Herfords erste VHS startete Ende des Jahres 1919 – im Januar 1922 war Schluss Das vergessene Jubiläum

Herford (WB). 100 Jahre Volkshochschule: Auch in Herford ist dieses deutschlandweite Jubiläum im vergangenen Jahr gefeiert worden. Dabei ging allerdings etwas unter, dass im Jahr 1919 auch in Herford eine VHS gegründet wurde. Doch verliefen die Anfänge wenig erfolgreich. Nach zwei dürftigen Jahren war Schluss.

Von Hartmut Horstmann
Das alte Friedrichs-Gymnasium an der Brüderstraße: Hier fanden die ersten VHS-Kurse statt. Doch nach nicht einmal drei Jahren wurde der Betrieb mangels Interesse eingestellt. Fotos (2): Kommunalarchiv Herford
Das alte Friedrichs-Gymnasium an der Brüderstraße: Hier fanden die ersten VHS-Kurse statt. Doch nach nicht einmal drei Jahren wurde der Betrieb mangels Interesse eingestellt. Fotos (2): Kommunalarchiv Herford Foto: Kommunalarchiv

Für Mark Stockmeyer, den stellvertretenden VHS-Leiter, ist die fehlende Kontinuität der Grund, die Anfänge der heutigen Bildungseinrichtung in Herford nicht im Jahr 1919 anzusiedeln: „Wir geben als Gründungsjahr 1946 an.“

Alles Wissensgebiete berücksichtigen

Zufällig auf das erste Datum im Jahr 1919 gestoßen ist Dr. Rainer Pape, als er in alten Zeitungsausschnitten blätterte. Allerdings entdeckte der frühere Leiter des stadtgeschichtlichen Museums anfangs nur die Absichtsbekundung, eine VHS zu gründen. Weitere Nachrichten schienen sich nicht finden zu lassen – doch irgendwann las er eine Notiz vom Dezember 1919: „Beginn der Vorlesungen der Volkshochschule zu Herford, ca. 1960 Teilnehmer.“

Zwischenzeitlich hatte Stadtarchivar Christoph Laue eine Akte über die Anfänge der Volkshochschule entdeckt. Zudem hat sich Dr. Peter Biresch in einem Aufsatz über die Weimarer Zeit auch mit der frühen VHS beschäftigt.

„Richtlinien für die Gründung einer Städtischen Volkshochschule in Herford“: Dieser Beitrag erschien am 29. August 1919 im HERFORDER KREISBLATT und führte als Zweck der zu gründenden Einrichtung an: „Die Volkshochschule soll Jedermann die Möglichkeit geben, seine Bildung zu vervollkommnen.“ Alle Lebens- und Wissensgebiete sollten dabei berücksichtigt werden.

Resonanz hinter Erwartungen zurück

Über die Teilnehmer heißt es, Hörer der Volkshochschule könne jeder sein, der das 18. Lebensjahr vollendet habe. Träger solle die Stadt sein – und nicht ein Verein oder eine Organisation. Interessant wird es bei der Finanzierung. So war es offenbar das Ziel, „die Kosten der VHS durch die Hörergelder zu bestreiten“.

Ausgearbeitet wurden die Richtlinien von Theodor Denecke, dem damaligen Direktor des Friedrichs-Gymnasiums. Hierzu passt, dass das ehemalige Schulgebäude an der Brüderstraße auch der Ort für Kurse und Vorträge war. Denecke, von 1914 bis 1947 Friedrichs-Direktor, war es auch, der die Korrespondenz mit der Stadt führte. Gleichzeitig bot der erste Herforder VHS-Chef einen Kurs über Schillers Jugenddramen an. Der Akte im Kommunalarchiv ist zu entnehmen, dass 93 Teilnehmer den Kurs besuchten.

Am 4. November 1919 nahm die VHS ihren Betrieb auf – und die Einnahmen blieben von Anfang an hinter den Erwartungen zurück. So gab es mehr als 2000 Anmeldungen, doch nur die Hälfte hat bezahlt. Vermutlich haben sich Interessierte zu mehreren Veranstaltungen angemeldet, aber nur einen Teil tatsächlich wahrgenommen. Ein Jahr später, Im Dezember 1920, beklagt Theodor Denecke, die VHS-Bewegung sei in Herford an einem toten Punkt angekommen. Lehrgänge, bei denen man mehr als 100 Zuhörer erwarten müsste, kämen auf kaum 20.

Am Ende nur drei Kurse

Keine gute Ausgangslage – und der Hinweis der Stadt, wonach der Zuschuss in Höhe von 5000 Mark nicht überschritten werden dürfte, lassen schwierige Bedingungen erahnen. Nachdem der Start viel Luft nach oben gelassen hatte, wurde im Dezember 1920 ein neuer Versuch unternommen, die VHS zu beleben. Biresch: „Die Lehrpläne hingen an verschiedenen Stellen der Stadt aus.

Als Lehrgänge wurden angeboten: Philosophie, Geschichte, Volkswirtschaft, Handelswirtschaft, Literatur, Naturwissenschaft und Technik.“ Doch der Besuch blieb erneut gering. Trotz intensiverer Werbung kamen im Sommer 1921 nur drei Kurse zustande.

Die letzte Akte, die im Kommunalarchiv liegt, stammt vom November 1921. Kurz darauf war Schluss, wie dem Aufsatz von Peter Biresch im Historischen Jahrbuch zu entnehmen ist: „Als dann im Januar 1922 weiterhin zu wenig Interesse an den Volkshochschulen-Veranstaltungen geäußert wurde, entschloss sich der Magistrat der Stadt Herford, die Volkshochschul-Kurse zunächst einzustellen. Die Teilnehmer erhielten ihr Geld zurück.“

In Bünde erfolgreicher

Der Autor, selbst jahrelang Leiter der Volkshochschule in Lemgo, sieht die in der Weimarer Republik gegründeten Volkshochschulen als „Ausdruck und Antwort auf die tiefe Orientierungskrise in der Nachkriegszeit“. In Bad Oeynhausen sei im Mai 1919 eine VHS eröffnet worden. Auch in Minden und Bielefeld gab es schon Volkshochschulen.

Ewas besser als in Herford sah es in Bünde aus, wo 1920 eine VHS ins Leben gerufen worden war: „In Bünde wurden Veranstaltungen mit 70 bis 80 Zuhörern registriert. Aber auch dort hatte man mit mehr Teilnehmern gerechnet.“

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