen „Wohnzimmer“.

Die Bauherren: Lars Uhlen und sein Sohn Matthias stehen im entkernten Gebäude. Wenn es fertig ist, trägt das Restaurant den Namen „Wohnzimmer“. Foto: Moritz Winde

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