Schaustellerverein feiert 125-jährige Bestehen, Gewerbe ist aber schon viel länger vor Ort
Kirmes, Karussells, Kuriositäten

Herford (WB).Eine Kirmes gibt es überall, richtige Schaustellerstädte aber nur wenige. Herford ist eine. Deshalb feiert der hier beheimatete Mitteldeutsche Schaustellerverein am kommenden Samstag sein 125-jähriges Bestehen.

Mittwoch, 08.01.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 10:26 Uhr
Kirmes im Schatten der Münsterkirche: Die Schausteller bauen ihre Karussells gerne für ein „Heimspiel“ auf. Foto: Meyer

Dabei gehören sie schon viel länger zur Stadtgesellschaft: 1826 soll Karusselleigentümer Johann Heinrich Heitmann, Spross einer heimischen Tischlerfamilie, der erste Herforder Schausteller gewesen sein. In dieser Zeit ließen sich auch Schausteller aus anderen Regionen in Herford nieder. Orgeldreher oder Wachsfigurenkabinettbesitzer wurden neue Berufsbilder. Am 29. Dezember 1895 fanden sie sich zu einem Verein zusammen, der heute der drittgrößte seiner Art in Deutschland ist.

In der Bergertormauerstraße zu Hause

Die Schausteller waren vor allem in der Bergertormauerstraße zu Hause. „Es lebten dort keine reichen Leute, aber viele Handwerker und im hinteren Bereich vor allem Schausteller, die dort auch ihre Wagen während der Winterpause abstellten“, erzählt Dirk Frotscher in seinem 2013 in der Zeitschrift „Remensnider“ veröffentlichten Bericht über die in den 1960er Jahren verschwundene Straße. Die kleinen, verwinkelten Häuser fielen der neuentstehenden Berliner Straße zum Opfer.

Kirmes im Lübberbruch in den 1920er Jahren: Die „stärkste Frau der Welt“, ein Bauchredner und ein „Zwerg“ unterhalten das Publikum. Foto: Verein für Herforder Geschichte

Kirmes im Lübberbruch in den 1920er Jahren: Die „stärkste Frau der Welt“, ein Bauchredner und ein „Zwerg“ unterhalten das Publikum. Foto: Verein für Herforder Geschichte

So wie diese familiäre Umgebung verschwand, so mussten die Schausteller in ihrer langen Geschichte auch manch andere Veränderung bewältigen. Etwa das Aus der Visionskirmes, eines der ältesten Volksfeste Deutschlands. Zum Gedenken an eine angebliche mittelalterliche Marienerscheinung auf dem Stiftberg fand sie bis 2010 jedes Jahr im Juni statt, wurde dann aber wegen schwindender Resonanz eingestellt.

Dafür glückte der Umzug der Osterkirmes von der Kiewiese in die Innenstadt. Seit 2012 greift das Konzept, das jährlich tausende Menschen in die Stadt lockt. Von Herford gingen auch Impulse für das Gewerbe weit über die Region hinaus aus: Wilhelm Krameyer und Willi Steiger waren am 13. Januar 1950, also vor genau 70 Jahren, in Herford Mitbegründer des Deutschen Schaustellerbundes (DSB). Bis zum Umzug 1957 nach Bonn war hier auch die Hauptgeschäftsstelle ansässig.

Festakt im Go Parc

Sei jeher ist die eigene Geschichte ein Pfeiler in der Arbeit des Mitteldeutschen Schaustellervereins mit seinen aktuell etwa 100 aktiven Mitgliedern sowie zahlreichen Ehren- und Fördermitgliedern: „125 Jahre Tradition“ ist deshalb der Jahresempfang in der Diskothek Go Parc überschrieben, zu dem am Samstag, 11. Januar, ab 17 Uhr nicht nur die Vereinsangehörigen, sondern auch geladene, hochrangige Gäste erwartet werden. Der Festakt beginnt um 18 Uhr. „Wir sind stolz, dass Landtagspräsident André Kuper die Schirmherrschaft übernommen hat“, sagt Willi Parpalioni, seit 2012 an der Spitze des Schaustellervereins. Auch Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, Landtagsabgeordneter Christian Dahm und Bürgermeister Tim Kähler werden unter den etwa 300 Gästen sein.

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