63-Jähriger aus Bünde soll sich in Prostituierte verliebt haben – die wies ihn ab Schüsse auf Bordell: Freier angeklagt

Herford (WB). Weil eine Prostituierte seine Liebe offenbar nicht erwiderte, soll ein Freier zum Gewehr gegriffen und mehrfach aufs „Moonlight“ geschossen haben: Am 21. Februar wird dem 63-Jährigen der Prozess vor dem Herforder Schöffengericht gemacht.

Von Moritz Winde
Das „Moonlight“ an der Lübbecker Straße in Laar: Ende 2018 wurde auf den Nachtklub mehrfach geschossen. Ein 63-Jähriger soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft dafür verantwortlich sein. Sein Motiv könnte Herzschmerz gewesen sein.
Das „Moonlight“ an der Lübbecker Straße in Laar: Ende 2018 wurde auf den Nachtklub mehrfach geschossen. Ein 63-Jähriger soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft dafür verantwortlich sein. Sein Motiv könnte Herzschmerz gewesen sein. Foto: Moritz Winde

Die Staatsanwaltschaft hatte den Bünder – er lebt mittlerweile in Detmold – ursprünglich am Landgericht angeklagt. Doch die Bielefelder Behörde verwies die Angelegenheit nach Herford, sah nicht genügend Beweise für ein Kapitalverbrechen im Rotlicht-Milieu. So wurde aus einer versuchten Tötung eine versuchte gefährliche Körperverletzung.

Fensterscheiben gehen zu Bruch

Dass durch die Schüsse niemand zu Schaden kam, war vermutlich reines Glück. „Zumindest eine Person befand sich hinter der Fensterscheibe, als die Kugeln einschlugen“, sagt Amtsrichterin Alea Blöbaum. Die Taten liegen bereits ein gutes Jahr zurück. Laut Anklage soll der Mann am 30. Dezember 2018 gegen 8.15 Uhr das erste Mal auf den Nachtklub an der Lübbecker Straße geschossen haben – und zwar mit einem Schrotgewehr. Blöbaum: „Durch die Einschläge wurden Rollläden zerstört.“

Einen Tag später, am Silvestermorgen, soll der 63-Jährige erneut zu dem Bordell in Laar gefahren sein. Gegen 6.10 Uhr soll er dann insgesamt sechsmal den Abzug des Gewehres gedrückt haben. Fensterscheiben gingen zu Bruch, ein Projektil traf eine Tür.

Vieles deutet daraufhin, dass das Motiv des Angeklagten Herzschmerz gewesen sein könnte. „Der Mann war wohl häufiger in der Bar und hat sich dabei in eine Prostituierte verliebt. Dieser hat er größere Geldmengen geschenkt“, sagt Richterin Blöbaum. Der Freier soll der Rumänin außerdem eine eigene Wohnung organisiert haben – und zwar im Haus seines Sohnes.

Polizei findet Waffen auf Hof des Angeklagten

Vermutlich ging der 63-Jährige davon aus, er könne mit der Prostituierten zusammen sein. Doch die 46-Jährige wollte nichts von dem Bünder wissen. Das schien den Mann dermaßen zu kränken, dass er neben den Schüssen aufs „Moonlight“ eine weitere Straftat begangen haben soll.

Die Staatsanwaltschaft hat ihn zudem wegen Brandstiftung angeklagt. Er soll am 10. März 2019 die Garage seines Sohnes an der Holzhauser Straße in Bünde angezündet haben, also dort, wo seine „große Liebe“ inzwischen untergekommen war.

Rechtsanwalt Martin Rother aus Gütersloh hat die Verteidigung des Angeklagten übernommen. Er sagt: „Die Polizei hat auf dem landwirtschaftlichen Hof meines Mandanten zwar mehrere Schusswaffen gefunden, allerdings stellt sich die Frage, ob mit diesen tatsächlich auf die Bar geschossen wurde.“

Der Bünder bestreite die Vorwürfe. Nach Informationen dieser Zeitung soll er zwar nicht vorbestraft, zumindest aber wegen verschiedener kleinerer Delikte bei der Herforder Polizei bekannt sein.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7222064?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F